Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins

Interview mit dem Fotografen Laurent Denimal

Der Fotograf Laurent Denimal
Der Fotograf Laurent Denimal

Ein Franzose in Stockholm

Ein Interview mit einem französischen Montessorilehrer, der auszog, skandinavische Autoren zu fotografieren.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ein Franzose in Schweden – Wie ist es dazu gekommen?

Laurent Denimal:
Ich bin zwei Mal per Interrail durch den Norden gereist: 1984 durch ganz Skandinavien und 1985 durch Schweden. Die Natur hat mich fasziniert, das Friedliche und Ruhige. Im Herbst’85 habe ich dann an der Sorbonne in Paris angefangen, Schwedisch zu lernen, parallel zum Geografiestudium, das ich schon vor zwei Jahren aufgenommen hatte. Ich habe einen Aufsatz in Stadtgeografie über die Grünflächen in Uppsala geschrieben. Später habe ich mich zum Montessorilehrer ausbilden lassen und bekam eine Anstellung in Stockholm, weil ich ein wenig Schwedisch konnte. Das war 1994. Seitdem wohne ich dort.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Seit wann arbeitest du als Fotograf und wie ist es dazu gekommen?

Laurent Denimal:
Nach sieben Jahren als Montessorilehrer
wollte ich weitergehen, etwas Neues machen. Dass es dann die Fotografie wurde, war ganz natürlich, denn ich fotografiere, seitdem ich 12-13 Jahre alt bin und habe immer eine Kamera bei mir gehabt, habe schon als Teenager Großvaters Rolleiflex ausprobiert. In Stockholm habe ich dann eine zweijährige Fotoausbildung gemacht und 2003 ein eigenes Unternehmen gegründet. Seit ungefähr einem Jahr ist etwas Ruhe und Routine eingekehrt, aber ganz und gar kann ich noch nicht von meinem Job als Fotograf leben. Ich arbeite deshalb außerdem von April bis Oktober noch als Gärtner im Millesgarten außerhalb von Stockholm, einem Skulpturenpark des schwedischen Bildhauers Carl Milles, und bereite gerade ein Fotobuch vor, das Bilder zeigt, die ich seit drei Jahren in und von dem Park aufgenommen habe.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Als Fotograf hast du die Ukraine, China, den Libanon, Syrien, Jordanien und Kambodscha besucht und du hast dich auf das Fotografieren von Autoren spezialisiert. Wie geht das vonstatten? Nimmst du den Kontakt zu den Fotografen auf oder kontaktieren dich die Autoren beziehungsweise Verlage?

Laurent Denimal:
Ich reise viel. Wenn ich nicht reise, kann ich nichts mehr sehen (in Schweden zu wohne und zu leben, ist wie eine Reise, die vor 13 Jahren begann). Ich muss außerdem dieses sichere Schweden von Zeit zu Zeit verlassen, um andere Kulturen und Gesellschaften, eine andere Natur zu sehen und zu erleben. Natürlich sind dann immer ein paar Kameras im Gepäck und das resultiert immer in einer Reihe verschiedener Bildserien.

Es ist die Neugier, die mich treibt. Der mittlere Osten, zum Beispiel, ist ein Reiseziel, zu dem ich schon immer mal wollte, durch Beirut zu wandern und diese Stadt selbst zu erleben, von der ich schon so viel gehört hatte, als ich jünger war. Außerdem lese ich viel. Literatur aus den Ländern, die ich bereise, sowie Fachbücher und Zeitungen (zum Beispiel Le Monde Diplomatique) über Politik, Geschichte, Diplomatie, sodass ich mir von dem Land und der Gesellschaft, die ich bereise, selbst ein Bild machen kann.

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Kjell Eriksson © Laurent Denimal Mari Jungstedt © Laurent Denimal Åsa Larsson © Laurent Denimal
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Kjell Eriksson
© Laurent Denimal
Mari Jungstedt
© Laurent Denimal
Åsa Larsson
© Laurent Denimal
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2003 in Beirut habe ich dann auch angefangen, Autoren zu fotografieren. Ich hatte zwei Bücher von Rachid el-Daïf und Elias Khoury gelesen und wollte sie treffen. Das ging ganz leicht. Die Libanesen sind ein sehr freundliches Volk und so glücklich, wenn jemand Interesse an ihrem Land zeigt. Die beiden Autoren halfen mir dann, in Kontakt mit weiteren Autoren zu kommen und es entstand ein Dominoeffekt. Heute bin ich von Zeit zu Zeit in Kontakt mit rund 15 libanesischen Autoren und kehre ein Mal im Jahr nach Beirut zurück.

