Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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Ilkka Remes "Ein Schlag ins Herz"

Umweltaktivist zwischen den Fronten


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Es fängt – naja – irgendwie harmlos an. Der Atomspezialist Patrick Vasama engagiert sich inzwischen als Umweltaktivist und will durch eine spektakuläre Aktion auf einem die Ostsee durchquerenden Transportschiff mit einer Ladung hoch radioaktiven Abfalls auf die unkalkulierbaren Gefahren einer geplanten Endlagerung von Atommüll unter Wasser aufmerksam machen.
Eine ganz andere Gruppe nimmt bei einem traditionellen Treffen von Spitzenpolitikern die Teilnehmenden der so genannten „Bilderberg-Konferenz“ als Geiseln, wobei sich erst im Verlauf der Geschichte heraus stellt, worum es dieser Gruppe wirklich geht. Zunächst scheint es eine Verbindung zur Truppe zu geben, die lediglich das Gefahrgutschiff kaperte, nun aber zu Öko-Terroristen eingestuft werden.

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Das Atommüllschiff birgt in der Tat neben den massiv gesicherten Strahlenbehältern auch noch eine politisch hoch brisante Fracht der USA, die deren Geheimdienst unter allen Umständen vor dem Zugriff durch russische Landesschutzkräfte sichern will, bevor die Umweltkämpfer mehr oder weniger versehentlich dieses Geheimnis an die Öffentlichkeit bringen.

So verweben sich die Aktivitäten in dem spannenden Thriller beider Gruppen zu einem gefährlichen Wettlauf gegen die Verfolgung durch die Sicherheitskräfte einerseits und zu einem erbitterten und tödliche Opfer fordernden Wettkampf der beiden Interessensgruppen andererseits. Gut, dass der Autor für die Leserschaft erkennbar klar die Motivationen der unterschiedlichen Gruppen beschreibt. Außenstehende hingegen scheinen zunächst das nicht so eindeutig hin zu bekommen, denn Patrick wird unterstellt, übergelaufen und an dem terroristischen Akt beteiligt zu sein. Er selbst tut sich allerdings ebenso schwer, die belgische Ärztin Sandrine Denaux auf der Seite der „Guten“ zu sehen. Sie befindet sich zwar als Geisel unter den entführten Politikern, Patrick ist aber an ihrer Schuld am Tod seiner Freundin Beate überzeugt.

Die Situation auf dem Schiff spitzt sich immer mehr zu, als Dominik, der Anführer der Ökoaktivisten, und Hermann, ein Ex-Söldner, nicht nur untereinander uneins sind, sondern eine immer massivere Vorgehensweise planen und auch umsetzen. Nachdem sie einen der Atombehälter aufgebohrt und eine Probe extrem gefährlichen Atommülls quasi als weiteres Beweismittel für die Entschlossenheit zur Durchsetzung der Interessen der Widerständler entnommen haben, ticken gleich mehrere „Zeitbomben“ an Bord. Als später auch noch amerikanische Sicherheitskräfte an Bord gelangen und Patrick mitbekommt, wie ein bis dahin sich verborgen gehaltenes Mitglied der Schiffsmannschaft auf der Flucht durch das Entlüftungssystem erschossen wird, glaubt er nicht mehr an ein gutes Ende.

Wie man es erwartet von Remes kennt, verwebt er in atemloser Dichte und stilsicherer Genauigkeit der Vorgänge und Abläufe Realität und Fiktion. Er greift aktuelle Ereignisse auf, bringt sie hoch spannend mit erdachten, aber durchaus möglichen Zusammenhängen in Relation. Seine Protagonistinnen und Protagonisten reagieren und empfinden emotional glaubhaft. Daher ist auch „Ein Schlag ins Herz“ wieder absolut ernsthaft, real, politisch brisant und aktuell. Das ist eines der Erfolgskriterien des Meisters des Politthrillers.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Juli 2011 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Tödlicher Sog"

