Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Das Schiff" von Stefán Máni

Die Pforten der Wahrnehmung
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Ist es ein Kinofilm?
Ja, aber ich spreche nicht von einem Kinofilm.
Ist es vielleicht ein Buch?
Ja, aber ich spreche nicht von einem Buch.
Ist es diese Seereise?
Ja, aber ich spreche von etwas Mächtigerem, Größerem.

Boom, boom, boom.

Es geht ein treibender Beat durch Stefán Mánis neuesten Roman, ein Roman, in dem nur eine Band gespielt wird, eine hervorragende Band. „The Doors“, mit ihrem introvertierten und charismatischen Sänger Jim Morrison. Und vielleicht ist es beabsichtigt, die Band mit ihren Songs, als eine Art Schwanengesang oder etwas in der Art zu verwenden. Der Song andererseits, der aus dem Text hervorbricht, hat viele Stimmen viele Facetten. Man kann bestimmt davon ausgehen, dass dieser Roman auf viele anziehend sein wird und Zustimmung erlangen wird, bei den Literaturkritikern und/oder Mitgliedern der seltsamen Gruppe, die als „das gewöhnliche Lesepublikum“ bekannt ist. Die Verleger vermarkten das Buch als einen Thriller, als einen Kriminalroman und dies ist unzweifelhaft ein Charakteristikum dieser Geschichte. Die wirkliche Meisterschaft dieses Romans ist jedoch, wie es dem Autor gelingt, viele literarische Genre in ein eng gewebtes Netz zu spinnen, das es dem Leser unmöglich macht, sich daraus herauszuwinden, bevor er nicht die letzte Seite erreicht hat.

„Das Schiff“ ruft mehr in Erinnerung zurück, als Thriller es normalerweise tun. Schiffsreisen sind, wie wir wissen, eine der ursprünglichsten Wurzeln der westlichen Literaturen, wie das Odyssee-Epos uns gezeigt hat. Das Segeln befördert die Charaktere in der Geschichte und den Leser zu exotischen Welten, stoßen in die innerste Dunkelheit der menschlichen Seele vor. „Das Schiff“ ist die Geschichte von Männern, die den Weg in ihrem Leben verloren haben und ganz buchstäblich den Kontakt mit der äußeren Welt verlieren. Aber gerade dies ist das Fundament dieser Geschichte. Meiner Meinung nach, hat der Roman mindestens zwei Eigenschaften, das ihn zu einem Werk der Literatur macht: die Art wie er mit der klassischen Form spielt und die Weise, wie er Weltliteratur miteinander in Verbindung bringt, nicht nur die klassische.

Wann auch immer Stefán Máni Joseph Conrad (hier kommt einem unweigerlich das Buch „Das Herz der Finsternis" in den Sinn) in seinen Interviews zitiert hat, zieht er auch seinen Hut vor Jim Morrison, Jean-Paul Sartre und Howard Phillips Lovecraft (der eine „Mythologie des Grauens" geschaffen hat), wenn er kurz die anderen Quellen seiner Einflüsse erwähnt, mündliche und schriftliche, zusätzlich zu den Reisen, die er selbst auf einem Frachter für seine Recherchen unternommen hat. Es gibt noch einen anderen Autor, den ich gerne auf diese Liste setzen möchte, nicht zuletzt seiner Charakterstudien wegen und das ist Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Der Autor von „Die Dämonen“ ist bekannt für seine Untersuchungen in die Natur des Bösen im Menschen. In „Die Dämonen“, ein Pamphlet gegen den Nihilismus, gibt es ein Kapitel, in welchem ein Auszug aus dem Lukas-Evangelium - die Geschichte von der Austreibung der Teufel - zitiert wird. Dostojewski gilt auch als der Wegbereiter des mehrstimmigen Romans, mit mehrschichtigen Gesichtspunkten, Wiederholungen und anderen Parallelen, die man auch im Roman „Das Schiff“ von Stefán Máni  finden kann, wo er ähnliche Wirkungen erzeugt, obwohl sein Stil sich unterscheidet. Und natürlich Hermann Melville und sein Meisterwerk „Moby Dick“. Hier fällt mir vor allem das vierzehnte Kapitel „Der Prophet“ ein. In diesem Kapitel warnt Elia, die Matrosen auf dem Wahlfänger „Peacock" anzuheuern. Und in Stefán Máni „Das Schiff“ ist es Kalli, der die vier Seeleute, die sich zur Meuterei verabredet haben, warnt. Kalli, der kurz darauf zu Tode kommt und in dessen Rolle Jón Karl tritt.

