Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
Hier können Sie Probelesen in einem Buch der Autorin Unni Lindell.
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Gebundene Ausgabe
250 Seiten
Scherz Verlag
Erscheinungsdatum:
26. Mai 2004
ISBN: 3502104131
Orginaltitel:
"Nattsosteren"
Übersetzung:
Gabriele Haefs

Kurzbeschreibung

Ein junges Mädchen verschwindet spurlos in der Nacht. Eine Autofahrerin hat sie als Letzte gesehen, als das Mädchen mit seinem Rucksack am Eingang des Oslofjordtunnels stand. Einige Tage später wird ihre Großmutter in einer Osloer Gartenstadt ermordet. Gibt es einen Zusammenhang? Wenn Cato Isaksen ermittelt, gestaltet sich die Spurensuche wie ein Puzzlespiel: Jedes Detail ist wichtig, jede noch so kleine Begebenheit wird akribisch begutachtet und bewertet. Nicht nur die Ermittlungen, sondern auch das Privatleben von Cato Isaksen gleichen einem Puzzle. Auch hier werden ständig einzelne Bausteine verändert, verschoben und wieder zusammegefügt. Können Kommissar Cato Isaksen und sein Team das Mädchen lebend finden? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

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Leseprobe

Acht Minuten nach Mitternacht, Dienstag, der 20. Februar.

Die Frau wühlte im Handschuhfach nach Geld für die Straßenmaut. Zugleich konzentrierte sie sich darauf, den Wagen auf der Straße zu halten. In der Stereoanlage sang Chris Rea mit heiserer Stimme seinen „Winter Song". Die Frau fand Geld, knallte die Klappe wieder zu und schob sich den Fünfziger zwischen die Oberschenkel. Dann legte sie wieder beide Hände aufs Lenkrad.
Die Busnische tauchte kurz vor dem Verteilerkreis auf. Die Autoscheinwerfer zerteilten die Dunkelheit und färbten das graue Wartehäuschen für einige Sekunden lang gelb, dann schweiften sie wieder über den Schneematsch und den dunklen Asphalt, ehe sie plötzlich ein junges Mädchen anstrahlten. Das Bild dieses Mädchen, das sich auf zwei Krücken lehnte, war überraschend. Sie mochte zwölf oder dreizehn sein. Vielleicht auch vierzehn. Die Frau schaute auf die Uhr. Es war acht Minuten nach Mitternacht. Das Mädchen hatte halblange blonde Haare. Sie trug einen beigen Dufflecoat und eine dunkle Hose. Die Autoscheinwerfer hielten ihr Bild einige Sekunden lang fest, und die Frau im Wagen konnte noch registrieren, das s das Mädchen am einen Fuß einen schwarzen Snowjogg-Stiefel mit dicker, schwerer Sohle und am anderen einen Gipsverband trug. Sie stützte sich auf die Krücken. Sie hatte das Gesicht halb abgewendet. Das Bild hafte etwas Beunruhigendes. Junge Mädchen sollten nachts nicht in einsamen Busnischen vor Tunneleingängen herumstehen.
Die Frau fuhr auf den Verteilerkreis und bog in Richtung der dunklen Öffnung ab. Sie wollte den langen Tunnel durchqueren, der unter dem Fjord auf das andere Ufer führte, zur Halbinsel Hurum.
Es war der 20. Februar. Es war ein Grad unter Null, in der Luft hing ein leichter Nieselregen.

