Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
-
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie uns Ihre Meinung über die skandinavischen Krimis.
Wir sind gespannt und veröffentlichen Ihre Buchkritik oder Rezension, benutzen Sie einfach das Kontaktformular oder schreiben Sie uns per E-Mail.

"Der Russe aus Nizza" von Leif Davidsen

Jetzt Bestellen

HIER DIREKT
BESTELLEN

Leif Davidsens neuer Politthriller führt tief in die russische Gegenwart, zwischen Tschtschenien-Konflikt und gesellschaftlichem Umbruch – ein mitreißender Skandinavien-Krimi einmal ganz anders. Von Manfred Ertel (DER SPIEGEL)

Es ist schon ein ganz und gar eigentümliches Phänomen. Der Boom der sogenannten Schweden-Krimis ist seit Jahren ungebrochen. Es dürften inzwischen deutlich mehr als 150 Autoren aus dem hohen Norden sein, die deutsche Büchertische überschwemmen, etwa 50 Neuerscheinungen von ihnen waren für diesen Bücherherbst angekündigt. Und es sind nicht mehr nur Henning Mankell und seine Erben aus Schweden, die den Markt hierzulande erobern und besetzen. Längst sind Isländer, Norweger und neuerdings auch Finnen nachgezogen in die Bestseller- und die Bestenlisten.
Nur eine kleine Nation im Norden, hinter den Düppeler Schanzen, umgeben von Meeren und umstellt von erfolgreichen Krimischreibern aller Nord-Kulturen, mag von diesem SkandinavienBoom nicht so recht profitieren. Ausgerechnet die Dänen, die eigentlich durchaus eine lange Tradition in Kriminalliteratur haben, können nicht richtig Schritt halten. Dabei hatte doch der Kopenhagener Autor Peter Høeg mit „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ 1994 ganz massgeblich den Weg für jenen Aufschwung bereitet, der inzwischen millionenschwer ist: Nord ist Mord.
Natürlich gibt es Gretelise Holm und Bjarne Reuter, Michael Larsen oder Susanne Staun. Aber in der großen Breite an Neuerscheinungen und -entdeckungen nehmen die Dänen, verglichen mit den Schweden und den anderen, eine eher bescheidene Rolle ein. Mit Ausnahme von Leif Davidsen und seinen Polit-Thrillern. Auf die Frage nach dem Warum, antwortet der mit Ratlosigkeit: „Keine Ahnung, vielleicht sind die Dänen nicht gut genug?“.
„Ich lese nicht so viele der anderen Skandinavier“, sagt Davidsen, „und verstehe nicht, warum die so populär und erfolgreich sind.“ Und er geht erkennbar auf Distanz: „Ihre Bücher sind so nordisch und so sehr sozialdemokratisch. Ich habe mit ihnen nicht sehr viel gemein“.
Folgerichtig ist Davidsen neuestes Buch, das seit einigen Tagen auf dem Markt ist,  auch wieder einmal das glatte Gegenteil zu  Mankell, Marklund, Dahl oder wie sie alle heißen.

Marcus Hoffmann ist ein erfolgreicher Manager und globaler Geschäftemacher. Er lebt in Kopenhagen und in der Business Class internationaler Fluglinien, in denen er - wie mit der Metro -150 Tage das Jahr  zu Besprechungen und Verhandlungen quer durch die Welt jettet. Zuhause wartet auf ihn eine exklusive Wohnung und seine hübsche Frau Nathalie. Die einzige Abwechslung neben gutem Sex sieht Hoffmann im Kontrastprogramm seines abgeschiedenen Sommerhauses auf Møn.
Bis Nathalie den wohlgeordneten Alltag mit einem überraschenden Reisewunsch durcheinander bringt. Die gebürtige Russin, die von ihrer Heimat eigentlich schon lange nichts mehr wissen will, drängt Marcus auf einmal zu einer Wolga-Kreuzfahrt von Moskau nach St.Petersburg. Und verschwindet dann bei einem Zwischenstop in Uglitsch, einem öden Kaff am  Oberlauf der Wolga, rund 200 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. spurlos aus ihrer Schiffskabine.

  Leif Davidsen bei schwedenkrimi.de
Autoren-Biografie
Autoren-Interview
Rezension
Buchvorstellungen
Leseprobe
Autorenlesung

„Der Russe aus Nizza“ ist ein ziemlich eigenartiger Titel für Davidsens neuen Roman, in dem es eigenlich um „die unbekannte Ehefrau“ (dänischer Originaltitel) geht. Er sollte wohl den Verkauf in Deutschland ankurbeln. Dabei ist die Sorge um das Marketing eigentlich unbegründet. Immerhin hat sich das Buch schon vor seinem Start Anfang September in dänischer Fassung über 100000 Mal verkauft - eine stattliche Zahl selbst für deutsche Verhältnisse und erst recht nebenan im beschaulichen Lego-Land mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern. Im Erscheinungsjahr 2006 wurde es dort damit zum „meistverkauften Buch“, freut sich Davidsen.

