Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins

Interview mit dem Autoren Arnaldur Indriðason

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Man kann mit Sicherheit sagen, dass das Jahr 2005 ein sehr erfolgreiches Jahr für Dich war. Du hast den "Golden Dagger Award" (den Preis der englischen Gesellschaft der Kriminalschriftseller) für "Grafarþögn" (dtsch: "Todeshauch") und den "Martin Beck Award" für "Röddin" (dtsch: "Engelsstimme") für den besten ausländischen Kriminalroman in Schweden erhalten. Auch erschien Dein neues Buch "Vetraborgin" im November in Island und Dein Buch "Mýrin" (dtsch: "Nordermoor") wurde in den USA veröffentlicht. Welches dieser Ereignisse war das wichtigste für Dich?

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Der KRIMI
von Arnaldur Indridason
"Nacht über Reykjavík"
Arnaldur Indriðason:
Gut, ich habe den "Golden Dagger Award für "Grafarþögn" bekommen. Nun, es zeigt sich, dass, auch wenn man in einer sehr begrenzten Sprache wie das Isländische (3000.000 Bewohner) schreibt, man mit den Besten konkurrieren kann. Was man machen muß, ist, in Isländisch über Island zu schreiben, über das, was man weiß, und zu versuchen, darin etwas Neues und Ursprüngliches für den Kriminalroman zu finden.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Denkst Du, dass der Kriminalroman nun in der isländischen Literatur Wurzeln gefasst hat? Ich habe gehört, dass im Herbst letzten Jahres elf neue Kriminalromane von verschiedenen Autoren, wie z.B. Viktor Arnar Ingólfsson, Stella Blómkvist, Ævar Örn Jósepsson und Árni Þorarinsson veröffentlicht wurden. Siehst Du das als eine momentane Erscheinung, verursacht durch Deine internationale Erfolge, oder denkst Du, dies ist nun ein dauerhafter Zustand?

Arnaldur Indriðason:
Ich denke, der isländische Kriminalroman ist nun endgültig da, und er wird bleiben. Wir hatten am Anfang Schwierigkeiten in Fahrt zu kommen aber seit 1997 blüht er tatsächlich auf. Die Verleger sind interessiert, die Leser zeigen Interesse und auch die Schriftsteller, es kommen jedes Jahr neue hinzu. Und letztes Jahr stellten wir einen hervorragenden Rekord auf, mit mehr als zehn Kriminalromanen, die sehr gute Reaktionen erhalten haben. Sie alle variieren im Inhalt und in den Charakteren und zeigen den Atem und die Kraft des isländischen Geschichtenerzählens.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
War es befriedigend für Dich, dass Dein Roman "Kleifarvatn" (dtsch: "Kältezone") im Jahre 2004 für den isländischen Literaturpreis nominiert war? Ist dies ein Zeichen, dass die isländische Literatur den isländischen Kriminalroman akzeptiert hat?

Arnaldur Indriðason:
Sicher. Absolut. Es gab ein paar, die sagten, dass ist entsetzlich aber viele andere sahen, dass dies mit guter Literatur zu tun hat, wie wir in Island Kriminalromane schreiben. Für mich gibt es keine Kategorien in der Literatur außer guten Büchern und schlechten Büchern.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Dein Roman "Kleifarvatn" ist in diesen Tagen in Deutschland erschienen. Es ist ein Roman, der während des Kalten Krieges spielt. Einiges spielt in Ostdeutschland. Wie hast Du es geschafft, diese Vergangenheit zu beschreiben? Den Geist dieser Jahre? Hast Du Bücher darüber gelesen oder hast Du Deine Inspirationen durch Filme bekommen, die in den 50er und 60er Jahre spielen?

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Arnaldur Indriðason:
Ich versuchte, so realistisch zu sein wie ich konnte, informierte mich im Internet, las Zeitungen aus dieser Zeit, las Geschichten von isländische Studenten, die in Ostdeutschland und anderen kommunistischen Ländern studiert haben und unterhielt mich mit Leuten. Auch bin ich alt genug, um mich an die kalten Tage des Kalten Krieges zu erinnern und ich wollte darüber schreiben, über den Osten und den Westen, die Spionage, über die Ideologie der jungen Sozialisten, den Kampf gegen den Kapitalismus und die Politik. Es beinhaltet viel über den Kalten Krieg in Island und es ist eine höchst isländische Geschichte obwohl Teile davon in Ostdeutschland spielen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ein Teil der Geschichte spielt in der Stadt Leipzig, in dem früheren Ostdeutschland. Ist es richtig, dass Du die Idee für die Geschichte, durch den Besuch des Stasimuseums bekommen hast?

