Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch der Autorin Anna Jansson.
Totenwache
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Broschiert
Rowohlt Tb-Verlag
Erscheinungsdatum:
Mai 2004
ISBN: 3499234017
Übersetzung:
Eckehard Schultz

Kurzbeschreibung

Alles begann mit dem Verschwinden des Maklers Clarence Haag. Maria Werns Kollegen hatten dessen Ehefrau Rosemarie nicht Ernst genommen und eine Ehekrise vermutet. Nur Maria sah die Angst in den Augen der Frau und machte sich auf die Suche nach dem Verschwundenen. Als sie die Leiche von Marten Norman findet, mit dem Haag eine dunkle Vergangenheit teilte, wird Maria klar, dass sie mitten in ein Wespennest gestochen hat. Doch zu spät, denn sie ist bereits in die Falle getappt. Mit blutendem Kopf wacht sie in einem Bunker auf, aus dem es kein Entkommen gibt ...

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Leseprobe

1

Sie nimmt als Erstes das Grollen des Donners und einen ekelhaften Gestank nach menschlichem Kot wahr. Der Schmerz breitet sich im gleichen Maße in ihr aus, wie das Bewusstsein wiederkehrt. Heftig und stechend zwingt er sie zur Klarheit. Die Dunkelheit ist beinahe undurchdringlich. Über ihrem Kopf tanzt Licht wie ein schmaler Nebelstreifen. Wirklich über ihrem Kopf? Sie ist sich nicht sicher. Es bereitet ihr Schmerzen, sich auf den Lichtstreifen zu konzentrieren. Kriminalinspektorin Maria Wem macht einen Versuch, sich auf dem harten Zement aufzurichten, und übergibt sich. Die Bewegung schmerzt sie wie ein Schlag mit der Axt auf den Hinterkopf. Alles um sie herum dreht sich, bewegt sich wie in einem Blitzlichtgewitter auf und ab. Sie versucht, sich vorsichtiger zu erbrechen, ohne aufstoßen zu müssen. Im Mund brennt bittere Galle. Vorsichtig hebt Maria den Arm und streicht sich über den hämmernden Kopf. Die Hand wird feucht. Sie hält sich den Finger unter die Nase. Erkennt den Geruch des Blutes. Der Magen zieht sich zu einem neuen Krampf zusammen. Der Kopf explodiert, und sie fällt in das schützende Dunkel zurück.

