Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Der Brandstifter" von Jón Hallur Stefánsson

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Pyromane, der; (an Pyromanie Leidender)
Pyromanie, die; - (krankhafter Trieb, Brände zu legen)

Seyðisfjörður, das pittoreske Dorf am Ende des gleichnamigen Fjords ist Schauplatz des neuesten Kriminalromans von Jón Hallur Stefánsson. In Seyðisfjörður stehen noch viele Holzhäuser aus vergangenen, großen Tagen. Seyðisfjörður war um die Jahrhundertwende noch der wichtigste Ort in Ostisland, ein Handelszentrum von großer Bedeutung. Jahrhunderte lang vorher lebten die Menschen am Fjord isoliert auf weit auseinander liegenden Höfen. Erst 1834 wurde am Ende des Fjords eine Handelsstation eingerichtet. Der wahre Aufschwung kam mit dem Heringsfischfang am Anfang des 20. Jh. durch dänische und norwegische Kaufleute. Der starke ausländische Einfluss spiegelt sich in der Architektur des Ortes wieder, eine bunte Mischung aus norwegischer, dänischer und isländischer Bauweise. Diese alten Häuser erzählen ihre eigene Geschichte, die Geschichte dieses Ortes. Die nur 27 km lange Straße 93 zwischen Seyðisfjörður und Egilstaðir ist für alle Reisende, die mit der Fähre nach Island reisen, das erste Island Straßen Erlebnis. Sie überquert in einer Höhe von 620 m die Fjarðarheiði, und das sind Richtung Seyðisfjörður echte 620 m Höhenunterschied, denn dort kommt die Straße auf Meereshöhe. Auf dem Paß liegt auch im Sommer an geschützten Stellen oft Schnee, und im Winter ist ein Überqueren meist nur mit dem Schneemobil möglich. Sehenswert sind die vielen Wasserfälle des Flusses  Fjardará neben dem Straßenstück, das ins Tal am Seyðisfjörður hinabführt.

„Der Brandstifter“ spielt in der Vorweihnachtszeit. Valdimar Eggertsson, bekannt schon aus Jón Hallur Stefánssons erstem Kriminalroman, muß sich in Richtung der Ostfjorde aufmachen, um in diesem Fall zu ermitteln. Dieser neue Fall von Brandstiftung erfolgt ein Jahr nach einem ersten Brand in Seyðisfjörður. Damals war dort ein altes Holzhaus bis aufs Fundament heruntergebrannt. Auch damals hatte man die Reykjaviker Kriminalpolizei eingeschaltet. Die Pfarrersfamilie, die in dem Haus wohnte waren über das Wochenende in Reykjavik gewesen. Die Ermittlungen führten damals zu keinem Ergebnis. Am Ende war bei  Valdimar nichts zurückgeblieben als ein ungutes Gefühl. Seitdem hatte es zwei weitere, ziemlich stümperhafte Brandtiftungsversuche in der Kleinstadt gegeben. Der neue Fall zeigt nun Parallelen zu dem ersten Feuer. Wieder war niemand zu Hause und es gab nur ein zerstörtes Haus. Trotzdem übernimmt Valdemar die Ermittlungen und macht sich auf in die östliche Einöde. Und bald nach seinem Eintreffen verstärkt sich sein Gefühl, dass der Brand bei den Pfarrersleuten im Zusammenhang stehen könnte mit dem aktuellen Brand. Es gibt verschiedene Querverbindungen zwischen den Hausbesitzern und anderen Personen in deren Umfeld. Innerhalb von vier Tagen, von Montag bis Donnerstag, ermittelt Valdimar in Seyðisfjörður. Dabei trifft er auf ein Geflecht von Personen, die alle miteinander verbunden sind und alle scheinen irgendwie mit diesem Fall zu tun zu haben. So kommt der Dorfpolizist in die Verlegenheit, gegen zwei Personen zu ermitteln, die zu seiner Verwandtschaft gehören. Und auch sonst scheint fast jeder in diesem Fall etwas zu verbergen. Und als sich dann auch noch die Wetterverhältnisse verschlechtern und Seyðisfjörður von der Außenwelt abgeschnitten wird, ist Valdimar auf sich angewiesen. Dann geschehen weitere Brände und ein junges Mädchen wird lebensgefährlich verletzt. Die Situation eskaliert und Valdimar muß mit hohem persönlichen Einsatz die Lösung des Falles suchen. Aber hat er sie am Ende des Buches wirklich gefunden? Es bleiben Fragen.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Der zweite Kriminalroman von Stéfansson führt uns weg von Reykjavík - in die Provinz. In einen überschaubaren kleinen Ort, in dem jeder jeden kennt und in dem es doch viele Geheimnisse gibt. Große und kleine Familiengeheimnisse, die auch einen Selbstmord einschließen, einen Pfarrer, der an seinem Glauben verzweifelt, seine Ehefrau, die an seiner Seite verkümmert, der Schwager des Dorfpolizisten, der in Verdacht gerät und der versucht, seine Firma auf unlegale Art und Weise zu retten, eine Ehefrau, die nymphomanisch veranlagt ist und ihre Familie zerstört. Diese Kleinstadt und ihre Protagonisten beschreibt Jón Hallur in diesem Kriminalroman. Auch Valdimar hat Probleme mit seiner aktuellen Lebensgefährtin und kann nicht mit deren Krebserkrankung umgehen. So wie fast alle  Menschen in diesem Buch, nicht in der Lage sind, miteinander zu reden. Der Dorfpolizist mit seinem Sohn, die Eheleute untereinander, die Mutter mit ihrer Tochter. Es gibt nur Schuldzuweisungen und Abneigung. Humor, wie in Jón Hallurs erstem Buch, findet man hier nicht. Die Menschen sind einsam, wie das eingeschlossene Seyðisfjörður. Die Lösung des Falles, so es denn eine gibt, läßt nur menschliche Trümmer zurück, zerstörte Familien.