Arnaldur Indriðason:
Nein, wirklich nicht. Ich hatte die Idee, etwas über den Kalten Krieg zu schreiben, schon vor Jahren, aber ich bin dort ein paar Mal gewesen (immer wenn ich auf der Leipziger Buchmesse war) und dahin zu gehen, hat mir vielleicht dabei geholfen, mich dazu zu entscheiden, mit dem Schreiben weiterzumachen und die Geschichte wahr werden zu lassen. Die eigentliche Idee kam vom See Kleifarvatn selbst, weil im Jahre 1973 einige Taucher eine Menge russische Spionageausrüstung fanden, die in den See gekippt worden war.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Die meisten Deiner Bücher, ich denke dabei vor allem an die Bücher mit dem Team Erlendur, Elínborg und Sigurður, beschreiben das Phänomen des "Verschwindens". Menschen verschwinden in der Vergangenheit, erscheinen wieder in der Gegenwart und bringen den Ball ins Rollen. Die Ermittlungen der Kriminalbeamten reichen weit in die Vergangenheit, um den Fall zu lösen. Auch Sveinsson, trägt an dem "Mysterium des Verschwindens". Er verlor seinen Bruder im Hochland in einem Schneesturm. Ist dieser "Zustand des verschwunden Seins" der Kern Ihrer Romane?

Arnaldur Indriðason:
Ja, auch der von Erlendur und es ist ein großer Teil von Islands Geschichte. Als ich die Persönlichkeit von Erlendur geformt habe, dachte ich über die Dinge nach, das ihn auf eine Weise mehr isländisch machen würde als andere Dinge und ich denke, diese Geschichte über ihn, wie er in einem Schneesturm um sein Leben gekämpft und seinen Bruder verloren hat, ist irgendwie dieser Kunstgriff. Sein Glaube ist (wie in "Grafarþögn"), dass das Verschwinden öfters mit einem Verbrechen verbunden ist, als wir denken. Verursacht durch seine Vergangenheit, versucht Erlendur alles, um eine vermisste Person zu finden. Er will keine Ruhe geben, bis der Fall gelöst ist.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Der See Kleifarvatn, ein See in Island, der in einer langen Spalte verschwindet, ist ein Rätsel für Geologen. Ist dieser mysteriöse See, welcher in seiner unheimlichen Dunkelheit kommt und geht, eine Parabel für das Rätsel über verschwundene Menschen?

Arnaldur Indriðason:
Das ist eine gute Frage und vielleicht ist es so. Der See verschwand nicht im ganzen (nur 25% von ihm) aber er bewahrt (in meinem Roman) das Geheimnis eines Verschwindens, welches Erlendur wirklich in Beziehung bringen kann. Aber was geht vor in seiner "unheimlichen Dunkelheit" - sogar ich weiß es nicht völlig.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Neben der Vergangenheit und des Verschwindens ist "Schuld" ebenfalls ein Schlüssel zu Deinem Werk oder ist der folgende Satz, der Satz, der Ihr Werk beschreibt: "Es liegt viel Traurigkeit in der Zeit"?

Arnaldur Indriðason:
Schuld und Verantwortlichkeit spielen eine wichtige Rolle in Erlendurs Leben und in meinen Büchern. Er fühlt, er ist in mancher Hinsicht verantwortlich für den Tod seines Bruders. In vielen meiner Bücher betrachte ich die Frage von "Meines Bruders Hüter". Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig und in meinem neuen Buch "Vetraborgin", steht sehr viel über diese Frage: Sollten wir nicht aufeinander Acht geben?


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Literaturportal schwedenkrimi.de:
Ist Erlendur ein Mann, mit dem man Mitleid haben muß? Er ist ein Einzelgänger, allein mit sich und seinen Ängsten. Auch bedeutet Erlendur auf isländisch Fremder. Fremder - auch für sich oder Fremder in der Zeit oder in der Gesellschaft? Ist Erlendur ein Teil von Dir?

Arnaldur Indriðason:
Vielleicht ist er es. Wir alle sind Fremde in vielerlei Hinsicht und er ist ein Fremder in vielen Dingen. Er war ein Fremder in der Literatur, als das erste Buch über ihn veröffentlicht wurde; er war ein Fremder in seltsamen Büchern. Auch kommt er vom Land, so dass er Reykjavik nicht besonders mag und so ist er ein Fremder in der Stadt. Er ist fremd gegenüber der Ehe und zu seinen zwei Kindern und manchmal sogar auch ein Fremder für sich selbst. Aber man muss Sympathie für ihn empfinden, da er, wie der Rest von uns, versucht, die richtigen Dinge zu tun und versucht ein anständiger Mensch zu sein.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Weitere wichtige Themen in Deinen Romanen sind menschliche Tragödien und menschliche Unzulänglichkeiten. Ein anderes Thema ist die gegenwärtige Zustandsbeschreibung der isländischen Gesellschaft. Was ist Deine Absicht? Die Fehlentwicklungen der isländischen Gesellschaft zu beschreiben oder die Menschen, die daran leiden?