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Wie lange war sie bewusstlos? Sie weiß es nicht. Zwei Minuten? Vielleicht stundenlang? Der Regen trommelt laut, aber nur einzelne Tropfen fallen auf ihr Gesicht. Eine feuchte Kühle erfasst ihren Körper. Die Dunkelheit ist jetzt undurchdringlich. Maria reibt ihre Augen. Versucht in der totalen Finsternis, die sie umgibt, Konturen zu erahnen. Der Gestank ist unerträglich. Sie strengt sich an, sich zu erinnern. Das Chaos in ihrem Inneren zu ordnen. Sie weiß nicht, wo sie sich befindet. Angst beschleicht sie und windet sich wie eine glitschige Schlange den Rücken hinauf. Bilder von Krister und den Kindern kommen ihr in den Sinn, lassen sich aber nicht in einen Zusammenhang bringen. Sie werden von der Bedrohung weggewischt. Das Gefühl einer bevorstehenden Katastrophe wächst. Etwas, was sie vielleicht verhindern kann. Aber sie weiß nicht, was es ist.
Maria lässt die Hand über den Boden gleiten. Der fühlt sich kalt und rau an, wie Beton. Krister und die Kinder, wo sind sie? Wo ist sie selbst?
"Hallo! Hilfe, ist dort jemand?" Maria strengt die Stimme bis aufs Äußerste an. Der Ton, ein krächzender Laut, wird von den kalten unnachgiebigen Wänden verschluckt. Wie ist sie in dieses stinkende Gefängnis geraten?
"Hallo!" Vorsichtig streckt Maria ihre rechte Hand in der Dunkelheit aus und stößt gegen eine Wand aus Stein oder Beton. Sie spürt einen starken Druck auf die Blase, schafft es aber nicht aufzustehen. Ihre Hände tasten über ihren Körper, vorsichtig versucht sie festzustellen, ob etwas gebrochen ist. Die Wunde an ihrem Hinterkopf ist klebrig. Das Haar fühlt sich zwischen den Fingern steif an. Sie friert.
"Hilfe! Helft mir doch!" Draußen trommelt der Regen. Wellen brechen sich am Strand. Sie splittern wie Holzstücke an Steinen oder einem Bootssteg. Ruhelos. Das Grummeln des Donners verschluckt ihre Stimme. Krister und die Kinder, sind sie in Sicherheit? Maria kann nichts von dem, was mit ihr geschehen ist, rekonstruieren. Ein Donnerschlag lässt die Luft vibrieren. Ein Blitz flimmert durch einen dreigeteilten Spalt über ihr. Sekundenlang kann Maria ihr Gefängnis sehen. Sie hat das Gefühl, als ob sie sich in einem Bunker befindet. Links neben ihr liegt ein großes schwarzes Bündel auf dem Boden. Ein Mensch? Mit angehaltenem Atem wartet Maria auf den nächsten Blitzschlag. Der Donner entfernt sich immer mehr. Eine Ewigkeit vergeht, bis ein neuer Blitz aufleuchtet, aber er ist viel zu schwach, um den dunklen Raum zu erhellen. Krister? Ist das Krister oder nicht? Maria streckt ihre linke Hand aus. Fühlt den Körper durch den Stoff, tastet nach dem Arm.
"Krister!" Sie findet seine Hand. Drückt sie ganz fest. "Krister, wo sind die Kinder? Wo sind Emil und Linda?" Die Hand ist so kalt. "Du musst aufwachen, Krister!" Maria versucht angestrengt, sich näher an ihn heranzuschieben. Versucht sich aufzurichten und mit der Hand über sein Gesicht zu streichen, ihn zu wecken. Er muss aufwachen! Muss aufwachen und erzählen, was geschehen ist. Die Kopfschmerzen sind unerträglich, lassen sie an nichts anderes denken. Zwingen sie, sich wieder mit der Wange auf den kalten Boden zu legen. Der Brechreiz drückt im Hals, kriecht unter die Haarwurzeln. Maria bekommt etwas zwischen die Finger. Es knirscht, wenn sie den Zeigefinger gegen den Daumen drückt, sie spürt ein Krabbeln am Hals und auf der Kopfhaut. Irgendwelche Insekten, vielleicht Asseln oder Ohrwürmer? Es kratzt sie am Rücken. Maria schüttelt sich angeekelt, sieht aber ein, dass sie es nicht schafft, den Arm noch einmal zu heben.
"Krister, du musst aufwachen! Ich liebe dich." Seine Hand liegt schlaff in der ihren. Maria versucht sich mit letzter Kraft aufzurichten und verliert wieder das Bewusstsein.

