Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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Jerker Virdborg "Felsland"

„Felsland“ - (K)eine Schärensommeridylle


Jerker Virdborg erschafft in „Felsland“ eine klaustrophobische, hitzige Atmosphäre und ein explosives Umfeld, in dem er seine Charaktere 24 Stunden lang, einer Versuchsanordnung gleich, den Elementen und der Mystik aussetzt. Was passiert, wenn sich die Hitze über die Insel Trinisla legt und der Mann ohne Nabel zum Fest einlädt?

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Trinisla heißt die Insel, auf der Jerker Virdborgs Roman „Felsland“ spielt. Was einen sofort an mythische Eilande wie Atlantis oder Utopia denken lässt, ist tatsächlich eine höchst reale Insel in den Schären vor Fjällbacka. Fjällbacka, an Schwedens Westküste gelegen, wiederum ist aus ganz anderen literarischen Zusammenhängen bekannt: Die Krimiautorin Camilla Läckberg, gebürtige Fjällbackerin, mordet hier seit 2002. Doch „Felsland“ ist kein Krimi, wiewohl die Geschichte stringent auf ihren Höhepunkt zutreibt, die Spannung kontinuierlich steigt und auch ein Mordversuch beziehungsweise eine Affekthandlung mit (beinahe) tödlichem Ausgang eine wichtige Rolle in Virdborgs Roman spielt. Vor allem aber ist „Felsland“ ein Roman, der in zwischenmenschliche Abgründe führt, ohne jedoch konkret Auswege aufzuzeigen.

Da sind zum einen Johan und seine ihm fremd gewordene Frau Petra, zum anderen sind das Lina und ihre Schwester Anne. Mit großer Präzision schildert Virdborg wie Johan und Petra im Verlaufe eines Tages immer weiter auseinanderdriften, wie vor allem Johan sich mehr und mehr in seine Mutmaßungen über Petra hineinsteigert, bis die Situation am Abend bei einem Fest, zu dem der geheimnisvolle Mann ohne Nabel geladen hat, eskaliert. Es ist große Kunst, wie Virdborg die Sprachlosigkeit, die zwischen den beiden herrscht, in Sprache und Bilder umsetzt, das Dunkle andeutet, ohne es jemals ans Licht zu zerren und aufzulösen. Das was Petra und vor allem Johan nach außen vorgeben zu sein, scheint sich nicht mit dem zu decken, was in ihnen vorgeht, aber Virdborg bewegt sich geschickt zwischen dem bloß Angedeuteten, das vieles zu offenbaren scheint, und dem offen Ausgesprochenen, das nichts zu beantworten scheint.

Hitze über Trinisla

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So wie sich die Situation zwischen den beiden immer mehr zuspitzt, so entfremden sich auch die junge Lina und ihre etwas ältere Schwester Anne zusehends im Verlauf der dargestellten 24 Stunden. Was harmlos mit Krabbenfischen anfängt, endet dramatisch mit einem bewusstlosen Vater auf dem Boot der Schwestern und einer verschwundenen Schwester. Während Anne sich zu den älteren Jungs eines Schulsegelbootes zusehends hingezogen fühlt, zieht Lina sich gleichzeitig mehr und mehr in sich zurück. Als sie wütend und verletzt davon läuft, begegnet sie dem geheimnisvollen Mann ohne Nabel. Der scheint nicht nur alle Untiefen vor Trinisla auf wundersame Weise zu umschiffen, sondern er zeigt Lina auch ein seltsames Stück Stoff, das Bilder zu projizieren in der Lage ist. Und über allem lagert eine unerträgliche Hitze, die, je mehr sie zunimmt, sowohl alles schärfer hervortreten als auch in ihrer flimmernden Hitze zu verwischen scheint. „Felslands“ suggestive Intensität bezieht einen großen Teil ihrer Kraft aus der sehr gekonnten Darstellung dieser Hitze.

Was macht Gott auf Trinisla? Mythen und Mystik in „Felsland“

Als Mann ohne Nabel kommt hier eigentlich nur Gott in Frage, und auch weitere Elemente aus dem Reich der Mystik und Mythen (Knochen, Felszeichnungen, eine sonderbare Uhr …) sind Ingredienzien, mit denen Virdborg seinen Roman anreichert. Doch was hat Gott auf Trinisla zu suchen? Für den Romanverlauf hätte es diese Figur so, mit ihrer mystischen Aufladung, nicht bedurft. Ein Romancharakter, der einfach ein bisschen anders ist als die anderen und allein dadurch verborgene, geheim gehaltene, verdrängte oder schlummernde Gefühle und Konflikte zum Leben erweckt, hätte genauso gut funktioniert. Verständlicher wird die „Anhäufung“ mystischer und mythologischer Figuren und Elemente, wenn man weiß, dass beides für Virdborgs vorangegange drei Romane charakteristisch ist - „Felsland“ ist nämlich bereits Virdborgs vierter Roman, jedoch der erste, der auf Deutsch vorliegt.

Virdborg gilt als einer der wichtigsten schwedischen Nachwuchsautoren und als „der geheimnisvolle Autor“. Sein „Territorium sind die Grauzonen des Heimischen, des Bekannten, und der schicksalsschwere Schritt hinaus aus der geborgenen und sicheren Sphäre, mit der wir uns umgeben, der die Grauzonen langsam, aber sicher in Abgründe verwandelt“, so der Literaturkritiker Jan Arnald (alias Arne Dahl) in „Dagens Nyheter“. So verwundert es nicht, dass „Felsland“ vieles offen lässt, über das der Leser noch lange nach der Lektüre nachdenken und grübeln kann.


Buchtipp
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Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
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