Ich versuche oft, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: den Aufenthalt in dem Land selbst zu dokumentieren und ein paar Autoren zu treffen. Im Januar reise ich nach Indien und bin gerade dabei, mich mit der indischen Literatur vertraut zu machen.

Aktuell habe ich 133 Autoren getroffen und immer bin ich es, der den Kontakt aufnimmt, mit einer einzigen Ausnahme. Ich bin einer Agentur in Frankreich angeschlossen, die mich bat, Eva-Marie Liffner für einen französischen Verlag zu fotografieren. Autoren zu fotografieren, ist eine sehr kleine Nische, und Aufträge von Verlagen zu erhalten, ist sehr schwer, denn sie haben alle bereits ihre Fotografen, mit denen sie für gewöhnlich zusammenarbeiten.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Warum gerade Portraits von Autoren? Welche künstlerischen und ästhetischen Ansprüche verfolgst du?

Laurent Denimal:
Es ist spannend, einen Autor – oft nur für einen kurzen Moment – zu treffen. Nachdem ich die ersten libanesischen Schriftsteller 2003 getroffen hatte, hat es noch zwei Jahre gedauert, bevor ich verstand, dass ich mich da mit etwas beschäftigte, mit dem ich auch ein fotografisches Ziel verfolgte und das mir Spaß macht. Aber ich suche noch immer nach einem Stil. Hauptsächlich arbeite ich mit einer Digitalkamera und probiere von Zeit zu Zeit eine andere Kamera aus oder einen anderen Film. Im Moment will ich vor allem noch mit Bildern nach Hause kommen, mit denen ich zufrieden bin, und die eventuell ein Verlag kaufen könnte.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Wie bereitest du dich auf ein Fotoshooting mit einem Autor vor?

Laurent Denimal:
Ich informiere mich über den Autoren, meistens übers Internet. Ich komme immer ungefähr 15-20 Minuten, bevor wir uns verabredet haben, um ein wenig herumzuspazieren, zu gucken, ob ich eine gute Stelle zum Fotografieren finde usw. Meistens treffen wir uns draußen, ich ziehe Tageslicht vor, auch wenn es im Winter etwas kalt werden kann.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Wie viel Zeit benötigst du, um dich auf einen Termin mit einem Autor vorzubereiten?

Laurent Denimal:
Das sind immer sehr kurze Treffen, 10-15
Minuten, selten hat der Autor mehr Zeit für mich, wahrscheinlich, weil ich es bin, der die Bilder machen will. Ein Verlag, der ein Shooting organisiert, kann vielleicht verlangen, dass sich der Autor einen halben Tag Zeit nimmt. Bei ausländischen Autoren, die nach Stockholm kommen, gehe ich über den Verlag, der einen Zeitplan erstellt. Ich wähle weder Ort noch Zeit aus, und oft handelt es sich nur um fünf Minuten. Aber in Beirut ist das ganz anders. Wir sitzen im Café, sprechen über das Leben und die Politik, über das letzte Buch, das er oder sie herausgegeben hat, manchmal isst man auch zu Mittag zusammen oder geht abends aus. Da gilt es dann, nicht zu vergessen, Fotos zu machen!

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Was kennzeichnet deiner Meinung nach ein gutes Autorenportrait?

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Håkan Nesser © Laurent Denimal Leif GW Persson © Laurent Denimal
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Håkan Nesser © Laurent Denimal Leif GW Persson © Laurent Denimal
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Laurent Denimal:
Wenn der Kontakt zum Autor gut ist, ist das immer eine gute Voraussetzung, für mein eigenes Selbstvertrauen, dann weiß ich, dass die Chancen gut stehen, dass die Bilder interessant werden. Aber wie das Licht fällt, ist das Wichtigste, es ausnutzen zu können und die Persönlichkeit des Autors hervorzuholen. Den richtigen Moment zu finden, auf den Auslöser zu drücken, wie bei den Portraits von Henri-Cartier Bresson.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Welche Unterschiede gibt es beim Fotografieren von skandinavischen und arabischen Autoren und woher kommt das Interesse für gerade diese beiden „Autorentypen”? Warum zum Beispiel keine französischen Autoren?