Mordverdächtiger Rennfahrer mutiert zum Geheimnisträger


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Ein Streit, eine wütende, unbedachte Reaktion und schon ist man ein Mörder. So schnell scheint Nachwuchsrennfahrer Roni Airas nach einem Streit mit seiner Exfreundin Julia zum Kapitalverbrecher geworden zu sein. Zumindest glaubt er das, denn Julia ist tot. Trotzdem kann er es nicht glauben, zumal er schemenhaft noch jemand sich über Julia beugen sah, als er reumütig nochmal nach Julia sehen wollte. Nachdem er sich seinem verständnisvollen Vater Tero anvertraute, versucht dieser einerseits Roni aus Allem herauszuhalten, denn dessen Rennfahrerkarriere soll sich ungefährdet entwickeln können. Als ehemaliger Polizist setzt er alles daran, selbst den Täter zu finden. Der Vater von Julia sucht selbstverständlich auch nach dem Mörder. Er ist dummerweise auch noch ein Bekannter Teros.
Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin


Als die Airas plötzlich mit unveröffentlichtem Material über geheime Tauchgänge zur unter mysteriösen Umständen 1994 untergegangenen estnischen Fähre „Estonia“ erpresst werden, beginnt der Thriller die von Illka Remes gewohnte Fahrt und Intensität aufzunehmen. Schon ziehen einen die gut recherchierten und nachprüfbaren Fakten einerseits und die gekonnt damit verwobenen fiktiven Ideen des Autors andererseits unnachgiebig in Bann. Vage Erinnerungen an das unerklärliche schlimme Unglück und die merkwürdigen Verlautbarungen der damals Verantwortlichen lassen bis heute keine vernünftigen Schlüsse zu und nur Ungutes erahnen. Im Verlauf entfaltet der Autor einen spannenden Plot um Rivalitäten, Waffen- und Steroidenhandel, Geheimdienstaktivitäten und familiäre Geheimnisse sowohl der Opfer- als auch vermeintlichen Täterfamilie.

Wie üblich liefert Remes Zeile für Zeile Spannung, eine Menge faktische Informationen und gleichzeitig auch genug Stoff, um neugierig weiter zu spekulieren, wie die anfänglichen verwirrenden Handlungsinhalte zusammenhängen. In knackigen Ereigniskapiteln wird Verborgenes enthüllt und nachvollziehbar verknüpft. Dem Meister der Spannung ist mit „Tödlicher Sog“ wieder ein Spitzenthriller gelungen, der seine Position als Top-Autor Finnlands nachhaltig unterstreicht.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Juni 2010 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Hochzeitsflug"

Eiskalt und rücksichtslos: Staatsmacht kontra „Honeymoon“


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Alles sollte so schön und romantisch werden, doch das letzte Vorhaben Tina Carabellas kurz vor ihrer geplanten Hochzeit mit dem Hirnforscher Christian Brück endet mysteriös und tragisch. Das Flugzeug stürzt auf unerklärliche und nicht nachvollziehbare Weise ab, ja es verschwindet sogar. Die besorgten Angehörigen werden hingehalten, eine Aufklärung geschieht nur schleppend. Dr. Brück macht sich schließlich zutiefst besorgt zum Unglücksort auf. Gemeinsam mit einer Zufallsbekanntschaft – Rebecca - gerät er in einen Strudel offenbar sektiererischer und schließlich geheimdienstlicher Machenschaften und zudem in größte Gefahr, weil der ein von seiner Verlobten gefilmtes Videoband findet. Krasse Zusammentreffen, gefährliche Verfolgungsjagden und lebensbedrohliche Situationen reihen sich Schlag auf Schlag aneinander, bis ein kaum zu glaubender Showdown dem Ganzen ein Ende setzt.

Der Autor schafft schon nach wenigen Seiten eine absolut angespannte Atmosphäre voll Aufregung und Verzweiflung, voll Anspannung und Hoffnung, voll Mitgefühl und Verachtung. Die Charaktere beschreibt er knapp und doch ausreichend, die Abläufe der Geschichte gut nachvollziehbar. Bisweilen jedoch verlangsamt der Plot sich etwas, wenn sich bestimmte Spannungsmomente letztlich in ähnlicher Weise wiederholen. Auch wirkt der verzweifelt handelnde Arzt doch außergewöhnlich verwegen und professionell in einem Umfeld, welches einem medizinischen Spezialisten wohl eher fremd sein dürfte, hat er doch wohl kaum im Alltag mit gnadenlosen Geheimdiensten und Regierungskräften oder sektiererischen Verbrechern zu tun. Hier hat Ilka Remes etwas zu dick aufgetragen und aus einem verliebten Arzt einen Supermann kreiert, was der Glaubwürdigkeit der Geschichte etwas schadet.