Und noch ein Autor fällt mir ein, der Pate zu diesem Buch hätte stehen können. Edgar Allan Poe und sein Roman „Arthur Gordon Pym“, wie es auch Ulrich Baron in seiner SPIEGEL Besprechung bemerkt. Wenn man den ganzen Titel des Romans „Die Geschichte des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ liest, so fallen dort die Begriffe „Meuterei“, „fürchterliche Gemetzel", „die Zurückeroberung des Schiffes", „Kannibalismus", „Schiffbruch" und „Katastrophe". Alles Geschehnisse, die auch der Besatzung  der „Per se" zustoßen. Wie Arthur Gordon Pym dauernd aus einer lebensbedrohlichen Gefahr gerettet wird, nur um in eine noch haarsträubendere Situation zu geraten, ohne jemals den Grenzbereich zwischen Leben und Tod verlassen zu können, erinnert doch stark an die Situation der Besatzung auf der „Per se". Die Geschichte liefert eine Kette von Studien menschlichen Verhaltens in Extremsituationen. Immer wieder konfrontiert Máni den Leser mit dem lähmenden Entsetzen von Menschen, die von Mächten des Grauens bedroht oder in labyrinthischen Strukturen (das Schiff, mit seinen Luken, seinen Maschinenräumen und den verwinkelten Auf- und Abgängen) gefangen sind, aber manchmal gibt es auch die innere Einsamkeit eines Menschen, der sich in seiner eigenen Fantasie verstrickt hat und eine Welt sucht, die es nicht gibt (die Realität hinter der Scheinrealität) und der unvermeidlich seinen Lebenswillen verliert, sobald er seinen Irrtum erkennt. Man kann sich nun fragen, ob es sich hier wirklich um einen Kriminalroman handelt. Oder viel mehr um einen Abenteuerroman für Erwachsene. Ist „Das Schiff" eine Allegorie, eine Traumgeschichte, ein apokalyptischer Text (beginnt die Geschichte doch am Vorabend des 9/11 und der Frachter „Per Se" lichtet am 11.09.2001 die Anker) oder ist es doch ein mystischer oder esoterischer Text? Eine Geschichte über die tiefste Erfahrung menschlichen Ausgeliefertseins an die Abgründigkeit der Existenz? Ist es von allem etwas und dann doch auch wieder nicht?
  Stefán Máni bei schwedenkrimi.de
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Zur Handlung: Neun Seeleute werden vorgestellt, die mit dem Frachtschiff „Per se" von Grundartangi nach Surinam fahren sollen, um von dort Bauxit für die Aluminiumgewinnung nach Island zu holen. Aluminium, das der neue Reichtum der Insel ist. Neun Seeleute, die alle mehr oder weniger innere Teufel in sich tragen. Zum einen wird uns Ársæll Egilson „Sæli",  vorgestellt. Sæli ist Spieler und hat horrende Spielschulden. Er wird von jemand, der sich Satan nennt, dazu erpresst, Rauschgift von Surinam nach Island zu schmuggeln. Dann gibt es die Seeleute Jóhann Pétursson, Maschinenmeister; Ási, den Koch; den Bootsmann Rúnar Hallgrímsson und den Ersten Steuermann Ísak Sigurðsson. Diese vier treffen sich vor der Abfahrt des Schiffes, um Pläne gegen ihre (wahrscheinliche) Entlassung zu machen. Dazu gehört auch die Verabredung zu einer Meuterei als letztes Mittel. Ísak ist, wie man in der weiteren Geschichte erfährt, Alkoholiker. Er flüchtet damit vor der Leere, die er fürchtet. Auf dem Schiff hat Ísak Sigurðsson Pflichten zu erfüllen. Er hat eine Aufgabe. Er weiß, was er tun muss und wie er es tun muss, ist Teil einer gut organisierten Einheit. Er hat die Aufgabe, einen bestimmten Raum auszufüllen, eine bestimmte Leere zu füllen. Ohne Arbeit kann er nicht überleben. Ohne dieses viertausend Tonne schwere Stahlungetüm ist er wie ein Zahnrad ohne Antrieb.