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Leseprobe

Er war eben erst eingeschlafen, als er vom Telefon geweckt wurde. Hauptkommissar Cato Isaksen fuhr hoch. Als erstes ging ihm auf, dass er vergessen hatte, die Nachttischlampe auszuknipsen. Die Kriminalzeitschrift war neben das Bett geglitten und hatte sich bei einem Artikel aufgeschlagen, in dem es um ihn selbst ging.
Er griff zum Mobiltelefon, drückte auf Antworten und räusperte sich zweimal, ehe er etwas sagte. Am anderen Ende der Leitung hörte er Roger Høibakk, mit dem er nun schon seit Jahren zusammen arbeitete.
„Ältere Frau in Ullevål Hageby erschossen", sagte Roger kurz. „Du hast doch wohl noch nicht geschlafen?"
Cato Isaksen warf einen Blick auf den Wecker. Der zeigte 23.16. Es war noch immer Mittwoch, der 7. März.
„Nein", sagte er kurz und fuhr sich über die Augen. Dieses eine Mal war er früh zu Bett gegangen. Bente hatte Nachtdienst im Pflegeheim. Die Geräusche von unten verrieten ihm, dass Vetle noch immer vor dem Femseher saß.
Roger Høibakk wusste nicht viel über diesen neuen Todesfall.
„Die Meldung ist eben erst eingelaufen", sagte er. „Wir sind unterwegs zum Fundort. Wann kannst du da sein?"
„In fünfundzwanzig Minuten", sagte Cato Isaksen. Er schlug die Decke zur Seite und setzte sich auf. Sein Blick fiel auf den roten Kater, der sich im Bett ausgestreckt hatte und sich jetzt an Fußende zusammenrollte.
Cato Isaksen hatte die Vorhänge nicht geschlossen. In der Fensterscheibe sah er sein weißes, scharf geschnittenes Gesicht. Er sah einen müden Siebenundvierzigjährigen mit schütteren blonden Haaren. Seine Augen im Glasbild glichen schwarzen Löchern. Nach einem Herbst mit fast nur Regen, auf den ein kalter, schneereicher Winter gefolgt war, blieb ihm nicht mehr viel Energie. Er rief seinem Sohn gereizt zu, der Junge solle machen, dass er ins Bett komme.
„Du musst morgen in die Schule."
Er zog sich an und begegnete seinem Sohn mitten auf der Treppe.
„Ich hab es so satt, dass du nicht selber auf die Uhr schaust", sagte er wütend. Der Sohn zuckte gleichgültig mit den Schultern.
Cato Isaksen schnappte sich seine Wagenschlüssel. Dann lief er rasch in die Küche und trank einige große Schlucke Leitungswasser, ehe er in die kühle Nachtluft hinaustrat.
Auf dem Weg zum Auto, das am Ende der Garagenanlage stand, drehte er sich kurz um und warf einen Blick auf die dicht an dicht liegenden Reihenhäuser. Eigentlich wäre er gern umgezogen, hätte sich ein Einfamilienhaus zugelegt. Aber dazu wäre es jetzt vielleicht schon zu spät, die Söhne waren schließlich siebzehn und zwanzig Jahre alt. Der Jüngste, Georg, war die meiste Zeit bei seiner Mutter. Cato Isaksen zog seine Jacke fester zu. Die Märzluft brachte einen eisigen Hauch mit. Er fror durch den Jackenstoff. Der Frühling hatte es in diesem Jahr wirklich nicht eilig.
Ullevål Hageby war bekannt wegen seiner englischen Steinhäuser mit alten Dachziegeln und kleinen Gartenparzellen. Es war ein ganz besonderer Baustil, und in den letzten Jahren war die Gegend sehr beliebt und sehr teuer geworden.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Als Cato Isaksen in die John Colletts alle abbog, sah er schon aus der Ferne das Blinklicht der Streifenwagen und die Menge der Neugierigen.
Der Mordermittler hielt halbwegs auf dem Bürgersteig. Er schaute sich um und ging dann aufseine fröstelnden Kollegen zu. In den kleinen Steinhäusern brannte hinter vielen Fenstern Licht.
Eine Schar von zehn bis fünfzehn Neugierigen stand hinter der Polizeiabsperrung und unterhielt sich leise miteinander. Ihre weißen Gesichter leuchteten im Schein der Lampen, die die Polizei aufgestellt hatte. Die roten und weißen Bänder schwangen im Wind langsam hin und her. Die Zuschauer musterten die Polizei und den Arzt, der zum Tatort gerufen worden war. Die gesamte Maschinerie war bereits in Gang gesetzt. Uniformierte aus der Ordnungsabteilung sprachen mit den Anwesenden und notierten alles, was vielleicht wichtig sein könnte. Danach forderten sie die Menge auf, sich zurückzuziehen.
Cato Isaksen begrüßte kurz die Kollegen von der Technik. Er hielt Ausschau nach Ellen Grue, konnte sie aber nirgendwo entdecken. Die Polizei notierte die Nummern der in der Straße abgestellten Wagen und fotografierte die Umgebung.
Das Opfer, eine alte Dame, lag auf der Seite. Ihr einer Arm war auf seltsame Weise nach hinten gebogen, so, als sei er aus Gummi. Ihre Augen waren geschlossen. Die grauen Haare waren nach vom gerutscht und bedeckten große Teile ihres Gesichts. Cato Isaksen betrachtete den Mund mit den verkniffenen, bleichen Lippen. Der helle Frühlingsmantel wies auf dem Rücken einen großen dunklen Blutfleck auf. Das Blut war weitergeströmt und bildete jetzt auf dem Asphalt eine kleine Lache. Die Frau hatte im Sturz einen soliden Laufschuh verloren. Dem Fahnder fiel auf, dass ihre dicken braunen
Strümpfe an der Ferse gestopft waren. Noch immer durchfuhr es ihn eiskalt beim Anblick des Todes. Er konnte sich an einzelne ausdruckslose Totenmasken aus viele Jahre zurückliegenden Fällen erinnern. Er blieb stehen und musterte den Leichnam. Eine armselige alte Frau. Ihre Tasche lag einen Meter von ihr entfernt. Sie war noch immer geschlossen.
Roger Høibakk kam zu ihm herüber. Er nickte kurz.
„Jetzt geht das wieder los", sagte er.
Cato Isaksen nickte ebenfalls.
„Wer ist sie?"
„Brenda Elise Moen, fünfundsiebzig. Sie hat gleich hier in der Straße gewohnt, in Nummer 51."
Roger Høibakk zog seine Handschuhe besser zurecht. Er reichte Cato Isaksen einen Bibliotheksausweis.
„Ihre Tasche kommt mir ganz unberührt vor. Das hier hab ich aus ihrer Brieftasche gefischt."
Cato Isaksen nahm den Ausweis entgegen, sah ihn aber nicht an.
„Das war jedenfalls kein Handtaschenräuber." Roger Høibakk nickte zu der schwarzen Tasche hinüber.
Cato Isaksen dachte, es sei ja wohl übertrieben gewesen, eine alte Dame zu erschießen, um ihre Brieftasche an sich zu bringen. Aber geschossen wurde in dieser Stadt nun wirklich oft genug. In der Regel waren es Banden aus den verschiedenen Zuwandererszenen, die aneinander gerieten. Drogensüchtige, Türsteher und Frauen mit eifersüchtigem Ehemann oder Liebhaber standen ebenfalls oben auf der Liste der Opfer solcher Schießereien. Aber nicht alte Damen mit soliden Schuhen und gestopften Strümpfen.

Danke an den Scherz Verlag für die Veröffentlichungserlaubnis.
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