Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch der Autorin Annika Bryn.
Jetzt Bestellen Die sechste Nacht
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Broschiert
400 Seiten
Blanvalet Verlag
Erscheinungsdatum:
Mai 2005
ISBN: 3442362334
Originaltitel:
"Den sjätte natten"
Übersetzung:
Friederike Buchinger
Kurzbeschreibung

Eine Mordserie erschüttert Stockholm, der Rechtsanwalt John Danielsson verschwindet spurlos bei einer Fahrt nach Norrland. Erst als die Polizei einen Spitzel in eine radikale nationalistischen Gruppe einschleust, kommt sie den Tätern auf die Spur. Doch selbst der Undercover-Polizist ahnt nicht, dass John Danielsson in den fünf langen schrecklichen Tagen seiner Gefangenschaft ganz eigene Pläne macht: Erst will er seine Familie in Sicherheit bringen, dann wird er ausgleichende Gerechtigkeit herstellen. In der sechsten Nacht gelingt Danielsson tatsächlich die Flucht – und sofort macht er sich auf die Jagd …

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Leseprobe

Sonntagnacht

Eva Beldon hatte Angst.
Sie hatte gewusst, dass das hier passieren konnte. Sie hatte sich ausgemalt, wie es sein würde, zumindest hatte sie geglaubt, das getan zu haben. Aber die Wirklichkeit sah ganz anders aus. Die Podiumsdiskussion im Haus des Arbeiterbildungsbundes in Stockholm war an diesem Abend schon gegen halb neun zu Ende gewesen, aber die anschließende Fragestunde hatte sich in die Länge gezogen. Der Saal war brechend voll gewesen, die Luft stickig. Außer Eva hatten der politisch linksgerichtete Chefredakteur einer mittelschwedischen Zeitung, eine Abgeordnete der liberalen Folkparti, ein Aktivist der Göteborger Krawalle und ein Vertreter der Polizei, der sich zweimal hatte bitten lassen, auf dem Podium gesessen. Aufgrund des Themas »Ist unsere Polizeikultur gewaltverherrlichend?« war es schwierig gewesen, einen Polizeibeamten zu finden, der sich zur Verfügung stellte. Sowohl diejenigen, die mit einem beleidigten Nein reagierten, als auch die, die die Frage mit Ja beantworteten, hatten guten Grund fernzubleiben, weil zahlreiche Beweise für das Gegenteil sprachen und weil sich die Kollegen damit nicht sonderlich beliebt machten. Hinterher waren alle hitzig diskutierend die Straße entlanggestiefelt und aus irgendeinem Grund im Tip Top gelandet, wo das aufgeregte Gespräch fortgeführt wurde.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Eva hatte sich neben den Beamten von der Polizei gesetzt. In dieser persönlichen Runde hatte er sich entspannt und mehr von sich selbst erzählt, seine widersprüchlichen Gefühle waren an die Oberfläche gedrungen, die Liebe zum Job, die Unzufriedenheit mit der Dezernatsleitung, die nie ausreichend Unterstützung gab, das Gefühl, von der Presse verfolgt und missverstanden zu werden (zum Beispiel von Eva), sowie seine Sorge über reaktionäre und rassistische Strömungen im Korps. Sie hatten sich richtig gut unterhalten. Als Eva schließlich gegen halb zwölf zur U-Bahn an der Handelshochschule ging, war sie bester Laune, leicht beschwipst von mehreren Bieren und dem wohltuenden Gefühl, sich mit einem anderen Menschen tatsächlich ausgetauscht und sich nicht nur aus dem Schützengraben beschossen zu haben. Ihr Mann und ihr zehnjähriger Sohn schliefen in dem kleinen Vierzimmerholzhaus, das sie vor zwölf Jahren in Alvik gekauft hatten und das nun plötzlich dank der neuen Grundsteuerveranlagung zu einer Luxushütte avanciert war. Sie freute sich darauf, nach Hause zu kommen, zu duschen, sich noch ein spätes Käsebrot in der Küche zu gönnen und zu ihrem Mann ins Bett zu kriechen. Sie sehnte sich nach ihm. Morgen würde sie einen Artikel über den Arbeiterbildungsbund schreiben, über dessen Ideale und darüber, wie man die Volksbildungsideale in die neuen Zeiten hinüberretten könnte. Sie musterte sich selbst in dem großen Schaufenster eines Fitnessstudios. Klein und rund, mit fröhlichen Augen unter dem hellen, lockigen Haar und einem richtig schicken, weinroten Mantel mit schwarzen Paspeln. Sie zwinkerte sich zu. Zwanzig Minuten später stieg sie in Alvik aus und begann, den Hügel hinaufzustapfen. Gut, dass es ihn gab, denn diese Steigung zu bewältigen war so gut wie ihre einzige sportliche Betätigung. Die Straßen waren leer. Es war Anfang Mai, die Nächte waren noch kalt, aber die Bäume in dem großen, dunklen Park zu ihrer Rechten hatten auszuschlagen begonnen, und der Duft von Erde, Gras und eben aufgeblühten Blumen war betörend. Sie quälte sich mühsam bergan, als ihr Handy klingelte. Es war ihr Mann.
»Du schläfst noch nicht?«, fragte sie erstaunt und gleichzeitig froh. Sie wollte mit ihm das Käsebrot am Küchentisch gern teilen und ihm dabei berichten, was am Abend alles geschehen war. Doch darauf hatte sie nicht zu hoffen gewagt, denn er war Tischler und musste am Montagmorgen früh aufstehen.