Berücksichtigt man das Ersterscheinungsjahr des Thrillers, lässt sich gut daraus ablesen, dass es eben ein früheres Werk des Top-Autors ist. In der Tat kann man bei Remes‘  später erschienen Thrillern eine deutliche Verbesserung beim Aufbau und Spannungsbogen der Geschichten feststellen.

Trotzdem ist auch „Hochzeitsflug“ eindeutig ein ausgezeichneter Thriller, der Spannung bis zum Schluss bei fulminanten Ende verspricht.


Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Februar 2009 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Das Erbe des Bösen"

Brutaler Verlust der Identität und eigenen Vergangenheit


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Die Erwartung an den aktuellen Remes-Thriller sind hoch; doch das hat sich einer der besten Thriller-Autoren selbst erschrieben …
Ohne Umschweife und mit treffsicherer Präzision gelingt es dem ausgezeichneten Rechercheur die Geschichte von Anfang an dicht und mitreißend zu erzählen. Rolf Narva, ehemaliger Top-Wissenschaftler finnischer Herkunft und inzwischen längst Pensionär wird unvermittelt mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert.

Gleichzeitig sorgt sich Rolf’s Sohn und Chef eines erfolgreichen Genforschungslabors in London, Erik um den alten Vater. Dessen distanziertes Verhalten bezüglich der Reise nach Berlin verunsichert den Mittfünfziger doch sehr. Seine Unruhe überträgt sich auch auf Katja, seine Frau und ganz sicher auch auf Ingrid, seine Mutter, Exfrau des Alten Herrn und mit unheimlicher, geradezu grausiger Berufserfahrung als Forscherin.

Als Erik unglaubliche Informationen zur Vergangenheit seiner Eltern im Nazi-Deutschland entdeckt, beginnt die anfänglich ganz normale Sorge um das Wohlbefinden des Vaters in geradezu panische Angst umzuschlagen. Rolf wird bei der Kontaktaufnahme mit seiner geheimnisvollen und stets gegenüber seiner Familie strikt verschwiegenen Vergangenheit entführt und schließlich von einem Auto überfahren und getötet. Sein Sohn samt Familie sind erschüttert, Erik angestachelt, die Wahrheit über die offensichtlich engen Beziehungen seiner Eltern väterlicherseits in der Nuklearforschung einerseits und - wie sich inzwischen ebenfalls nur noch schwer verleugnen lässt -  mütterlicherseits in der Eugenik, also Forschung mit menschlichem Erbgut und der so genannten „Rassenhygiene“.

Die Dramatik des Geschehens hat seine Ursache jedoch in ganz aktueller Hinsicht. Diese wieder hervorragende und gelungene Spezialität Ilkka Remes, derartige Bezüge zu schaffen, verbindet ein Vorhaben der Central Intelligence Agency (CIA) Iran durch einen Bombenanschlag in Londons Innenstadt ins Visier weltöffentlicher Aufmerksamkeit und Verachtung zu katapultieren, um militärische Interventionsoperationen moralisch zu „erden“. Für diese Aktion sollen angeheuerte Bombenbastler gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland verstecktes und bombenfähiges, also angereichertes Uran nutzen. Das Versteck kannte neben Rolf Narva noch dessen Frau Ingrid, aber auch Rolf’s Ex-Geliebte, die offensichtlich verwirrte Katharina. Von all dem weiß Erik freilich lange nichts.

Als wäre nicht alles schon unerträglich und für seine bislang angenommene Biographie verstörend genug, verschärft sich für Erik die Situation, als er selbst ins Visier von Verbrechern oder Terroristen oder beidem gerät. Offenbar gibt es nur noch Feinde, kein Freund. Doch selbst im ohnehin fulminanten Ende offenbart sich in der Vielfalt der Enthüllungen und Geschehnisse eine weitere unerwartete und doch glaubhafte Wendung.

Die akribisch recherchierten Fakten und Daten verwebt der Finne so stimmig und absolut glaubhaft mit seinem fiktiven Plot, dass das Ergebnis geradezu dokumentarisch wirkt. Seine Figuren zeichnet er als detailreiche Charaktere, deren Gedanken, Empfindungen und Handlungen stets nachvollziehbar präsent und verständlich erscheinen. Ilkka Remes, der im wirklichen Leben Petri Pykälä heißt, legt mit seinem nun schon sechsten in Deutschland erschienen Band – wieder einmal - unübertroffene Thriller-Literatur vor.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© April 2008 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Die Geiseln"

Atemraubende Geiselnahme der gesamten Landeselite


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Schon nach wenigen Zeilen ist man gefangen von der Geschichte – so fix und so tief zieht selten ein Buch in den Bann, wie ein Thriller des finnischen Erfolgsautors Ilkka Remes.