Der erfahrene Journalist entwickelt seine Geschichte von Marcus und „Natscha“ behutsam und über lange Strecken zunächst mehr als ungewöhnliche Liebesgeschichte eines Paares, das die Globalisierung, in der alles mit allem zusammenhängt, geradezu exemplarisch zusammengeführt hat. Die Beziehungsstudie mündet dann in ein dramatisches Sittengemälde des heutigen Russland, zwischen Autokratie und Oligarchie, zwischen Kriminalität, Korruption und KGB - und tschetschenischem Widerstand.
Davidsen beschreibt seinen Arbeitsstil beim Entstehen eines neuen Buches als eine Art „Reise“, in der er eine oder mehrere Hauptfiguren erfindet und „die Reise beginnt“. Route und Ziel seien für ihn „unvorhersehbar“ und in den meisten Fällen wisse er „erst ganz am Ende, warum das Buch endet, wie es endet“.
Das mag man beim „Russen von Nizza“ nicht glauben. Davidsen, der lange als Auslandskorrepsondent unter anderem in Moskau gearbeitet hat und als Osteuropa-Experte gilt, verknüpft seine Geschichte gut recherchiert und so authentisch  in ein dichtes Netz russischer Aktualität, als käme sie direkt aus dem gesellschaftlichen Alltag, wie wir ihn mit allen seinen Fragwürdigkeiten und Schattenseiten tagtäglich von den Medien präsentiert bekommen. Diese Aktualität, die Dichte und die flotte journalistische Schreibe erzeugen eine Spannung, die zum Teil atemlos macht.
Dabei verzichtet er ganz und gar auf die üblichen und erfolgreichen Stilmittel der klassischen Skandinavien-Krimis. Im genesatz zum Kriminalroman liefert der Thriller „keine Anhaltspunkte und keine Fährten, denen die Leser folgen sollen“, sagt Davidsen, „die Leser sind keine Partner der Kommissare oder Ermittler bei der Spurensuche“. Und schon gar nicht bei der Sinnsuche in den Untiefen ihrer Bezhiehungskrisen.

Der Däne sieht sich eher in der Tradition der angelsächsischen Spannungsliteratur von Graham Greene oder Eric Ambler. Er will Charaktere porträtieren und gesellschaftliche Strukturen beschreiben, die wie zum Beispiel in Russland „zusammenbrechen oder sich zumindest rasant verändern“. Und ist damit am Ende doch wieder ganz skandinavisch, politisch korrekt.

Autor: Manfred Ertel, Manfred_Ertel@spiegel.de
© Dezember 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

"Der Russe aus Nizza" von Leif Davidsen

Verschwunden im neuen Russland
Was es heißt, in einem korrupten und kriminellen Land auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein
Jetzt Bestellen

HIER DIREKT
BESTELLEN

Leif Davidsen macht aus „Der Russe aus Nizza“ ein Lehrstück über das neue Russland, das geprägt ist von Brutalität, Kriminalität und Verachtung für das einzelne Menschenleben – spannend, kenntnisreich und angesichts des gegenwärtigen Kaukasus-Konflikts brandaktuell!

Marcus macht mit seiner russischstämmigen Ehefrau Nathalie auf deren Drängen hin eine Wolgakreuzfahrt von Moskau nach St. Petersburg. In Uglitsch, dem ersten Stopp des Kreuzfahrtschiffes, geht Marcus alleine von Bord. Nathalie möchte sich ausruhen. Als Marcus nach einigen Stunden zurückkehrt, ist Nathalie spurlos verschwunden. Niemand will etwas gesehen haben. Er entscheidet sich, in Uglitsch zu bleiben und macht gleich Bekanntschaft mit dem neuen, postkommunistischen und kriminellen Russland: der örtliche Polizeichef schlägt ihn zusammen und nimmt ihm Geld und Laptop ab, statt ihm zu helfen. Auch in Moskau angekommen, merkt Marcus sogleich, dass er von offizieller Seite keine Hilfe zu erwarten hat. Also bittet er Viktor T., dem er vor kurzem in Nizza half, als dieser von unbekannten Männern überfallen wurde, um Hilfe, und tatsächlich, der neureiche Oligarch kann ihm als Erster und Einziger Informationen über das Verbleiben seiner Frau liefern. Doch bevor Marcus seine Nathalie nach aufregenden und spannenden 477 Seiten wieder in die Arme schließen kann, muss Marcus nicht nur einige Hürden und Gefahren hinter sich bringen. Er muss vor allem lernen, wie Russland tickt: „In Russland sind die Dinge nie so, wie sie an der Oberfläche scheinen. Es liegt immer etwas darunter, und das ist in der Regel nicht angenehm.“ (Leif Davidsen, Der Russe aus Nizza, Paul Zsolnay Verlag Wien: 2008: S. 62) Das erklärt Nathalie ihrem Mann gleich zu Beginn der gemeinsamen Reise, und die Äußerung wird im Verlauf der Geschichte von vielen weiteren Personen wie ein Mantra wiederholt werden.

