Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch der Bestseller-Autorin Kerstin Ekman.
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Taschenbuch
206 Seiten
randomhouse/btb Verlagg
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 3442727146
Originaltitel:
Trettio Meter Mord
Übersetzung:
Adolf Schütz

Kurzbeschreibung

Kommissar Viggo Bredberg wird in seinem Urlaub in einen Mordfall verwickelt, denn ein junger Mann ist bei Dreharbeiten erschossen wurden und die einheimischen Kollegen bitten ihn um Hilfe. Bredberg kommt ein zehnjähriges Mädchen zu Hilfe, welches einen weiteren Toten gesehen hat, der aber wieder verschwunden ist. Hierbei könnte es sich um den verschwundenen Jazzmusiker Staffan Wingmann handeln. Freunde und Kollegen glauben jedoch nicht an dessen Tod und so steht Bredberg wieder am Anfang, weil er keine Leiche hat.

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Leseprobe

1

Das Taxi hielt auf der menschenleeren Straße vor der gelb-grauen Fassade des Stadthotels. Drei Männer stiegen aus dem Fond des Wagens und schlugen zum Schutz gegen den Regen ihre Mantelkragen hoch. Der vierte, ein grobschlächtiger Typ im Trenchcoat und mit braunem Hut, bezahlte den Chauffeur und zündete seine Pfeife an, während er auf die Quittung wartete. Der Portier des Hotels hatte unter dem Portal vor dem Regen Schutz gesucht. Nun eilte er die vier ausgetretenen Treppen hinab, um mit dem Gepäck behilflich zu sein. Keiner der Männer nahm Notiz von ihm und keiner wollte ihm seinen schwarzen Handkoffer überlassen.

»Ungemütliches Wetter heute«, sagte der Portier. Er erhielt keine Antwort. Ehe er noch dazu kam, ihnen die Eingangstür zu öffnen, war sie hinter dem Letzten bereits zugefallen.

Er nahm seinen Posten wieder ein und spähte nach einem Zeichen von Leben auf der Straße und dem Platz. Das Wetter war wirklich schauderhaft. Die Stadt duckte sich unter einer Decke grauer Regenwolken, und bei der geringsten Pause im monotonen Plätschern des Regens spürte man die Feuchtigkeit, die vom Meer herkam. Es war Mitte Juli und über zwanzig Grad warm. Am liebsten hätte er nachgesehen, was drinnen im Hotel vor sich ging, aber er hatte die Anweisung, auf seinem Platz zu bleiben. Die Stockholmer Journalisten konnten jeden Augenblick eintreffen.

Ihn überfiel plötzlich Unsicherheit. Am Ende hatte er die falschen Leute eingelassen? Er hatte von Journalisten gelesen, die sich verkleidet hatten, um irgendwo hereinschlüpfen und fotografieren zu können. Aber was sollten sie da drinnen schon fotografieren? Den Jungen vielleicht? Das war sicher nicht erlaubt. Und außerdem war der Junge nicht mehr da.

Er kaute nachdenklich an einem Streichholz und ließ den Blick an der grauen Häuserreihe auf der anderen Seite des Platzes entlanggleiten. Hinter dem Park lag das Krankenhaus, er konnte das schwarze Dach hinter den Häusern erkennen. Dort drinnen im dicht belaubten Grün des Krankenhausgartens pflegten die Patienten auf den Kieswegen rund um ein kleines, weißes, fensterloses Gebäude zu promenieren. Nicht bei diesem Wetter natürlich. Dort war der Junge.

  Kerstin Ekman bei schwedenkrimi.de
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Leseprobe

Die Zeitungsredaktion lag schräg gegenüber vom Stadthotel. In einem Fenster des zweiten Stockwerks konnte er den Redakteur Winlöf sehen, der sein blasses Gesicht gegen die Fensterscheibe drückte. Der Portier gab ihm mit der Hand ein Zeichen, und das Gesicht verschwand.

Winlöf hatte mit regelmäßigen Unterbrechungen aus dem Fenster gespäht, um zu beobachten, was unten passierte. Am Morgen hatte er eine Weile in der Redaktion gesessen, müde und übernächtigt. Den vergangenen Abend hatte er bis tief in die Nacht hinein am Telefon verbracht und seine Meldungen an die Nachrichtenagentur der Zeitungen durchgegeben.