Der vom Internationalen Gerichtshof im niederländischen Den Haag wegen Kriegsverbrechen verurteilte Serbe Oberst Jankovic verbüßt seine gerechte Strafe in Finnland. Doch die wenigen verbliebenen Angehörigen – seine beiden in Schweden beziehungsweise Finnland studierenden Söhne Radovan (der ältere) und Vasa (der jüngere) akzeptieren die Folgen des Balkankrieges und die in ihren Augen unrechtmäßige Verurteilung ihres geradezu angebeteten und von Vielen verehrten Vaters keineswegs. Ihr Hass auf die NATO, welche Ihrer Ansicht nach unrechtmäßig einen Krieg gegen ihr Land führten, ist unüberwindbar. Sie sinnen auf Rache und Vergeltung. Sie planen und vollziehen eine Geiselnahme der schwangeren Frau eines Gefängnisbediensteten und erpressen auf diese Weise die Freilassung des Verurteilten.

Als die Entführer bei der Übergabe eines neuen Fahrzeugs unter Beschuss durch die Sondereinsatzkräfte der Polizei geraten und Radovic dabei tödlich verletzt und der Oberst erneut gefangen genommen wird, keimt bei dem vom Vater meistens herablassend geschmähte Vasa der Vorsatz der weitreichenderen Vergeltung heran. Neben einigen kleineren Raubüberfallen, allesamt mit seiner kriminellen Crew vollzogen, will Vasa endgültig für seine unbeschwerte Zukunft, aber auch für die Rehabilitation seines Vaters sorgen.

Am Unabhängigkeitstag Finnlands überfallen er und ein kleiner Kreis hochgefährlicher und bis an die Zähne bewaffnete Kumpane die Feierlichkeiten im Präsidentenpalast, nehmen hunderte hochrangiger Regierungs- und Wirtschaftsleute als Geiseln. Gleichzeitig werden an anderer Stelle wichtige Rohstoffe zur Herstellung von Medikamenten gegen die sich rapide ausbreitende Vogelgrippe gestohlen und damit horrende Diamantenmengen als Auslöse gefordert. Eine hohe Belastung für alle außerhalb des Palastes verbliebenen – weil nicht geladen und zur zweiten Garnitur gehörenden – Sicherheitskräfte und Verantwortlichen des Landes.

Der atemberaubende Plot begeistert, reiht sich doch schlüssig und nie aufgesetzt ein Ereignis an das Andere, erzählt Ilkka Remes (im wirklichen Leben Petri Pykälä) miteinander verwoben die beiden Verbrechensabläufe und schafft es zudem wieder die handelnden Personen, neben dem Anführer der Entführergruppe Vasa auch die aus vorherigen Thrillern schon bekannte Johanna Vahtera sowie Timo Nortamo lebendig und glaubhaft Gestalt annehmen zu lassen. Es ist, als kenne man sie persönlich und so fiebert man voller Anspannung und aufgeregter Sorge bis zum überraschenden Ende der phantastischen und doch so realitätsnahen Geschichte entgegen. Auch der nun schon fünfte Remes gehört erneut zu den absoluten Thriller-Favoriten.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Dezember 2007 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Blutglocke"

Macht Medienmacht Machtphantasien?


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Es ist “nur” ein Roman, der teilweise die unglaublichen Machtvisionen des unter dem gewaltsamen Tod seiner Mutter und dem Tod seines Vaters, dem Mafiaboss Eduard Garnow leidenden Protagonisten erzählt. So kann man trotz der skurrilen und fiktiven Herrscherfantasie des Hauptübeltäters Rem Granow dennoch anhaltend spannend die Entwicklungen der Geschichte verfolgen.

Vielleicht liest sie sich so leicht, weil Ilka Remes wieder einmal durchaus bekannte Klischees verbrecherischen Handelns bedient. Trotzdem schafft er genug Neues, beschreibt wohl recherchiert technische und biochemische Gegebenheiten und sorgt für atemloses Staunen über die vielschichtigen Zusammenhänge des europäischer Gaunerorganisationen.