Gut recherchiert, spannend inszeniert und brandaktuell

Schmerzhaft ist für Marcus nicht nur die Konfrontation mit Nathalies bis dato unbekannter Vergangenheit, sondern auch die mit dem postkommunistischen Russland, das geprägt ist von Brutalität, Kriminalität, Korruption und Verachtung für das einzelne Menschenschicksal. Er begegnet auf seiner Suche nach Nathalie der russischen Mafia, unglaublichem Reichtum, aber auch unglaublicher Armut und sieht sich mit dem russisch-tschetschenischen Konflikt konfrontiert sowie Russlands grausamer Gulag-Vergangenheit.

Leif Davidsen, der selbst vier Jahre lang in den 1980er Jahren in Russland als Fernseh- und Radiokorrespondent tätig war, stellt den russisch-tschetschenischen Konflikt ins Zentrum des Geschehens und entwirft drumherum ein anschauliches und erschreckendes Panorama des gegenwärtigen Russland – Angesichts der aktuellen Kaukasus-Krise gewinnt „Der Russe aus Nizza“ damit noch mehr an Aktualität, und wiewohl Davidsen uns all die hässlichen Seiten Russlands vor Augen führt, entsteht doch auch ein Bild von einem faszinierenden Land, dem man mit herkömmlichen, an der westeuropäischen Geschichte geschulten Maßstäben nicht beikommen kann. So bringt uns Davidsen das neue Russland auch ein Stück näher und entwirft einen Roman, der, gut recherchiert, auf der Höhe seiner Zeit und im besten Sinn des Wortes ein spannender Polit-Thriller ist.

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© September 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der Fluch der bösen Tat" von Leif Davidsen

Jetzt Bestellen

HIER DIREKT
BESTELLEN

SCHAUPLATZ: Jugoslawischer Bürgerkrieg, 90er Jahre

Es beginnt mit dem Mord an einem nationalgesinnten kroatischen Schriftsteller und Radiomoderator. Er wird am helllichten Tag in einem Kaffee von einem serbischen Killer getötet. Der Killer namens "Vuk" wurde in einer serbischen Spezialeinheit ausgebildet. Vuk selbst wuchs in Dänemark auf. Als der Bürgerkrieg ausbrach, wurden seine Eltern und seine Schwester von Muslimen auf grausamste Art und Weise gefoltert, teils vergewaltigt und schließlich erschlagen. Ab diesem Zeitpunkt schwor Vuk den Muslimen Rache.

SCHAUPLATZ: Dänemark

Lise Carlsen vom dänischen PEN sowie der lokalen Zeitung "Politiken", lädt die vom Iran verfolgte Schriftstellerin "Sara Santanda" ein. Wegen ihrer Enthüllungen über die iranischen Priester, haben diese inoffiziell ein Kopfgeld in Höhe von vier Millionen US- Dollar ausgesetzt. Lise Carlsen die mit der Organisation beauftragt wurde, bekommt von der Kripo Unterstützung von einem Fachmann für hohe Besuche, "Per". Die dänischen Politiker verweigern ihre Unterstützung, weil sie Angst um die guten Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran haben. Lise, die Probleme mit ihren Mann Ole hat, verliebt sich in Per, den Mann von der Kripo. Sie kann sich von Ole, der schon lange dem Alkohol verfallen ist, nicht lösen. Zwar bindet sie nichts mehr an ihn, außer der teuren Wohnung, trotzdem ist sie nicht stark genug, sich loszusagen.

SCHAUPLATZ: Jugoslawien/Bosnien-Herzegowina

Vuk erält vom Iran über die Russenmafia, wieder über seinen Ausbildner, den Auftrag, Sara Santanda zu töten. Für Geld tötet Vuk nicht. "Dann töte für die Sache", fordert sein Ausbildner. Der Mord an Santanda sollte nämlich einen fanatischen Muslim in die Schuhe geschoben werden. Schließlich nimmt Vuk an , erkennt aber, dass "die Sache" längst im Sterben liegt. Auch hier ging es nur noch um Geld.

Leif Davidsen hat einen gesellschaftskritischen Roman, als Krimi verpackt, geschaffen, der sich lesen lassen kann. Sowohl Politik, Presse Fernsehen und PEN als auch die Probleme der Mitdreißigerin Lise, ihrem alkoholabhängigen Mann,den Singelmann "Kripo-Per" und den , in den Kriegswirren zur Kampfmaschine geschulten, MENSCHEN Vuk, der lieber friedlich in Dänemark gelebt hätte, wo er einst seine Kinder- und Jugendjahre verbracht hat, werden in "Der Fluch der bösen Tat" geschildert.

Vielen Dank an Helmut Schlatzer aus Graz
© 2001 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

© 2001 - 2016 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien
Ein Portal der n:da - nordpower design agentur
[ Start ] | [ Autoren A-Z ] | [ Kontakt ] | [ Forum ] | [ Impressum ] | [ Sitemap ]
Startseite Autoren Specials Forum Krimilinks Hörbücher Sitemap - Inhaltsverzeichnis