Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Höllenengel" von Þráinn Bertelsson

Irgendwo im Nebel wohnt die Sucht
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"Ich weiß, dass die Wahrheit normalerweise so unglaublich ist, dass die Menschen lieber die Lüge glauben. Ich könnte euch eine wahre Geschichte erzählen, die so unwahrscheinlich ist, dass ihr sie nicht glauben würdet. Was keine Rolle spielt. Die Geschichte ist gleich wahr, ob sie jemand glaubt oder nicht."

Diese Sätze fallen am Ende des neuen Kriminalromans "Höllenengel" von Þráínn  Bertelsson. Der Roman, der im isländischen Original den Titel "Englar dauðans" trägt, bildet den Abschluß einer Trilogie, die, laut Bertelsson, satirische Kriminalromane über die isländische Gesellschaft während des Jahrtausendwechsels und dem Beginn des neuen Milleniums sind. Die Kriminalromane beinhalten die drei gefährlichsten Mißstände unserer modernen Gesellschaft: den Mißbrauch der Macht durch skrupellose Geschäftsleute, schäbige Politiker und natürlich Drogen, welche die westliche Welt aus fernen Ländern importiert. Die Geschichte in diesem Buch ist blutig, archaisch und sehr düster.

  Þráinn Bertelsson bei schwedenkrimi.de
Biografie
Autoreninterview 2010
Autoreninterview 2008
Buchvorstellung
Rezensionen
Víkingur Gunnarsson, Polizeidirektor im Großraum Reykjavik, und Þórhildur Magnúsdóttir, Gerichtsmedizinerin und seine Ehefrau befinden sich in Holland. Im Rotterdamer Hafen wurde ein männlicher Leichnam, dem Kopf, Hände und Füße fehlen, gefunden. Der Torso ist verpackt in einer Reisetasche. An der Leiche wurden Zeitungsreste entdeckt, die aus Island stammen. Als Þórhildur erfuhr, dass möglicherweise eine Verbindung zu einer weiteren männlichen Leiche bestehen könnte, die auf dem internationalen Flughafen Schiphol aufbewahrt wurde, beschloss sie, nach Holland zu reisen. Denn ihr Sohn Magnús war seit Wochen verschwunden. Sein letztes Lebenszeichen kam aus Holland. Víkingur begleitet seine Frau, obwohl er nicht überzeugt ist, unter den Toten seinen Stiefsohn zu finden.

Zur gleichen Zeit stürmt eine Gruppe von drei Männern ein geheimes Drogenlabor in Estland und richtet ein Blutbad an. Das Amphetaminlabor wird niedergebrannt. Die Polizei findet auf dem Gelände sieben Leichen. Noch während Víkingur und Þórhildur in Holland sind, wird die isländische Polizei zum Þingvallavatn gerufen. Dort wurden, in einem Sommerhaus drei übel zugerichtete Leichen gefunden. Víkingur und Þórhildur reisen sofort nach Island zurück. Während der polizeilichen Ermittlungen stellt sich heraus, dass alle drei Fälle zusammen hängen. Bei allen Leichen wurden merkwürdige Zeichen, die alten Runen ähneln, gefunden. Hinter dem Amphetaminlabor stehen isländische Geldgeber und die drei Toten sind polizeibekannte isländische Kriminelle.

Die isländischen Kriminalbeamten und Víkingur versuchen, die Fäden in diesen Fällen zu entwirren. Wobei Víkingur durch seine privaten Sorgen nur halbherzig an dem Fall mitarbeitet. Während er selbst depressiv und von Tabletten abhängig ist, bricht bei seiner Frau der Alkoholismus wieder aus. Bedingt durch Selbstvorwürfe wegen ihres Sohnes Magnus, beginnt sie in Holland wieder zu trinken. Sie hatte immer das Gefühl, ihm etwas schuldig zu sein. Víkingur versucht alles, sie wieder davon abzubringen. Aber als sein Stiefsohn in einem Hotel in Reykjavik tot aufgefunden wird, bricht Þórhildur zusammen. Sie nimmt Tabletten und fällt ins Koma, aus dem sie nicht wieder erwacht und wenig später stirbt. Víkingur hatte seinen Kampf mit der Depression und ihre Entschlossenheit, nicht mehr zu trinken, immer gleichgesetzt. Aber er war auf Medikamente angewiesen, während sie über sich selbst bestimmen konnte. Sie konnte mit dem Alkohol aufhören, er konnte seine Medikamente nicht absetzten.