Nicht ohne Stolz hatte er seine Kollegen darauf hingewiesen, dass es seine Nachrichten waren, die in der Abendsendung im Radio verlesen wurden und nun auf den Titelseiten der Morgenblätter prangten. Seine Zeitung war natürlich nicht die Erste gewesen, denn sie war ein Abendblatt und ging nicht vor zwei Uhr in Druck.
»So eine Geschichte könnte doch auch mal vor zwei passieren«, hatte er gesagt.
Der Portier sah ihn mit schiefen Schritten über die Straße kommen, unter einem großen schwarzen Schirm, der im Takt seiner Schritte auf und ab wippte.
Außer Atem stand der Redakteur vor ihm: »Was waren das für Leute?«
Bevor er antwortete, spuckte der Portier das zerkaute Streichholz aus und schüttelte sorgfältig die Regentropfen von seiner Uniformmütze.

2

Das Haus war weiß und hatte keine Fenster. Die vier Männer der Mordkommission folgten Viggo Bredberg durch die schwere Eichentür und warteten auf der Schwelle, bis er Licht gemacht hatte.
Bredberg ging zur Bahre. Er hinterließ nasse Spuren auf dem Boden. Vorsichtig lüftete er das Tuch, das den Körper bedeckte, und entblößte ein kantiges, graubleiches Jungengesicht unter einem blonden Haarschopf.
»Die Kugel ist, wie Sie sehen, von vorne gerade durch die Stirn gedrungen«, sagte er.
Die Männer nickten, und es wurde einen Augenblick still. Viggo war müde. Müder als vor zehn Tagen, als er von Stockholm weggefahren war. Mit der Abendfähre am zehnten Juli war er in die Hafenstadt gekommen, die nur ein Postamt, ein Kino - das Gott sei Dank in dieser Saison geschlossen war - und eine Polizeiwachstube hatte, in der die Fliegen friedlich um die Kaffeetassen des diensthabenden Beamten surrten. Er war überarbeitet und urlaubsreif. Als eine große Filmgesellschaft plötzlich fünf Tage nach ihm eintraf, hatte er ihre Ankunft irritiert von der Mole aus angesehen, wo er mit seiner Angel stand, und bloß gehofft, es würde ihm erspart bleiben, mit diesen Leuten zu tun zu bekommen.
Am neunzehnten Juli war ein Schuss mitten in dieser Gesellschaft gefallen. Viggo fand sich in etwas hineingezogen, von dem er sich durch seine Reise hierher eine Zeit lang hatte ausruhen wollen.
Ein Mord. Ein ungewöhnlich hässlicher und trauriger Mord. Sinnlos obendrein, so schien es. Der gestrige Abend war angefüllt gewesen mit Untersuchungen und dem Aufstellen eines langen Verhörprotokolls. Die Jagd hatte begonnen, die Jagd nach dem Mörder, der sich irgendwo unter einem gleichgültigen Gesicht verbarg, und der vermutlich ebenso müde war wie er selbst. Müde und voller Angst.
»Hat denn wirklich keiner von den Filmleuten eine Ahnung, woher der Schuss gekommen ist?«
Seine Gedanken wurden von der Stimme des Kommissariatsleiters Lövgren unterbrochen: »Nein, niemand hat wirklich begriffen, was passiert ist. Der Schuss kann aus einem Fenster im selben Haus gekommen sein oder aus der Pension nebenan. Vermutlich aus dem zweiten oder dritten Stock, wenn man bedenkt, wo der Junge gestanden hat.«
Die vier Männer näherten sich der Bahre mit dem zugedeckten Körper.
»Man kann sagen, was man will, aber eine normale Geschichte ist das nicht. Mord an einem Sechzehnjährigen mitten in einer Filmaufnahme!«
Lövgrens Stimme war laut und durchdringend, fast heiter. Na gut, es war sein Beruf und es gab keinen Grund, warum er seinen Beruf nicht gern ausüben sollte, auch wenn er darin bestand, Morduntersuchungen zu führen. Was er empfindet, wenn er dieses Leintuch lüftet und das Gesicht des Jungen sieht, ist vermutlich reine Arbeitsfreude, dachte Viggo.
»Wäre der Mörder von der anderen Seite gekommen, dann könnten wir ihn vielleicht jetzt im Film verewigt sehen«, setzte Lövgren fort.