Jón Hallur Stefánssons zweiter Roman hat nicht ganz die Qualität seines ersten Buches, dazu ist etwas zu ambivalent. Für einen Kriminalroman fehlt etwas die Spannung und für einen psychologischen Roman bleiben doch manche Charaktere etwas zu blaß. Trotzdem ist es ein Buch, das man gerne gelesen hat, vor allem wenn man das Städtchen Seyðisfjörður kennt und dort schon ein paar Tage verbracht hat. Es ist gute Unterhaltung. Was man nicht ganz verstehen kann, dass in der deutschen Übersetzung, wie auch schon bei "Eiskalte Stille", das "Sie" auftaucht. Ist man doch daran gewöhnt, dass sich die Isländer alle duzen und auch in den anderen Übersetzungen aus dem Isländischen, dies so beibehalten wird. Aber es wird wohl seine Gründe haben.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
© März 2009 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Eiskalte Stille" von Jón Hallur Stefánsson

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Wenn man den isländischen Titel von Stefánssons Kriminalroman „Krosstré“ ins Deutsche  überträgt, erhält man den nautischen Begriff „Quersaling“ oder „Saling“. Die Saling ist im traditionellen Schiffbau eine Holzkonstruktion, welche die Hoftaue spreizt, so dass diese in größerem Winkel den oberen Teil des Mastes abstützen. Auf  Segelschiffen ist diese eine Plattform auf der man stehen kann und damit sicheren Boden unter den Füßen hat. Jón Hallur selbst meint zu seinem Titel, dass dieser schwer zu übersetzen ist aber die zugrundeliegende Bedeutung ist: "Sogar die Dinge, auf die Du Dich am meisten verlässt, können Dich im Stich lassen".

Jón Hallur, der in Island als Kronprinz der isländischen Kriminalliteratur gehandelt wird,  erzählt uns die Geschichte von Björn, einem erfolgreichen Architekten Anfang 40, der von seinem Sohn Marteinn schwer verletzt am  Seeufer im Thingvellir gefunden wird. Björn war spät abends noch zu dem Sommerhaus der Familie gefahren, nachdem er einen Anruf erhalten hatte und hatte sich seither nicht mehr gemeldet. Und nun findet ihn sein Sohn  mit eingeschlagenem Schädel - Verbrechen oder Unfall? Björn, Architekt, Ehemann und Vater zweier Kinder, hat ein Verhältnis mit Sunneva Gunnarsdóttir, einer rothaarigen Architekturstudentin von beunruhigender Schönheit. Sie ist die Tochter von Gunnar, bis vor kurzem Freund und Kollege von Björn und ehemaliger Teilhaber eines gemeinsamen Architekturbüros. Gunnar wurde ausbezahlt, da er Alkoholiker ist. Marteinn kommt hinter das Verhältnis und bricht bei Sunneva ein, um Klarheit zu bekommen. Marteinn spürt, wie die Familie zerbricht. Er hat das Gefühl, dass er die Menschen, die normalerweise als die nächsten Anverwandten gelten, kaum noch kannte. „Eiskalte Stille“ ist ein Kriminalroman über kaputte Beziehungen, Lügen, unausgesprochen Wahrheiten und der Unfähigkeit, miteinander zu reden. Deshalb wird auch sehr bald deutlich, dass der Architekt in einem Netz aus Lügen und Täuschungen gefangen ist. In diesem Netz sind auch seine Familie, seine Geliebte und seine Mitarbeiter verstrickt. Sind Opfer und Beteiligte zugleich.