Ein schwacher Lichtschein hat sich durch die zugenagelten Luken des Bunkers vorgetastet. Der Regen fällt immer noch und sammelt sich in den Vertiefungen des Bodens. Der Sturm knickt die Glockenblumen, Margeriten und knospenden Mädesüß, die zu Boden gedrückt auf der Strandwiese vor dem Betonbunker, einem Relikt aus dem letzten Krieg, liegen. Immer wieder fährt er über das Strandgras, das sich ungeschützt und ohne Möglichkeit zu entkommen den wütenden Windstößen beugen muss. Der Strand liegt einsam und leer vor dem dunkelgrünen dichten Fichtenwald.
Maria erwacht in jämmerlichem Zustand. Ihre Blase ist zum Bersten gefüllt. Im Kopf hämmert es. Kristers Hand ist so kalt und steif. Vorsichtig schlägt sie die Augen auf und blinzelt ins Licht. Starrt auf die Hand in ihrer Hand und den toten Mann neben sich. Mitten in ihrem entsetzten Schrei ist sie gezwungen, den Slip herunterzureißen und zu pinkeln. Instinktiv sucht sie die niedrigste Stelle und hockt sich dort hin, um nicht das Rinnsal auf dem Fußboden vor sich zu haben. Dicht an der Tür ist eine Vertiefung. Die ist schon vorher zum gleichen Zweck benutzt worden, ist voller Kot und Erbrochenem, und der Schmutz verbreitet einen fürchterlichen Gestank. Immer noch in der Hocke, versucht Maria die Stahltür aufzudrücken. Aber die Tür bewegt sich nicht. Sie ist mit dem Toten zusammen eingeschlossen. Die Wände kommen auf sie zu und bewegen sich auf allen Seiten nach innen. Die Luft bleibt ihr weg. Es besteht kein Zweifel, dass der Mann tot ist.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Wachsbleich und erschlafft ruht sein Kopf auf dem Boden. Die farblosen Lippen spannen sich über den Zähnen. Der Mund ist weit geöffnet, die Augen sind halb offen. Der Blick ist ins Unendliche gerichtet. Auf dem weißen Oberhemd liegt ein grüner Zweig. Maria reibt vorsichtig die schmalen Blätter zwischen ihren Fingern. Rosmarin. "Hier ist Rosmarin, der stärkt das Gedächtnis", sagt Ophelia zu Hamlet. Die Frau in dem Kräutergarten taucht aus dem Nebel auf, namenlos. Hat sie es nicht so gesagt? "Hier ist Rosmarin, der stärkt das Gedächtnis."
Rosmarin zur Erinnerung an die Toten, so war das doch. Maria zwingt sich, den Toten anzusehen. Lachen und Schluchzen steigen zugleich aus ihrer Kehle. Vor Schreck und Erleichterung darüber, dass es nicht Krister ist, der da neben ihr liegt. Wie lange hat sie die Hand des Toten gehalten? Maria blickt auf ihre Hand, als ob sie ein fremder Gegenstand sei. Angstvoll klammert sie sich an Details, um die ganze Wahrheit verdrängen zu können. Das schüttere Haar des Mannes. Die braunen Sandalen. Der seidene Schlips nachlässig gebunden. Die schwarze staubige Hose. Sie steht auf und versucht mit aller Kraft gegen die Bretter zu treten, mit denen die drei Luken zugenagelt sind. Ganz unten gibt es einen beinahe zehn Zentimeter breiten Spalt. Wenn es ihr gelingt, die Bretter wegzudrücken, könnte sie sich durch eins der Löcher hindurchzwängen. Wieder ruft sie um Hilfe. Ihr Kopf zerspringt fast bei jeder Anstrengung. Das Schwindelgefühl nimmt zu. Ihre Stimme wird matt. Es ist sinnlos, gegen den Sturm anzuschreien. Der Mund fühlt sich herb und trocken an. Wie lange ist es her, dass sie etwas getrunken hat? Maria friert trotz der Fleecejacke. Noch einmal versucht sie die Tür aufzustoßen, ohne Erfolg. Der Platz, den sie sich mit dem Toten teilen muss, ist höchstens vier Quadratmeter groß. Sie zwingt sich wieder, dem Mann ins Gesicht zu sehen, und meint ihn zu erkennen. Vage kann sie sich erinnern, ihn früher schon einmal gesehen zu haben. Aber sein Name fällt ihr beim besten Willen nicht ein.

Langsam kommt die Dämmerung und verwischt die Gesichtszüge des Toten. Die Ecken des Bunkers verschwinden in der Dunkelheit. Maria Wem sucht fieberhaft in ihrem Gedächtnis, um ihre aussichtslose Situation zu verstehen: zusammen mit einem toten Mann in einem Bunker eingesperrt. Wer hat ihr auf den Hinterkopf geschlagen? Warum ist die Tür verschlossen? Warum lebt sie, nicht aber der Mann? Vielleicht muss der Mörder sie gar nicht selbst töten. Wie lange kann ein Mensch ohne Wasser durchhalten? Drei Tage? Wohl kaum mehr. Bei Wärme kürzere Zeit. Ebenso, wenn man sich erbricht. Sie setzt sich auf den Boden. Versucht ihre Kräfte zu sammeln. "Hier ist Rosmarin, der stärkt das Gedächtnis." Die Frau in dem Kräutergarten. Maria strengt ihr Gedächtnis bis aufs Äußerste an, sucht nach Assoziationen und Bildern. Ein Donnerstag taucht aus dem Unterbewusstsein auf. Der Donnerstag, an dem sie Rosemarie Haag getroffen hat.

Danke an den Rowohlt Tb-Verlag für die Veröffentlichungserlaubnis.
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