»Du kannst den ganzen Mord heute Abend im Film sehen. Um sechs, hoffe ich«, antwortete Viggo trocken.
Seine drei Kollegen starrten ihn an, und er fuhr fort: »Die Kamera lief, als Krister Hermansson erschossen wurde. Wir haben die Filmrolle zur Entwicklung geschickt, und sie kommt mit der Fähre um sechs Uhr zurück.«
»Donnerwetter, du hast in den letzten Stunden aber nicht auf der faulen Haut gelegen!« Claesson hatte eine Zigarette angezündet und der Bahre den Rücken gekehrt.
»Ich bleibe, bis der Film vorgeführt worden ist. Danach ziehe ich mich zurück. Ich habe Urlaub, wie ihr wisst. Wahrscheinlich fahre ich morgen früh von hier weg«, sagte Viggo.
Lövgren zuckte mit den Achseln und ging zur Tür.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Sie verließen das Haus und außerhalb des Krankenhauszaunes trennte sich Viggo von den vier Männern. Es regnete immer noch stark und gleichmäßig. Er überquerte den Platz, wo eine Gruppe von Leuten sich vor der Auslage eines Zeitungskiosks untergestellt hatte.
»Das ist der Kriminalkommissar, der hier Urlaub macht«, hörte er jemanden sagen.
Der Mord an Krister Hermansson war so ziemlich das einzige Gesprächsthema in den verrauchten Cafés unten am Hafen, im Postamt, an den Tischen der Konditorei in der Nygatan und über den Verkaufstheken.
Eine Menschentraube hatte sich vor dem Eingang des Cafés Eterna gebildet und es wurde heftig diskutiert.
»Direkt durch die Stirn! Die Pistole hatte einen Schalldämpfer, deshalb hat keiner etwas gehört.« »Man hört den Schuss immer, auch wenn die Pistole einen Schalldämpfer hat!«
»Was weißt denn du von Pistolen?«
Die beiden jungen Männer in Lederjacken begannen zu streiten. Auch bei den anderen gingen die Meinungen auseinander.
»Er hat zehn Schüsse abgekriegt. Eine von den Schauspielerinnen hat was mit ihm gehabt.« »Red keinen Unsinn, der Knirps war doch erst dreizehn.«
»Er war vierzehn!«
»Sechzehn.«
»Wisst ihr, dass der Film Mord mit Musik heißen sollte? Die müssen die Aufnahmen jetzt abbrechen.« »Ohne den Jungen können sie nicht weiterdrehen. Er hatte die Hauptrolle.«
»Blödsinn, er war nur ein Statist.«
»Die wissen schon, wer es getan hat.«
»Wer denn?«
»Der Musiker, der mitgefilmt hat.«
»Der Jammerlappen? Der kann doch keine Fliege erschießen.«
»Kennst du ihn?«
»Was man eben so kennen nennt. Es ist doch klar, dass.«
»Der Junge ist mit dem Regisseur aneinander geraten. Und der war so wütend auf ihn, dass er ihn fast erwürgt hätte.«
»Er ist vom Dach heruntergestürzt, ganz durchlöchert von Kugeln. Wie ein Sieb. Und niemand hat was gehört. Weil die Pistole einen Schalldämpfer hatte.«
»Der Junge soll ein großartiger Schauspieler gewesen sein.«
»Er war doch bloß ein Statist, zum Teufel!«
»Ich habe gehört, er hat mehrere Hunderter pro Tag gekriegt. Er hatte ein Verhältnis mit einer von den Schauspielerinnen.«
»Ein einziger Schuss und es war auf der Stelle aus mit ihm! Vom Dach ist er hinuntergefallen.«
»Eine von den Schauspielerinnen war's.«
»Staffan Wingman ist auf und davon. Alle sagen, er hat es getan.«
»Ich habe ihn vorigen Sommer im Volkspark gehört.«
»Das Einzige, was man hören konnte, war ein scheußliches Zischen. Dann kam der Junge heruntergesaust. Bloß so ein Zischen, von dem Schalldämpfer. Er war sofort tot. Niemand hat kapiert, dass er erschossen worden war.«
»Es heißt, der Dreh wird abgebrochen.«
»Ich war ganz nah dran und konnte es genau sehen. Schuss auf Schuss. Der Junge hat versucht vom Dach hinunterzuspringen.«
»Wisst ihr, ob der Musiker es getan hat? Die Polizei weiß nichts.«
»Wartet auf den Film heute Abend, er kommt mit der Sechsuhrfähre. Die haben den ganzen Mord gefilmt.«