Immerhin denkbar und im Bereich des Möglichen ist der geradezu perfide wie geniale Plan Granows, die Medien zu nutzen, um durch Massenhysterie und Beeinflussung die Bürgerinnen und Bürger eines ganzen Landes das wünschen und die Handlungen vollziehen zu lassen, die er sich zur Verwirklichung seiner wahnhaften Idee vorher akribisch erdacht und zurecht legte.

Gleich zu Beginn erschaudert es einen, da der Deutsche Außenminister ermordet wird, nachdem zuvor dessen Sohn entführt wurde. Klein – so der treffend gewählte Name – war mitverantwortlich für den versehentlichen Erschießungstod Granow’s Mutter. So erhält der Roman von Anfang an seine realistische Atmosphäre und Lesernähe. Auch der Buchtitel erhält schon auf den ersten Seiten seine Erklärung, als der machtverrückte Granow eigens zur Beerdigung seiner Mutter eine Glocke nach überkommenem Brauch anfertigt.

Die aus früheren Romanen Remes’ bekannte Kommissarin Johanna Vahtera wird in den Mordfall eingeschaltet und damit auch in die Verfolgung der kruden Schmuggel- und Bedrohungsmachenschaften, die sich zwischen russischen, finnischen und deutschen Verbrechern und Mitläufern entwickeln. Ein Ex-KGB- Mann, der – wie so Viele -unerkannt im neuen politischen System des wiedervereinigten Deutschland unterkam, soll der neue Bundeskanzler “unter” Rem Granow werden. Völlig abgedrehter Gedanke, der nur durch die Autorenlogik und –kraft Remes vorstellbar wird.

Weitere Handlungsstränge lassen den Plot ziemlich ausufern, erzeugen andererseits für neue Spannung. Aber sie machen die Handlung unübersichtlich und werfen zudem Fragen auf, die jedwege Zusammenhänge vermissen lassen. Lediglich als Character unterstreichende Beigabe sind sie zu akzeptieren.

“Blutglocke” ist dennoch wieder ein Thriller der besseren Klasse, wenngleich ein wenig von dem Gefühl getrübt, dass der Autor dieses Mal irgendwie zu viel hineinpacken wollte.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Juli 2007 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Höllensturz"

Sensationeller Schriftrollenfund mögliche Ursache für Serienmorde


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Ilkka Remes (im wirklichen Leben Petri Pykälä) gehört inzwischen zu meinen Lieblingsautoren anspruchsvoller skandinavischer Thriller. Schon bei seinem ersten Auftritt in Deutsch (Ewige Nacht) war ihm eine eindrucksvolle Zukunft prophezeit worden.

Sein nun dritter Roman um die Morde an drei so genannten "Laestadianerinnen", Angehörige einer eng und streng geführten religiösen Sektierergemeinschaft, die Jagd nach einer geheimnisvollen und von mehreren Geheimdiensten und gewalttätigen Interessensgruppen begehrte Aluminiumrolle mit brisantem Inhalt sowie die brutale Entführung einer jungen Wissenschaftlerin bestätigt alle Vorhersagen seines Erfolgs. In dem abgelegenen finnischen Städtchen Pudasjärvi werden kurz hintereinander drei Frauen ermordet. Schnell liegt die Vermutung nahe, der erste Serienmörder der Geschichte dieser Region hat sein Debüt gegeben und die Indizien weisen möglicherweise auf eine religiös motivierte Tat hin, denn allen Dreien wurde ein Kreuzanhänger vom Hals gerissen. Verdächtige sind ebenfalls schnell gefunden und so könnte man darauf warten, dass die eigens ins hohe Hinterland beorderte Profilerin Johanna Vahtera nur noch ein paar Zusammenhänge verknüpfen muss und dann den Täter festnimmt.

Doch es entfalten sich im Verlauf der spannenden und schnörkellos verfassten Geschichte Verknüpfungen zum Internationalen Terrorismus, dem israelischen Geheimdienst und zu dubiosen Gestalten vor Ort, wie zum Beispiel den Besitzer eines libanesischen Restaurants, dessen Bruder ein Terrorist war. Da wird die mit den drei toten Frauen befreundete Bibelforscherin Saara Vuroio während einer Forschungsreise im Irak entführt und ihr Ehemann Karri versteht die Welt nicht mehr. Seine Nachforschungen ergeben nichts Konkretes und vage Andeutungen verunsichern ihn eher, als dass es ihm wirklich hilft.