Jónas Bjarni Jónasson, der Zweite Steuermann, ist von einem besonderen Dämon besessen. Kurz vor der Abfahrt des Schiffes, tötet er seine Frau und verscharrt sie am Strand des Hvalfjörður. Ab diesem Zeitpunkt versinkt er in religiösen Wahnvorstellungen. Guðmundur Berndsen, der Kapitän, steht vor dem Ende seiner Ehe. Aber es ist nicht das Meer, das sie voneinander trennt, sondern der Tod. Der Tod ihrer Tochter. Das Meer ist nur ein Symbol für die düstere Ödnis, die der Tod in ihrem Leben hinterlassen hat. Eine düstere Ödnis aus Sprachlosigkeit. Dann gibt es noch Óli Johnson, welcher der Heizer genannt wird, weil er vom Teufel und all seinen Dämonen besessen ist. Ein stinkender Beelzebub, der sich jedes Mal, wenn man sich über ihn aufregt oder versucht, Böses mit Bösem zu vergelten, teuflisch amüsiert. Sabotage - Zerstörung des Radars, Satellitenempfängers, des Funks und des Schiffsmotors, machen den Frachter manövrierunfähig, eine Beute des Sturms. Meuterei und ein Piratenüberfall führen zu einem tödlichen Kampf. Alles endet in einer Agonie, als der Frachter langsam und hilflos im Ozean treibt und schlussendlich in der Antarktis, im Wedell-Meer strandet.

Die Hauptfigur aber ist eindeutig Jón Karl Esvason, der gleich zu Anfang in eine Doppelgängerrolle gezwungen wird. Er übernimmt an Bord des Schiffes die Rolle von Kalli (Karl), den Schwager des Zweiten Steuermanns, der auf dem Weg zum Frachter getötet wird. Jón Karl, ein Mythos in der Unterwelt Reykjaviks, mit dem Beinamen „Satan", wird von einer weiteren Größe der Unterwelt, von Óðinn R. Elsuson, gejagt und kann sich gerade noch auf den Frachter „Per se" retten. Das Letzte, was Óðinn R Elsuson sieht, bevor das Frachtschiff in der düsteren Unwetternacht verschwindet, ist der Name, der mit weißer Schrift auf dem Achtersteven gemalt ist: Per se.
„Fahr zur Hölle", ruft er dem Schiff und Jón Karl hinterher.


Buchtipp
KOMA
Die Erkundung des Bösen im Menschen in diesem Roman (das Böse ist ein Charakterzug, der einzigartig ist für die Menschheit) kristallisiert sich zuerst und vor allem in einer Person, Jón Karl. Auf vielerlei Weise ist er der offenste Charakter in diesem Buch, der pure Rohling und ein Menschenhasser, dem nichts heilig ist. Zur gleichen Zeit ist er ganz banal, er schert sich einen Teufel um alles, tatsächlich ist er zu abgestumpft, um Empathie zu empfinden. Ein furchtloses bulliges wildes Tier mit reichhaltigem angeborenem Scharfsinn, eine schaurige nietscheanische  Figur, die immer den kürzesten Weg zu seinem Ziel nimmt. Einer, der gegen die Gewißheit der Vernichtung ankämpft. Zu gleicher Zeit ist er auch der Anti-Held in dem Buch, er ist unfähig, und soll auch nicht, die Sympathien der Leser erwecken.