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Rezensionen
Leseprobe

»Nein, Lina und Mattias sind vor ein paar Stunden vorbeigekommen, und wir hatten noch Hunger. Wo bist du? Wann kommst du?«
»Ich bin gleich da, in acht Minuten bin ich zu Hause.
Kannst du mir einen Kaffee aufsetzen?«
»Natürlich! Wenn du kommst, ist er fertig. Ich umarme dich, Liebling, bis gleich!«, sagte er und legte auf. Als sie ihr Handy in die Tasche zurücksteckte, entdeckte sie einen weißen VW-Bus, der ein Stück weiter oben mitten in der Kurve parkte. Das sah seltsam aus. Sie blieb stehen, betrachtete den Wagen und fühlte, dass sich ihr Misstrauen regte. Sie hatte sich geschworen, niemals ihre innere Stimme zu ignorieren. Sie machte ohne lange zu zögern auf dem Absatz kehrt und begann, zur U-Bahn zurückzugehen.
Ihr Mann würde sie abholen kommen. Lieber einmal zu oft vorsichtig sein, als einmal zu wenig. Während sie in ihrer Tasche nach dem Handy kramte, hörte sie, wie der Lieferwagen angelassen wurde. Zu ihrem Erstaunen kam das Geräusch näher, und als sie sich umdrehte, sah sie entsetzt, wie er in voller Fahrt rückwärts auf sie zuraste.
Sie begann zu rennen. Sie war allein auf der Straße. Die Fenster der niedrigen Wohnhäuser auf der anderen Seite waren dunkel, die Geschäfte geschlossen, und sie würde es auf keinen Fall dort hinüberschaffen. Sie konnte schräg durch den Park laufen, zu den Villen auf der anderen Seite, die jedoch mehrere hundert Meter entfernt waren. Wenn der Mann aus dem Van heraussprang und sie verfolgte, würde er sie einholen.
Das Auto glitt dicht an der Bordsteinkante entlang und bremste drei Meter vor ihr ab. Sie hatte das Handy nicht gefunden. Mit klopfendem Herzen blieb sie stehen und schnappte nach Luft. Sie wollte schreien, wollte versuchen, jemanden zu wecken, der ihr helfen konnte, aber sie war völlig außer Atem. Sie konnte dem Mann am Steuer direkt in die Augen sehen. Er war schwarz gekleidet, eine Strumpfmaske über dem Kopf, und seine hasserfüllten Augen funkelten im Licht der Straßenlaterne. Selbst aus ihrer Entfernung spürte sie, dass er viel zu fanatisch war, als dass sie mit ihm hätte reden und zu etwas Menschlichem in ihm hätte vordringen können.
Vielleicht würde er ihr Leben auslöschen und damit auch für immer sein eigenes. Ihr fiel auf, wie still es war. Er öffnete die Tür, sprang auf den Bürgersteig und kam auf sie zu.

Danke an den blanvalet Verlag für die Veröffentlichungserlaubnis.
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