Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Schuldlos ohne Schuld" von Kjell-Olof Bornemark

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"Ein Psychogramm ist der Versuch eines Persönlichkeitsbilds durch Zusammenstellung und Deutung aller erfassbaren psychologischen Daten. Die Aufstellung eines Psychogramms findet unter anderem in der psychologischen Diagnostik Anwendung und geht auch in die “Anamnese” ein. Im Rahmen der Anamnese, Erinnerung, wird die Vorgeschichte eines Patienten in Bezug auf seine aktuellen Beschwerden erhoben."

Nichts anderes macht Kjell-Olof Bornemark in seinem Buch “Schuldlos ohne Schuld”. Behutsam und eindringlich zeichnet er das Bild eines Mannes, der sich langsam aber sicher in seiner eigenen Welt verliert und seine Umwelt und seine Mitmenschen nur noch als Feinde, als Gegner ansehen kann. Und unter diesen vor allem die Vertreter der Macht. Die Politiker. Und so schildert Bornemark das unaufhaltsame Zusammentreffen von Martin Larsson und dem hochrangigen Politiker, hinter dem unschwer der schwedische Staatsminister Olof Palme zu erkennen ist. Kjell-Olof Bornemark zeichnet einen neuen Verlauf des Mordes an Olof Palme nach. Die Theorie des Einzeltäters, eines Täters, der es nicht auf die Person Olof Palme abgesehen hatte, sondern auf die Politiker, auf die Macht.

"Nie zuvor ist Martin jemanden so nahe gekommen, der uneingeschränkt die absolute Macht vertritt. Martin sieht ihn mit dunklen Augen an. Es ist nicht der Mann, den er betrachtet, sonder das, was er vertritt. Die Macht. Diese Macht, die ihm, Martin Larsson, ein anständiges Leben verweigert hat, die ihn erniedrigt, verurteilt und zerbrochen und dann von sich weggeschoben hat wie einen Aussätzigen. Diese Macht und also auch der Mann dort tragen die Verantwortung für Martins qualvolles Leben mit all seinen  Demütigungen und Niederlagen."

Die Gesellschaft hat Martin Larsson klassifiziert. Niemand verkündet offen, dass er verrückt sei, jedenfalls nicht so verrückt, dass man ihn einsperren müsste. Aber sie haben ihn in ein Fach verstaut. Dort darf er bleiben, solange er keine Unannehmlichkeiten macht. Er, der es gewohnt ist allein zu sein und der sich daran gewöhnt hat, dass die anderen nie mit ihm, aber über ihn sprechen. Er ist allein bei der Arbeit, hat keine Freunde und er ist nicht der hellste Kopf. Aber er ist empfindlich. Er verträgt keine Beleidigungen, eingebildete und reale. Aber warum soll er alles hinnehmen? Vielleicht ist er trotzdem nicht ganz einsam. "Es muss andere geben, die dieselben Erfahrungen gemacht haben wie ich", denkt er. Der Hass muss überall liegen und schwelen, kleine flackernde Flammen in abgelegenen Verstecken, die selten die Kraft haben aufzulodern und die sich allzu oft selbst ersticken. Gemeinsam ist ihnen, den Ausgegrenzten, dass sie allzu viel erdulden, dass sie Schläge hinnehmen und gewohnt sind, Prügel einzustecken, und dass sie nichts anderes erwarten. Viele Beiseitegestoßene ziehen sich lieber in ihr Inneres zurück, als sich aufzumachen und nach Gleichgesinnten zu suchen. Der Ausgestoßene ist gezwungen, nichts und niemand anzuerkennen außer sich selbst. Er kämpft gegen die Selbstverachtung, die, wie er weiß, ihren Grund in der Feigheit hat. Um weiterleben zu können und schließlich nicht die Achtung vor sich selbst zu verlieren, muss der Ausgestoßene hassen, und wenn der Hass endlich zu schwelen und zu glimmen beginnt, muss er mit Liebe und menschlicher Nähe gelöscht werden, falls er nicht in vernichtenden Flammen emporschlagen soll.
 
  Kjell-Olof Bornemark bei schwedenkrimi.de
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"Die biographische Anamnese ist darüber hinaus erweitert auf die gesamte Lebensgeschichte des Patienten. Eine sorgfältige Anamneseerhebung schließt biologische, psychische und soziale Aspekte mit ein."

"Bosheit. Die Schläge mit der Blumenschere durch seinen Vater. Irene. Oiva und die Finnen. Die Polizei, die ihm in den Bauch schlug. Die Staatsanwältin und ihre kalten Augen. Alle, die ihn gekränkt und verhöhnt und dabei ihr Vergnügen gehabt haben. Der lebenslange Verrat. Die kalte Zurückweisung von denen, die sagen, sie seien anders, und die immer meinen, dass sie mehr seien als er selbst. Schließlich die schlampige Verkommenheit seiner Zechkumpane. Die Bosheit trifft immer den Schwachen, und wenn dieser sich ein einziges Mal mit denselben Mitteln zu wehren versucht, wird er bestraft. Er wird nicht nur als schuldig, sondern auch als unmenschliches Ungeheuer hingestellt, dass man ausrotten muss. Es gibt niemanden der begreift, dass er selbst - Martin Larsson - nicht glaubt, eine Schuld zu tragen. Nicht mehr Schuld als alle um ihn herum."

Er aber wird Vergeltung üben für all die Situationen, in denen er weggejagt oder abgespeist worden ist, behandelt wie ein Aussätziger in einem Land, in dem alle gleichberechtigt und denselben Wert haben, wo aber diejenigen, die nicht den tristen Normen entspreche, beiseite gedrängt und als Abfall behandelt werden. Man hat ihn in ein Nichts verwandelt, in eine statistische Absonderlichkeit, mit der niemand rechnet und der man nicht die Hand geben kann, da es sich um keine Person handelt. Und als er die Möglichkeit bekommt, selbst Macht auszuüben, nimmt er dies wahr. Die Waffe hat sein Leben verändert und ihm Stärke verliehen. Es ist auch eine Frage der Rache. Indem es andere nie erfahren, kann er sich endlich und endgültig für die Beleidigungen rächen, denen er ausgesetzt war. Auch wenn er fort ist, wird er in ihrer Erinnerung weiterleben, in dem Bild, das sie von ihm haben. Und sie werden nie erfahren, wer er wirklich war.

"Mit Stolz begreift er, dass er seinen Namen in das Buch der Geschichte eingeschrieben hat. Er ist eine historische Persönlichkeit geworden, und niemand kann ihm das rauben. Aber: Niemand  darf je die Wahrheit über ihn erfahren, über die denkwürdige Tat, die er vollbracht hat. Er wird namenlos in die Geschichte eingehen. Damit muss er zu leben lernen."

"Die Katharsis bezeichnet in der Psychologie die Hypothese, dass das Ausleben von inneren Konflikten und verdrängten Emotionen zu einer Reduktion der Konflikte und Gefühle führt. Vornehmlich wird von Katharsis gesprochen, wenn durch das Ausleben von Aggressionen eine Reduktion der Aggressionsbereitschaft erzielt werden soll. Neuere Untersuchungen legen aber dar, dass dies nicht der Fall ist, sondern führt zu einer Steigerung aggressiver Tendenzen."

Nichts Besonderes ist geschehen. Ein Mensch ist verschwunden, aber niemand wird ihn vermissen. Eine Mordwaffe ist weg, und sie wird nie gefunden werden. Eine Erzählung ist zu Ende.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
© Februar 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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