Die Geschichte selbst wird linear erzählt, geradezu konservativ könnte man sagen, aber was könnte geradliniger sein als eine Schiffahrt von Reykjavik nach Surinam? Aber die Erzähltechnik knüpft Knoten in diese Linie, je länger sie sich fortbewegt. Man kann anfügen, dass diese Erzähltechnik sehr technisch ist. Wenn es einen Wechsel in der Erzählperspektive zwischen simultanen Szenen gibt, wird die Anzeige einer Uhr gebraucht; wenn sich das Schiff in die Abgeschiedenheit des Ozeans hinausbewegt, der Sextant im Gebrauch ist, kann der Leser dem Abdriften des Schiffes anhand präziser Koordinaten folgen. Die Zeit ist aufgehoben. Spielt keine Rolle mehr. Ein Tag folgt dem anderen in seiner düsteren Trostlosigkeit. Die „Entwöhnung" in der Erzählung, durch ständigen Perspektivwechsel, Rücksprüngen und verschiedenen Erzählfäden funktioniert gut und ermöglicht es dem Autor mit seinen Figuren zu spielen, indem er den Fokus von einem zum anderen verschiebt.

„Das Schiff" ist Stefán Mánis siebtes Buch. Sein erstes Buch „Dyrnar á Svörtufjöllum" auf Deutsch „Die Tür in den schwarzen Bergen" veröffentlichte er 1996. Bevor er Schriftsteller wurde, arbeitete er in einer Fischfabrik in dem kleinen Ort Ólafsvik auf der Snæfellsnes-Halbinsel, wo er aufgewachsen ist, dachte über sein Lieblingsprojekt nach - ein Buch in seiner Freizeit zu schreiben - während er gefrorene Fischfilets einpackte, unsicher ob sein Buch für irgendjemand sonst von Interesse sein würde und ob es sich bezahlt machen würde, seinen Job für seinen Traum, ein Schriftsteller zu werden, zu kündigen. Schließlich entschied er sich dazu, verließ die Fischfabrik und fuhr mit dem Manuskript in einem Umschlag nach Reykjavik. Stefán Máni traf die richtige Entscheidung. Sein Buch wurde veröffentlicht und zehn Jahre später, im Jahr 2006, erschien das von der Kritik gefeierte und mit dem isländischen Krimipreis ausgezeichnete „Skipið".

„That is not dead which can eternal lie". Dieser Satz aus H.P. Lovecrafts „Necronomicon" könnte das Leitmotiv dieses Buches sein und wird auch des öfteren im  Roman zitiert (Was ewig schläft, ist nicht tot). Wobei die Zitate zu Lovecraft in „Das Schiff" zahllos sind. Man denke nur an den Tintenfisch, der an der Scheibe klebt und den Kapitän mit einem toten Auge anglüht, Dabei kommt einem unweigerlich das Tintenfischhaupt der Sagengestalt „Cthulhu" in den Sinn. In seiner Monographie „Supernatural Horror in Literature" diskutiert Lovecraft die ästhetische Theorie der Gruselgeschichte. Er betont, „die echte Gruselgeschichte" muss, mit einer Ernsthaftigkeit und Ungeheuerlichkeit, die dem Thema angemessen ist, jene entsetzliche Vorstellung des menschlichen Gehirns andeuten, nämlich eine unheilvolle und sonderbare Aufhebung oder Annullierung jener festen Naturgesetze, die unser einziger Schutz gegen die Angriffe des Chaos und der Dämonen aus dem unergründlichen All sind. In einem weiteren Essay „Notes on Writing Weird Fiction" wirft er Licht auf die eigene Schreibweise: „Beim Schreiben einer Gruselgeschichte bin ich immer sorgfältig um die Schaffung der rechten Stimmung und Atmosphäre bemüht, sowie um die richtige Akzentuierung. Ein Bericht über unmögliche, unwahrscheinliche oder unfassliche Phänomene lässt sich (wirkungsvoll) nicht wie eine herkömmliche Erzählung mit sachlicher Handlung und konventionellen Gefühlen darbieten. Unbegreifliche Vorfälle und Umstände müssen ein besonderes Handikap überwinden, und dies ist nur dadurch zu erreichen, dass man in jeder  Phase der Geschichte einen sorgsamen Realismus bewahrt, außer in jener, die an das besagte Wunder rührt. Dieses Wunder will sehr eindrucksvoll und wohlabgewogen geschildert sein - mit einer sorgfältigen emotionaler „Steigerung" -, ansonsten wird es platt und nicht überzeugend wirken.