Gleich nach sechs Uhr abends kamen die Mitglieder der Mordkommission zusammen mit Viggo Bredberg zum Kino Rote Mühle. Einige Neugierige hatten sich vor dem Eingang versammelt, gingen aber zögernd auseinander, als die fünf Männer durch die Doppeltür verschwanden, die hinter ihnen versperrt wurde.
Ein Bediensteter machte Licht in dem leeren Zuschauerraum, und Viggo nahm Platz. Neben ihn setzte sich Lövgren auf einen der knarrenden Sitze. Ihm bereitete das Ganze sichtlich Vergnügen.
»Eigentlich ist es recht eigenartig; einen Mord, den man zu bearbeiten hat, im Film vorgeführt zu bekommen. Nur schade, dass die Kamera zur falschen Seite gewendet stand.«
»Erwarte bloß nicht zu viel. Die ganze Rolle ist nicht länger als hundertfünfzig Meter und es sind die letzten dreißig Meter, die für unseren Fall in Betracht kommen.«
Viggos abweisende Haltung behagte Lövgren nicht besonders. »Gib wenigstens zu, dass es eigenartig ist«, sagte er.
Der einzige Außenstehende, der bei der Vorführung anwesend sein durfte, war der Direktor der Filmgesellschaft, Sven Fredberg. Er kam später als die anderen, grüßte und setzte sich, nervös auf dem Sitz auf und ab wippend. Der kleine, rundliche Mann mit dem grauen Haar und den klaren, wasserblauen Augen wirkte peinlich berührt.
Es wurde dunkel im Zuschauerraum und nach einem Augenblick strömte eine Flut weißen Lichts aus dem Projektionsraum. Langsam glitten die beiden schmutzig gelben Vorhanghälften auseinander, und die leeren Vierecke flimmerten auf der Leinwand. Ohne Übergang kamen die ersten Szenen: einige lose Brocken der Handlung eines ziemlich banalen Thrillers, der in einem Badeort spielte. Krister Hermanssons Gesicht starrte den Zuschauern in einer Großaufnahme entgegen. Es war ein helles, offenes Jungengesicht mit einem breiten, lachenden Mund und ungekämmtem Schopf, der in die Stirn fiel, wenn er sich bewegte. Er hatte keine große Rolle gehabt. Im Film spielte er einen Vierzehnjährigen, und er sah auch sehr jung aus für seine sechzehn Jahre.
»Ich kann nicht begreifen, warum ihn jemand erschießen wollte«, seufzte Fredberg. Niemand antwortete ihm.
»Der Ton ist nicht drauf«, erklärte er, »aber das spielt ja auch keine Rolle für die Szene, die wir sehen werden. Sie ist stumm.« Er beugte sich im Sitz nach vorne und berührte Oberwachtmeister Svenbergs Arm. »Da. jetzt kommt es!«
Auf der Leinwand sah man einen kräftigen Arm, der eine schwarze Schiefertafel hielt mit der Aufschrift: Szene 225 F 52 19/7, stumm. Die Klappe verschwand samt dem Arm aus dem Bild. Im Gesichtsfeld erschien nun ein schöner und gepflegter Villengarten mit Obstbäumen und großen Päonienbüschen. Im Hintergrund sah man einen Geräteschuppen, umgeben von grünem Laubwerk, und oberhalb des Dachs ragte Krister Hermanssons blonder Kopf in die Höhe.
Man hörte ein Stöhnen von Fredberg. »Es ist entsetzlich!«
Viggo trocknete sich mit dem Taschentuch die Stirn. Es war verdammt warm im Kino.
Krister Hermansson hatte sich aufs Dach hinaufgezogen. Vorsichtig richtete er sich auf und balancierte mit ausgestreckten Armen. Er hielt den Blick auf ein Ziel im Hintergrund, oberhalb der Kamera, gerichtet.
»Er sollte einem Mann nachspionieren, der im ersten Stock des Hauses saß«, erklärte Fredberg. Er wurde rasch zur Ruhe ermahnt.
Der Junge stand immer noch mit ausgebreiteten Armen, um das Gleichgewicht auf dem schmalen Dachfirst zu bewahren. Er starrte auf einen Punkt hinter der Kamera, in gleicher Höhe mit seinem eigenen Kopf.