Arnaldur Indriðason:
Nein, ich bin kein Prediger. Ich schreibe im Stil des sozialen Realismus und ich empfinde, das alle Schriftsteller etwas über die Gesellschaft zu sagen haben müssen, in der sie leben, ansonsten wird es kein großes Vergnügen sein, ein Schriftsteller zu sein. Aber ich mag es nicht, zu urteilen oder zu predigen. Island und Reykjavik sind nun einmal die Schauplätze meiner Bücher und ich mag sie beide.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Siehst Du Dich in der Tradition von Sjöwall/Wahlöö, die in ihren Büchern auch die sozialen Missstände beschreiben. Du sagst: "Ich schreibe über die Gesellschaft, in der ich lebe". Bist Du der Chronist der isländischen Gesellschaft in der heutigen Zeit?

Arnaldur Indriðason:
Der soziale Realismus kommt von ihren wunderbaren Büchern, die ich als junger Mann gelesen habe, lange bevor ich damit anfing, meine eigenen Bücher zu schreiben. Ich weiß nicht, ob meine Beschreibungen der isländischen Gesellschaft richtig sind oder nicht. Dies sind die Ansichten eines Mannes und sie sind vielleicht dunkel und düster aber so sind nun einmal meine Bücher. Niemals zu sonnig.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Du schreibst auch Filmbesprechungen für Zeitungen. Bist Du von der Filmsprache, wie z.B. Schnitttechnik, Cliffhangers, in Deinem Schreibstil beeinflusst worden?

Arnaldur Indriðason:
Ich habe im Jahre 2001 oder 2002 mit dem Schreiben von Filmkritiken aufgehört als ich ein Vollzeit Schriftsteller wurde. Aber ich liebe Filme und ich liebe es ins Kino zu gehen und sie haben mich auf so vielfältige Weise beeinflußt, ich weiß gar nicht wo ich damit anfangen soll, es zu beschreiben. Sie haben meinen Schreibstil durchaus beeinflußt und ich habe viel von ihnen gelernt, besonders von den schlechten, weil sie am besten aufzeigen, wie man eine gute Geschichte nicht erzählen soll.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Kannst Du uns etwas über Dein neues Buch "Vetraborgin" erzählen, das im November in Island erschienen ist? Ist es wieder eine Geschichte mit Erlendur, Elínborg und Sigurður? Haben die deutschen Leser die Gelegenheit es auf deutsch zu lesen?

Arnaldur Indriðason:
Es ist über einen Jungen, der ermordet in Reykjavik gefunden wird. Seine Mutter ist aus Thailand und sein Vater ist Isländer. Es spielt im tiefsten Winter in Reykjavik und es ist mit Erlendur und Sigurður Óli und Elinborg und hoffentlich wird es bald in Deutschland erscheinen.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Weißt Du, ob Dein Buch "Dauðarósir" (1998) eines Tages auch in Deutschland erscheinen wird? Oder sind die Themen - Fischereikontingente und die Abwanderung aus den ländlichen Bezirken zu spezielle isländische Themen?

Arnaldur Indriðason:
Es mag gut sein, aber nach meiner Meinung, ist das Buch von Bedeutung innerhalb der Geschichte von Erlendur und Eva Lind, abgesehen von den Fischereiquoten und der Abwanderung. Ich hoffe, es wird eines Tages in Deutschland veröffentlicht aber es ist eigentlich eine Frage an meinen Verleger.

Literaturportal schwedenkrimi.de:
Was bevorzugst Du - Thriller wie "Napóleonsskjólin" (dtsch. Gletschergrab) oder "Bettý" (dtsch. Tödliche Intrige) zu schreiben oder schreibst Du lieber Kriminalromane mit den Hauptdarstellern Erlendur Sveinsson und Sigurður Óli? Ist das neue Buch, an dem Du im Moment schreibst, ein Thriller oder eine Detektivgeschichte?

Arnaldur Indriðason:
Es ist ein Thriller, ein historischer, der in Dänemark und Deutschland und Island im Jahre 1955 spielt. Er ist benannt nach unserer wertvollsten Handschrift. Es ist angenehm von Zeit zu Zeit eine Pause von Erlendur zu machen und etwas ganz anderes zu machen. Aber ich werde bald zu ihm zurückkehren. Er ist nicht verschwunden.

Autor: Jürgen Ruckh/ Esslingen
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