Warum zitiere ich diese Passagen? Wenn man „Das Schiff" liest, fällt einem sofort auf, wie genau und penibel Stefán Máni den Frachter „Per Se", die klaustrophischen Auf- und Abgänge, die engen Gänge, die Maschinenräume, die Schiffsmotoren und die verschiedenen Decks, alle Tätigkeiten auf das Genaueste beschreibt. Man denke nur an die Auflistung, was der Schiffskoch an Nahrung gebunkert hat. In „Das Schiff" gibt es so viele Details, dass der Leser tatsächlich das Gefühl hat, an Bord des Frachters zu sein; strampelnd, um das Gleichgewicht in der turbulenten See zu halten, die Gischt der See im Gesicht zu spüren, der Geschmack des Salzes auf den Lippen und den Brechreiz, der im Magen anwächst. Das Herz schlägt bis zum Hals aus Furcht vor den dubiosen Charakteren, die im Schatten lauern und die Mannschaft terrorisieren. In dieser Phase der Geschichte, der anderen, wie Lovecraft schreibt, muss die Geschichte einen sorgfältig bewahrten Realismus erreichen. Die unbegreiflichen Vorfälle und Umstände bilden eine von allen anderen Storyelementen gesonderte Kategorie und können durch bloße herkömmliche Erzählweise nicht überzeugend gestaltet werden. Sie müssen das Handikap der Unglaubwürdigkeit überwinden und dies kann nur durch Realismus erreicht werden. Und weiter schreibt er: die Charaktere sollen darauf reagieren, wie wirkliche Menschen auf etwas Derartiges reagieren, wenn sie plötzlich im Alltag damit konfrontiert würden. Sie sollten das seelenzerrüttende Staunen zeigen, das normalerweise jeder zeigen würde...

Das heißt, auch für „Das Schiff", mit seinem verstörenden und vieldeutigen Schluss, dass, wenn man bei einer Geschichte mit extremen Realismus zu Werke geht, gelingt der unerlässliche Rahmen der Glaubwürdigkeit viel eher, denn erscheint in der Story alles natürlich und glaubhaft, wird man geneigt sein, in dem unnatürlichen Element ein Abweichen von der erwarteten Realität zu sehen, das sich in einer realen Welt ereignet.

Für Lovecraft stellt das Unbekannte das wirkungsvollste furchtauslösende Element der Gruselgeschichte dar. „Das älteste und stärkste Gefühl der Menschheit" - argumentiert er ebenfalls in „Supernatural Horror in Literature" - „ist die Furcht, und die älteste Furcht ist die Furcht  vor dem Unbekannten". In seinen „Notes on Writing Weird Fiction" führt er dies weiter aus und hebt hervor: „Diese Geschichten betonen häufig das Element des Horrors, weil die Furcht unser tiefstes und stärkstes Gefühl ist und jenes, das sich am besten zur Schaffung der Natur hohnsprechender Illusion eignet. Horror und das Unbekannte oder Sonderbare gehören immer eng zusammen, so dass es schwer fällt, ein überzeugendes Bild zertrümmerter Naturgesetze oder kosmischen „Veräußertseins" und „Außenseitertums" zu schaffen, ohne dabei das Gefühl der Furcht zu betonen".

Zum Schluß noch ein Zitat aus „Das Schiff", aus einem Streitgespräch zwischen dem Heizer und Jón Karl. Die beiden diskutieren über den Teufel, Gott, das Sein und das Nichts, die Welt und die Diskussion mündet in der alltäglichen Erkenntnis: „Leben ist Schmerz und Angst".

„Doch ihr Tag wird kommen. Der Tag, an der sich das Tor öffnet und die todgeweihte Menschheit endlich die fürchterliche Wahrheit begreift. Dann werden die kurzsichtigen Menschen von einem bösen Traum erwachen, denn das Schiff, das sie in eine bessere Zukunft führen sollte, fährt seit vielen tausend Jahren im Kreis. Es ist ein Schiff der Toren, von Toren gesteuert, die in die Sonne schauen und die Strömungen im Meer der Ewigkeit ignorieren - ..."

Und der letzte Satz im Buch:

„Meister!", ruft der Heizer, verbeugt sich tief und macht die Tür weit auf..."

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
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