Víkingur, der Theologie studiert hatte, antwortete auf die Frage, ob er an die Sünde glauben würde, dass er nur noch an wenig glaube, darunter sei nicht die Sünde. Aber er möchte daran glauben, dass die Wahrheit die stärkste Kraft der Welt ist und dass wir alle tief in unserem Inneren wissen, was die Wahrheit ist. Wahrheit ist für ihn Liebe. Aber die Sucht ist stärker als die Liebe. Als er dies erfahren mußte war es zu spät. Er hatte schon keinen Zugang mehr zu seiner Frau und mußte sich die Frage stellen, wie zwei Menschen, die einander lieben, so ungeheuer einsam sein können. Am Schluß fühlte er nur noch eine tiefsitzende Verlorenheit.Das Thema von "Höllenengel" sind Drogen. Drogenmißbrauch und der Handel damit und was die Sucht, jede Sucht, mit den Menschen anstellt. Ein Thema, das nicht nur auf Island beschränkt ist. Viele Familien verzweifeln unter dem Leid, das durch eine Sucht verursacht wird, sei es Drogenabhängigkeit oder Alkoholsucht. Es gibt keinen Flecken auf dieser Erde, wo man davor sicher ist. Auch auf einer Insel wie Island nicht. Und die Gesellschaft? Einer Gesellschaft, die im Zerfallen begriffen ist, hervorgerufen durch eine Verschiebung der Werte. Familie, Freiheit, der Erhalt der Natur wird zerstört zu Gunsten eines Reichtums durch Ausbeutung. Was kann man von so einer Gesellschaft erwarten. Dass sie die Kinder und Jugendlichen schützt? Oder hat die Gesellschaft schon aufgegeben. Diesen Kampf gegen die Drogen, die Kartelle und allen, die dabei Geld verdienen. Ob es nun legale oder illegalen Drogen sind. Kann man den Kampf, die Rache oder das Gesetz in die eigenen Hände nehmen? Rache nehmen, nach dem alten biblischen Spruch "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Fragen, die dieser düstere Roman unter anderem stellt.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
© Dezember 2010 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Walküren" von Þráinn Bertelsson

„Walküren“ – (K)ein Island-Krimi
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„Walküren“ mag auf Island spielen, doch beschäftigt sich der Autor mit einer gesellschaftlichen Entwicklung, die auch hierzulande zu beobachten ist
Thráinn Bertelsson zeigt anhand des Mikrokosmos’ der isländischen Gesellschaft, wie Demokratie und Freiheit tagtäglich in den Schaltstellen der Macht in Politik und Staat untergraben und wie Menschen- und Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Die Krimihandlung dient ihm dabei dazu, diese Phänomene transparent und international zugänglich zu machen.

Es deutet sich im Titel und in den den einzelnen größeren Abschnitten vorangestellten Zitaten an, dass es Thráinn Bertelsson in seinem Kriminalroman „Walküren“ um mehr als um bloße Krimiunterhaltung geht, doch schreibt er sich erst ganz allmählich in Rage, nimmt seinen Leser behutsam mit und führt ihn langsam, fast so, dass man es kaum bemerkt, zu seinen eigentlichen Themen: dem Machtmissbrauch der (isländischen) Politikerkaste, die schleichende Militarisierung einer an und für sich friedlichen Außen- und Militärpolitik sowie der Gewalt gegen Frauen. Bertelssons große Stärke liegt dabei darin, dass er nicht in den verbitterten Tonfall von Altfeministinnen, nicht in den ideologieverblendeten von Friedensaktivisten verfällt, sondern sowohl harte, klare Worte findet als auch die satirische Spielart beherrscht, sodass das Lesevergnügen vor lauter bedeutungsschwerer Themen nicht zu kurz kommt.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

Wie vielfältig sich die Gewalt gegen Frauen ausnimmt, illustriert Bertelsson zum einen durch den Mord an der Frauenrechtlerin, Journalistin und Autorin Freyja Hilmarsdóttir, zum anderen in einer Parallelhandlung, die nur zu Beginn scheinbar nichts mit dem eigentlichen Krimiplot zu tun, in der Sveinbjörn Ragnarsson die Polizei zum Narren hält, indem er immer wirrer werdende Geschichten über das Verschwinden seiner Frau erzählt, die er unzweifelhaft ermordet hat, sowie in den Eheproblemen, die Guðrún Sólveig Hallsdóttir aus der technischen Abteilung der Polizei hat. Zumeist sind die Frauen, auch in der isländischen Gesellschaft, noch die Opfer, doch nicht nur. Guðrún wird zwar von ihrem Mann betrogen, doch ist es in der Folge sie, die das Heft in die Hand nimmt und agiert statt nur zu reagieren oder stumm zu dulden und zu leiden.