Als er entdeckt, dass auch eine Menge Geld von seinem Konto abgehoben wurde, macht er sich auf eigene Faust auf, Geld für zu erwartende Lösegeldforderungen aufzutreiben, da die Regierungsmaßnahmen zur Rettung seiner Frau mehr als kläglich scheinen. Die ihm von einem Israeli angebotene Unterstützung nimmt er zunächst kritiklos an, lässt ihn gleichzeitig jedoch wachsam den weiteren Verlauf des Geschehens verfolgen.

Schließlich macht er sich in den Nahen Osten auf, wohlwissend, dass seine Jagd nach den Entführern hochgradig gefährlich ist und möglicherweise erfolglos sein könnte. Begleitet wird er von dem erst spät in der Geschichte auftauchenden, aus den beiden vorherigen Thrillern schon bekannte TERA-Special-Agent Timo Nortamo.

Wie bisher in jedem seiner Romane gelingt es dem fantasiereichen Autor hervorragend Fiktion und reale Erfahrungs- und Wissenshintergründe und politische Ereignisse miteinander zu einem absolut glaubwürdigen Plot zu verweben. Man nimmt dem Erzähler letztlich alles ab, so unwidersprüchlich und nachvollziehbar beschreibt er die unterschiedlichen Ebenen, Schauplätze, Personen und Geschehnisse.

Die ungewöhnliche Verquickung individueller Befindlichkeiten, kleinkrimineller Vertuschungsenergie, krude und wirre Fantasien fehlgeleiteter islamistischer Terroristen und die immer wieder geheimnisvoll-mystische Vorstellung neuer und die Festen der Kirche erschütternde Schriften und Aufzeichnungen aus der Zeit Jesu sorgen für atemloses Lesevergnügen bis zu den letzten Zeilen. Wieder ein Spitzenthriller aus dem Bildungsspitzenreiterfinnland.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Dezember 2006 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Das Hiroshima Tor"

Genetischer Code der Urzeit ruft die Geheimdienste der Welt auf den Plan


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Schnell ist man drin in der Geschichte, die irgendwie ungewöhnlich und doch fulminant beginnt: eine Frau springt einer von einer Brücke aus in den die französische Metropole durchfließenden Wasserlauf geworfenen Tasche hinterher. Interesse hat sie jedoch weniger an der Tasche, als an der darin befindlichen Diskette und den darauf gespeicherten brisanten Bits and Bytes. Als sie auftaucht ist sie tot; allerdings: nicht ertrunken sondern mit unter Wasser durchschnittener Kehle.

Der etwas vom Leben durcheinander gewirbelte, doch prinzipiell sympathische Ermittler einer europäischen Sondereinheit für Sicherheit Timo Nortamo schlittert gewissermaßen ungefragt in das Geschehen um die geheimnisvolle Jagd nach der Diskette hinein. Der Inhalt der Diskette - das recherchiert er relativ fix - würde ein mittleres bis großes "politisches Beben" auslösen. Das zu verhindern ist Auftrag der Geheimdienste Chinas und Amerikas, die eiskalt über Leichen gehen, sobald sie die Chance sehen, den Datenträger in ihren Besitz zu bekommen.

Nortamo entdeckte schnell, dass auch ein Schutzkokon um die finnische Präsidentin gezogen wird, er verliert deshalb sogar seinen Arbeitsplatz, denn offensichtlich soll von allen Seiten verhindert werden, dass die Informationen auf der Diskette an die Öffentlichkeit gelangen. Das würde schwer wiegende Konsequenzen für das politische Konstrukt der Welt haben.

Der beruflich, aber auch privat neugierige - eher wissbegierige - Finne gerät immer tiefer in die Mühlen der Geschehnisse, obwohl er sich offiziell mehr denn je heraus halten soll und das auch immer wieder verschiedenerseits zu spüren bekommt und daher besondere Vorkehrungen zur Sicherheit seiner - im Bröckeln befindlichen - Familie zu treffen. Seinen Sohn kann er in großmütterliche Sicherheit geben, seine Frau- Mitarbeiterin bei CERN - hingegen wird ungewollt und ahnungslos Opfer der Geschehnisse.