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Der eigentliche Protagonist neben dem Polizisten Valdimar Eggertsson ist Marteinn. Marteinn, den wir kennen lernen, als er versucht bei Sunneva einzubrechen, ist hin und hergerissen zwischen der Loyalität zu seinem Vater und dem Hass auf ihn. Als es aber darauf ankommt, seinen Vater zu schützen, bringt er sich selbst in größte Gefahr. Die Polizisten verdächtigen ihn, etwas mit der Sache zu tun zu haben und er durchkreuzt die Pläne eines Mörders. Ja, es kam ihm vor, als bedeutete er für jeden Unglück, der auch nur in seine Nähe kam.

Und es gibt den Polizisten Valdimar, der durch Jón Hallur dadurch eingeführt wird, dass dieser einen Schwulen zusammenschlägt. Kein angenehmer  Typ dieser Valdimar, aber im Laufe der Geschichte erfährt man einiges über ihn. Seine Schwächen, Vorurteile und seine Gefühle. Er ist keine sympathische Erscheinung dieser Polizist. Sieht wie der typische Mörder aus, wie jemand, der nur auf die Gelegenheit wartet, gewalttätig zu werden. Er ist 37 Jahre alt und seit sechs Jahren bei der Kriminalpolizei. Valdimar hat gerade Beziehungsstress mit seiner Freundin und leidet unter einer Berührungs-Phobie. Und dies vor allem Frauen gegenüber. Und immer mußte er an jenen Spätsommer denken, den seine Mutter unvergesslich gemacht hatte, indem sie sich im Badezimmer die Pulsadern aufgeschnitten hatte. Valdimar gibt die Schuld daran seinem Vater. Mittlerweile herrschte zwischen ihnen eine Art Waffenstillstand, der auf der Grundlage des Selbstmordes der Mutter funktionierte.

„Eiskalte Stille“ ist zum großen Teil eine urkomische schwarze Komödie, die nicht selten an einige Filme von Alfred Hitchcock erinnert. Ist es Zufall, dass dem Leser bei einer Schilderung über die Beseitigung einer Leiche an „Frenzy“ denkt, in welcher der Mörder mit einer Frauenleiche kämpft? Eine groteske und bizarre Szene, die hier ein adäquates Duplikat erhält. Das ist aber nicht die einzige bizarre Szene in diesem Roman. Der mißlungene  Einbruch von Marteinn bei Sunneva ist ein gutes Beispiel dafür, um nur eines zu nennen und um nicht zu viel zu verraten. Auch gibt es noch die Geschichte in der Geschichte. Die Erzählung über den japanischen Auftragkillers Hananda Nau, der vom Mörder zum Lebensretter wird und dadurch völlig neben die Spur kommt. Er hatte einen Job zu erledigen und wusste nicht, wie er ihn anpacken sollte.

Jón Hallur schreibt direkter, härter als zum Beispiel Arnaldur Indriðason. Es ist nicht der feine Pinselstrich, wie bei Arnaldur. Beziehungen werden über Sex definiert oder über Abhängigkeiten. Liebe ist brutal, aber nie genussvoll. Doch der Humor ist schwarz, bizarr und urkomisch. Jón  Hallur Stefánsson erlangte wohlverdiente Aufmerksamkeit, als er im Jahre 2004 den Wettbewerb der isländischen Kriminalschriftsteller mit seiner Kurzgeschichte "Enginn engill", auf deutsch "Kein Engel" gewann. Krosstré ist sein erster Roman, eine komplexe Geschichte, spannend und kunstvoll geschrieben. Ein Kriminalroman mit makaberen Elementen, der den Leser bis zur letzten Seite im Griff behält.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
© September 2007 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
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