Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch der Autorin Sara Blædel.
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Broschiert
381 Seiten
Verlag: Lübbe
Oktober 2006
ISBN: 3404155726
Kurzbeschreibung

Zwei Morde versetzen Kopenhagen in Unruhe: Eine junge Frau wird erdrosselt aufgefunden, und ein Journalist liegt erstochen in einem Hinterhof. Während Kriminalpolizistin Louise Rick im ersten Fall ermittelt, nimmt ihre beste Freundin, die Reporterin Camilla Lind, die Spur des Journalistenmörders auf. Der Ermordete war ein Kollege von ihr und bei der Recherche auf eine heiße Spur im Drogenmilieu gestoßen. Louise Rick warnt ihre Freundin vergeblich, auf eigene Faust in diesem Milieu Nachforschungen zu betreiben ...

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Leseprobe

1

Das Mobiltelefon surrte auf der Fensterbank. Es war stumm geschaltet, und allein der hart näckige Vibrationsalarm verriet, dass jemand Louise Rick zu erreichen versuchte.
Louise lag in der Bade wanne. Der Schaum war verschwunden, und als sie die Augen aufschlug, bemerkte sie, dass das Wasser eher kühl als lauwarm war. Es war halb zehn Uhr am Vormittag. Draußen warf die Märzsonne ihr schneidendes Licht auf den Hof. Louise war mit ihren Gedanken weit weg, und sie hatte nicht die geringste Lust, jene Welt zu verlassen, in die sie eingetaucht war. Einen Augenblick lang dachte sie darüber nach, die Wanne zu leeren und anschließend mit warmem Wasser und Unmengen wohlduftenden Schaums wieder aufzufüllen und einen weiteren Ausflug zu unternehmen, doch es wäre nicht dasselbe gewesen.Sie war unterbrochen worden und würde mit ihren Gedanken nicht an den selben Ort zurückkehren können. Als würde man aus einem schönen Traum gerissen. Man findet ihn nur selten wieder. Als sie sich aus dem Wasser stemmte, stieß sie mit dem Ellenbogen gegen den Wasserhahn, und sie reagierte instinktiv auf diesen Stoß, in dem sie den Arm an sich zog.

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Louise rechnete aus, dass fünf Stunden vergangen waren, seit sie ins Bett gegangen war, und dass es noch gut zwei Stunden dauern würde, bis sie und der Rest des Teams sich zu einer Lagebesprechung im Konferenzraum der Abteilung A im Polizeipräsidium ein finden würden. Gerade jetzt hätte sie alles dafür gegeben, um um dieses Treffen herumzukommen. Sie sandte ein kleines Stoß gebet zum Himmel, dass dieser Gedanke die Mord kommission erreichen möge, worauf hin Suhrdann die Lagebesprechung auf einen späteren Zeitpunkt am selben Tag ver schieben würde. Sie ergriff das dunkel blaue Frotteehandtuch, bevor sie aus der Wanne stieg, wickelte es um ihr Haar und langte nach dem Bademantel hinter der Tür. Ihr ganzer Körper schmerzte, ihre Augen brannten, und sie war dermaßen müde, dass sie sich auf der Stelle hätte hinlegen und einschlafen können. Gleichwohl ging ihr das Gespräch der vergangenen Nacht nicht aus dem Kopf.