Nun drückte sein Gesicht Erstaunen aus, das allmählich in unverkennbares Entsetzen überging. Die sechs Männer im Zuschauerraum betrachteten sein Gesicht und hielten den Atem an. Alle wussten, dass das kein Spiel mehr war. Das Entsetzen, das er in diesem Augenblick fühlte, war echt und grenzenlos. Er hatte in das Gesicht seines Mörders geblickt und dessen Absicht erkannt.
In ein paar Sekunden war alles vorbei. Man sah den Jungen vom Dach hinabstürzen und in das Gras vor der Scheune fallen. Leute eilten zu ihm hin, eine Frau warf den Kopf zurück, und ihr Mund bildete ein O, ohne dass man einen Laut hörte. Eine Minute lang hatte die Kamera weitergesurrt, und ihr Auge hatte das Chaos um den Körper des toten Jungen herum registriert. Das Bild begann zu flimmern, die Filmrolle war zu Ende.
Das Licht ging langsam aus und die sechs Männer wandten sich blinzelnd einander zu. Fredberg brach das Schweigen.
»Keiner hat am Anfang begriffen, was geschehen ist. Ich kam fast sofort danach angelaufen, da ich durch das Fenster gesehen habe, dass etwas passiert ist - aber einen Schuss habe ich auch nicht gehört. Nur diesen Laut, einen unheimlichen, zischenden Laut, der sehr deutlich in der Stille der Aufnahme zu hören war. Niemand hat daran gedacht, die Polizei zu alarmieren. Erst haben wir natürlich nach einem Arzt geschickt, um zu sehen, ob der Junge noch zu retten ist. Ich nehme an, es vergingen etwa zehn Minuten, bis jemand daran gedacht hat, die Polizei anzurufen. Der Mörder hat also reichlich Zeit gehabt, zu verschwinden.«
»Oder sich unter die Filmleute zu mischen«, ergänzte Lövgren.
»Wie bitte?«
»Nach der Lage der Dinge muss der Schuss direkt von vorne gekommen sein, von dem Fenster, zu dem der Junge seiner Instruktion gemäß blicken sollte«, bemerkte Svenberg.
»Also von dem Raum, in dem sich der Trompeter aufgehalten hat.«
»Demnach müssen wir zuallererst ihn festnehmen.« »Aber ich verstehe nicht.« Fredberg hatte sich erhoben. Sein Gesicht war bleich und schweißbedeckt. »Es kann unmöglich Staffan Wingman sein, der das getan hat! Krister und er hatten absolut nichts miteinander zu tun. Sie trafen sich zum ersten Mal bei dieser Aufnahme.«
»Auf jeden Fall müsste Staffan Wingman uns einiges zu erzählen haben, wenn wir ihn zur Stelle schaffen.«
Lövgrens Stimme klang unverändert unternehmungslustig. »Jetzt lassen wir uns das Ganze nochmals vorführen, damit wir sehen, ob wir entscheiden können, woher der Schuss kam.« Viggo erhob sich gemächlich. »Tja«, sagte er, »dann gehe ich also.«
»Du kannst deinen Urlaub brauchen, alter Junge!«
Er schüttelte Fredberg, der auf seinem Sitz zusammengesunken war, die Hand.
»Das ist eine vollkommen trostlose Geschichte! Ich wünschte, Sie könnten die Untersuchung fortsetzen, Herr Kommissar.«
»Die Herren hier werden sicher ihr Bestes tun, um die Sache aufzuklären, darauf können Sie sich verlassen«, versetzte Viggo.
»Nochmals vom Anfang!«, rief Lövgren. »Hej, Viggo, lass es dir gut gehn! Ruh dich mal ordentlich aus!«
Seine Stimme drückte kein übertriebenes Bedauern aus.

Viggo spazierte langsam heim durch die Stadt. Er hatte ein kleines Haus für seinen Urlaub gemietet, ein gelbes Haus, umgeben von Kastanien und Eichen. Er wusste, das Beste wäre, es am nächsten Morgen zu verlassen und weit weg von der Stadt zu fahren, in der Krister Hermansson ermordet worden war.
Wenn er seinen Urlaub haben wollte!

Danke an randomhouse/btb für die Veröffentlichungserlaubnis.
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