Auch wenn nicht sofort klar wird, was die Atomkraftgegnerin und frühere Studienkollegin seiner Frau mit den Anschlägen auf ein Atomkraftwerk, mittelalterliche geologische Karten mit der DNS des ausgestorbenen Fisches und die teilweise gewalttätigen Aktionen der Geheimdienste miteinander zu tun haben, lässt einen der Plot nicht los. Die durchaus im Bereich des Möglichen liegenden Erklärungsmodelle lassen einen staunend darüber nachsinnen, wie viel Wahres darin liegen könnte, wenngleich das meiste der Phantasie des Autors entspringt. Vieles liest man ahnungs- aber atemlos in einer sich geradezu ansteigenden Rasanz, um sich schließlich den aufklärenden "Reim" auf das alles in den letzten Abschnitten des Thrillers von Ilkka Remes machen zu lassen.

Dem finnischen Real-Thriller-Autor ist eine ausgezeichnet unterhaltende, aber durchaus auch werthinterfragende Geschichte gelungen, die sich aus dem Genre erhebt und ansatzweise wissenschafts- und politikkritische Fragen stellt und in gewisser Weise auch gleich Werte setzend beantwortet. Ein vom Autor gewollter "Mehrwert" eines ohnehin schon makellosen Werkes.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© Mai 2006 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de

Ilkka Remes "Ewige Nacht"

Fehlgeleitete Globalisierungskritik bedroht die Menschheit


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Eine wilde und hochbrisante, weil durchaus realistisch anmutende Geschichte, die hier der finnische Bestseller-Autor abliefert. Ausgehend von den unsäglichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen aufgeheizten Demonstranten und unnachgiebig harten und aufgeputschten Polizisten während des G8-Gipfels der Wirtschaftsmächte entfaltet sich ein Wettlauf um das Überleben der Menschheit. So gewaltig, wie sich das anhört, ist es auch. Ein Banküberfall zu Beginn ist da nur ein kleiner Nebenschauplatz. Der deutsche ehemalige Molekularbiologe und Sohn einer ehemaligen RAF-Aktivistin, Ralf Denk, verfügt über ausreichend Kongo-Erfahrung. Er hat viele leidvolle Erfahrungen gemacht und kennt auch die kolonialen Verbrechen des 19. Jahrhundert samt ihren wirtschaftlichen und kulturellen Folgen bis ins Heute. Als kritischer Politaktivist versteigt er sich in eine abstruse und für die Erdbevölkerung endgültige Widerstands- und Racheidee.

Dazu stiehlt er in einem abenteuerlichen Coup mit Todesfolgen für zwei Menschen einen russischen Atomsprengkopf. Mittels mutierter und im Labor manipulierter Ebola-Virenstämme soll die Bombe in einer kongolesischen geologisch günstig gelegenen Erdhöhle als biologische Vernichtungs- und Gerechtigkeitswaffe verwendet werden.

In einem atemberaubenden Tempo lässt einen der Autor an verschiedenen Erlebenssträngen teilhaben. So lebt man die problematische Beziehung zwischen einem der Hauptverfolger des fanatisierten Verbrechers, Timo Nortamo von der in Brüssel angesiedelten internationalen EU-Antiterrorbekämpfungsorganisation TERA und seinem Sohn Aaro samt Betäubung der Beiden durch die Terroristen auf der Fähre mit, bekommt Einblick in die Gedankenwelt der anfangs aktiven Mitläuferin, später eher kritischen Austeigewilligen Noora Uusitalo aus Finnland und erlebt fast beiläufig ein aggressives und rücksichtsloses Viren-Attentat auf den Papst. Daneben erfährt man auch noch von drastischen Vorgängen der Kolonialisierung, die zur vertiefenden Information in Fachbüchern nachzulesen es sicher wert wären. Der Autor schafft es schnörkellos mitreißend die wilde Jagd durch zwei Kontinente und hält bis zum "Grande Finale" die pochende Spannung hoch.

Ein ausgezeichneter Thriller des hierzulande mit "Ewige Nacht" erstmals in Erscheinung tretenden Remes, von dem es ganz sicher demnächst mehr auf Deutsch zu lesen geben wird. So einen Autor kann man den Krimi- und Thrillerfreundinnen und -freunden nicht länger vorenthalten.

Vielen Dank an Uli Geißler, Freier Journalist und Autor aus Fürth / Bayern
© April 2006 Redaktionsbüro Geißler für das Literaturportal schwedenkrimi.de
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