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Die Trauer saß noch wie ein dumpfer Schmerz in ihrer Brust. Nicht ihre persönliche Trauer, sondern die Trauer, die einen ergreift, wenn man mit ansehen muss, wie das Leben anderer Menschen zerstört wird – was geschieht, wenn sie von einer Tragödie getrof fen werden. Wenn Tod und Verderben nicht mehr nur Dinge sind, über die man liest, sondern etwas, das man unmittelbar erlebt. Draußen in der Küche setzte sie Teewasser auf und nahm ein großes Caffé-Latte-Glas aus der Vitri ne. Sie hatte vor einiger Zeit begonnen, ihren Tee aus großen Gläsern zu trinken. Das ergab genau die richtige Menge, mehr als eine Tasse und weniger als eine Kanne. Während sie aus dem Fenster in den Hof hinausstarrte, gingen ihre Gedanken auf Wanderschaft. Sie fühlte sich innerlich leer, wusste aber, dass sie sich wieder aufrappeln würde, und wie so viele Male schon, wenn sie sich in dieser Stimmung befunden hatte, dachte sie an den Tag zurück, an dem sie nach Østerbro hinaus gerufen worden war. Zwei Männer Ende zwanzig waren in der Nordre Frihavnsgade überfallen worden. Einer von ihnen, ein Mann namens Morten Seiersted-Wichman, war brutal durch das Schaufenster eines Modegeschäfts geschleudert worden, doch bevor das geschah, war er niedergeschlagen worden. Anschließend hatten ihm die Täter sechs, sieben Mal gegen den Kopf getreten, bevor sie ihn vom Bürgersteig hochgehievt und so kräftig gegen die Schaufensterscheibe gestoßen hatten, dass sie zerbrach. Der Gerichtsmediziner sagte später, dass Morten nicht bei Bewusstsein gewesen sei, als die massive Glasscheibe seine Halsschlagader durchtrennte. Das andere Opfer war Mortens Schwager Henrik Winther gewesen. Louise hatte ihn als langen, dünnen Mann in Erinnerung. Er hatte mehr Glück gehabt. Die Polizei mutmaßte, dass sich die Täter an Morten abreagiert hatten und vermut lich auch über das viele Blut erschrocken waren, das aus Mortens Hals geströmt war. Henrik Winther war mit einem gebrochenen Nasenbein und einer Rippenprellung davongekommen. Damals war Louise bei der Kriminalpolizei beschäftigt gewesen. Mortens Tod hatte sich wie eine dauerhafte Behinderung in ihr festgesetzt – nicht so sehr der Überfall selbst, sondern eher das, was geschah, als sie seiner Freundin die Nachricht überbringen sollte. Eine halbe Stunde, nachdem die Krankenwagen mit den beiden Männern davon gefahren waren, hatte Louise vor der gemeinsamen Wohnung von Morten und seiner vierundzwanzigjährigen Lebensgefährtin gestanden und auf die Klingel gedrückt. Als die Tür geöff net wurde, konnte sie noch Charlot te Winthers offenen und überraschten Gesichtsausdruck wahrnehmen, die sagte: »Hallo, äh, ich dachte, es wären Morten und Henrik. Sie haben die Schlüssel vergessen …«

Louise konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, mit welchen Worten sie geschildert hatte, was geschehen war. Aber es hatte sich in ihr Gedächtnis eingebrannt, wie sich Christine Winthers Gesichtsausdruck verändert hatte, von der erwartungsvollen Freude über die Rückkehr ihres Freundes über die Verwirrung und Verwunderung darüber, dass die Polizei vor ihrer Tür stand, bis er sich am Ende vollkommen aufgelöst hatte. Während der Zeit, die Louises Nachricht zum Durchsickern brauchte, hatte Charlotte Winther immer wieder mit dem Kopf genickt und gesagt, dass sie furchtbar traurig sei zu hören, dass so etwas geschehen sei. Es sei ganz schrecklich, aber es könne sich gar nicht um Morten handeln, denn der sei ja nur kurz zu sammen mit ihrem Bruder zum 7Eleven gegangen. Sie sah immer noch Charlotte Winthers Blick vor sich, mit dem sie immer weiter darauf beharrt hatte, dass es sich unmöglich um Morten und Henrik handeln könne. Im Übrigen würde man doch in Østerbro nicht mitten am Tag überfallen. So etwas gebe es doch einfach nicht, hatte sie immer und immer wie der gesagt, mit einer Stimme, unter der schon die Verzweiflung lauerte. Doch in ihren dunklen Augen hatte Louise sehen können, dass die Wahrheit langsam in ihr Bewusstsein einsickerte. Louise hatte mit halbem Ohr gehört, dass ihr Kollege hinter ihr die Treppe heraufkam. Sie wollte weiter in die Diele hineingehen und Charlotte ins Wohnzimmer führen, damit sie sich beide setzen konnten. Aber plötzlich war sie wie versteinert gewesen. Sie hatte einfach nur dagestanden und die junge Frau erschrocken angestarrt, während sie spürte, wie eine Lähmung immer mehr von ihr Besitz ergriff. Dann fühlte sie eine Erschütterung in ihrer Brust, als würde ein Damm brechen und eine Welle der Verzweiflung freigeben, die durch ihren Körper wogte. Ihre Kehle schnürte sich zusammen, und sie spürte, wie sich ihre Luftröhre schloss.

Danke an die Verlagsgruppe Lübbe für die Veröffentlichungserlaubnis.
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