Laurent Denimal:
Ich habe jetzt im Herbst angefangen, erstmals französische Autoren über das Französische Institut in Stockholm zu treffen – das erste Mal in zwei Jahren. Alles geht schwerfälliger vonstatten mit den Franzosen. Es ist nicht so sehr das Institut selbst, das bremst, sondern sehr häufig sind es die Autoren, die nicht fotografiert werden wollen. Jeder andere ausländische Autor zu Besuch in Stockholm hat damit kein Problem, und natürlich auch nicht alle arabischen Autoren, egal, wo man sich befindet. Die skandinavischen Autoren sind natürlich die, die mich ständig umgeben. Es ist zu einer Art Spiel geworden, zu versuchen, so viele Autoren wie möglich zu treffen und zu fotografieren. Außerdem ist es in Skandinavien so leicht, miteinander in Kontakt zu kommen. Die Gesellschaft ist nicht so abgeschottet wie in Frankreich. Ich kann zum Beispiel einfach bei einem Autor, der Mitglied der Schwedischen Akademie ist, zu Hause anrufen und mich und mein Projekt vorstellen. In Frankreich dagegen gibt es nicht die geringste Chance, die Telefonnummer eines Autors der Académie zu bekommen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Warum ausgerechnet eine Spezialisierung auf Autoren – und nicht auf Schauspieler, Sänger, Politiker oder Berühmtheiten im Allgemeinen?

Laurent Denimal:
Die literarische Welt bringt mich zum Träumen, sie ist unübertrefflich. Außerdem möchte ich mich nicht zu sehr splitten, sondern mich länger auf eine spezielle „Kategorie“ fokussieren. Danach widme ich mich vielleicht einer anderen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Welchen Autor, den du bisher noch nicht fotografiert hast, würdest du gerne einmal treffen und warum?


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Laurent Denimal:
Zu viele, um sie alle zu erwähnen. Aber auf jeden Fall sind auf der Liste: Arundhati Roy, Salman Rushdi, Kenzaburo Oe, Ismaïl Kadaré, José Saramago, Gao Xingjian. Große Namen ganz einfach, große Werke. Die Rolleiflex wäre in jedem Fall dabei, mit einem Schwarzweiß-Film.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Welche Autoren liest du gerne und warum?

Laurent Denimal:
Ich habe keinen speziellen Lieblingsautoren, ein Teil taucht immer wieder auf, aber ich schaffe es leider nie, alle Bücher zu lesen, die es zu lesen gibt. Im Moment lese ich Mohsin Hamids Buch „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte” sowie Faraj Bayrakdars Buch „Enttäuschungen der Sprache und des Schweigens - meine Verbannung in die Gefängnisse des syrischen Geheimdienstes“ Das ist ein syrischer Poet, der sich in Stockholm niedergelassen hat und über seine 14jährige Haft in Syrien schreibt. Nachdem ich Daniel Kehlmann getroffen habe, will ich unbedingt „Die Vermessung der Welt“ lesen. Von den Krimiautoren mag ich am liebsten Henning Mankell, Denise Mina, Karin Alvtegen, Leif GW Persson und Stieg Larsson.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Welches war dein bisher intensivstes Erlebnis als Fotograf?

Laurent Denimal:
Das war, als ich im März dieses Jahres Minenräumer im südlichen Libanon begleitet und fotografiert habe. Sie beseitigen nicht explodierte sogenannte Clusterbomben, die von der israelischen Armee während der letzten 72 Stunden des Krieges vom Juli 2006 gestreut wurden. Das Resultat sind zwei Bildserien, die man sich auf meiner Internetseite (Direktlink) unter ansehen kann.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Vielen Dank für das interessante Interview!

Alle Fotos von Laurent Denimal sind unter www.laurentdenimal.se zu sehen.

Autorin: Alexandra Hagenguth
© Dezember 2007 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
© Fotos: Laurent Denimal
© 2001 - 2016 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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