Das weibliche Alphatier

Mit Landespolizeichefin Elín Óskarsdóttir zeichnet Bertelsson ein äußerst ambivalentes Frauenbild. Sie hat mit ihrem Posten innerhalb der männlichen dominierten Polizeisphäre eine Machtposition erlangt. Ihre Gegner werfen ihr vor, nur deshalb Landespolizeichefin geworden zu sein, weil sie die Nichte des Parlamentarischen Geschäftsführers der Demokratischen Partei ist, „den manche für den mächtigsten Mann Islands hielten.“ (Thráinn Bertelsson, Walküren, dtv München, 2008: S. 161) Sie selbst hält sich natürlich für die „qualifizierteste Bewerberin“ (ebd.). Der Leser muss selbst entscheiden, wem er mehr Glauben schenkt. Es stellt sich aber im Verlauf der Geschichte heraus, dass Elín nicht weniger machtbewusst und intrigant ist als ihre männlichen Kollegen – die einzige Möglichkeit, in einer Männerwelt Karriere zu machen? Jedenfalls zögert sie nicht, Informationen über den (legalen und privaten) Psychopharmakagebrauch von Kommissar Víkingur zu ihren Gunsten zu nutzen, um Chefin einer neu zu gründenden Sicherheitsabteilung zu werden. Víkingur lehnt diese Abteilung als „Geheimdienst ohne Gesetzesgrundlage“ (S.276) und antidemokratisch (vgl. ebd.) zwar ohnehin ab – zumal offen bleibt, „wer überwacht die Wächter?“ (S.277), doch wird ja anhand der als privat anzusehenden Informationen darüber, welche Medikamente der Kommissar einzunehmen hat, schon jetzt deutlich, wohin eine solche Überwachung, die von niemandem kontrolliert wird, führen kann.

Eine Gesellschaft am Rande des moralischen Verfalls

Ganz ohne moralische Zweifel hält Elín es außerdem für rechtens, dass sie einen Mitarbeiter ihrer Abteilung auf Freyja angesetzt hatte, weil das von Freyja verfasste Enthüllungsbuch darüber, wie alte, erfolgreiche, mächtige Männer sich ihrer Ehefrauen zugunsten jüngerer Frauen entledigen, besagtes „Walküren“, ihrer Ansicht nach Dinge enthält, „die die Staatsinteressen gefährden.“ (S.340) – Hier weiß der Leser längst, dass ihre ureigensten Interessen gefährdet sind und dass es Elín um nichts geringeres als – wenngleich modern durchgeführte – Zensur geht, „in einem Land, in dem Meinungs- und Pressefreiheit in der Verfassung verankert sind“ (S.340). Bertelsson zeigt die isländische Gesellschaft, die so stolz auf das älteste Parlament (der westlichen Hemisphäre nach Christi Geburt) ist und deren Fundament sich auf eine alte Gesetzgebung gründen, am Rande des moralischen Verfalls; als eine Gesellschaft, die längst nicht mehr demokratisch regiert wird, sondern in der es nur noch darum geht, „an den Spielregeln der Demokratie vorbeizulavieren“ (S.355) und eine Willkürherrschaft zu etablieren (vgl. ebd.).

Entlarvung sprachlicher Verharmlosungen

Mit dem Ex-Theologen und Kommissar Víkingur kreiert Bertelsson seinen Anti-Helden, der den Verfall durchaus wahrnimmt, doch immer noch an die tradierten Werte glaubt und aufrichtig und tapfer um deren Einhaltung und Verteidigung kämpft. So lässt Bertelsson Víkingur beispielsweise unmissverständlich feststellen, dass hinter der neuen Sicherheitsabteilung und der Tatsache, dass Island, das eigentlich keine Armee besitzt, seine jungen Männer nun zur militärischen Ausbildung nach Norwegen schickt, um den Frieden in Afghanistan an der Seite der USA zu sichern, dieselbe Denkweise steckt (vgl. S.275f), nämlich „(d)ie Denkweise, von der Notwendigkeit einer Friedenstruppe und einer Sicherheitsabteilung zu reden, wenn es eigentlich um eine bewaffnete Armee und einen Geheimdienst ohne Gesetzesgrundlage geht.“ (vgl. S. 276)

Die Demokratie wird ausgehöhlt – ein internationales Phänomen

In dem – bevölkerungsmäßig gesehen – kleinen Island, in dem jeder jeden kennt, sind solche von der politischen Kaste herbeigeführten Änderungen, die an den Fundamenten der isländischen Gesellschaft rühren, von existentieller Bedeutung für das Selbstverständnis dieser Gesellschaft, doch fällt es leicht, in einer globalisierten Welt, diese Problematik auf Deutschland und die Entsendung seiner „Friedenstruppen“ nach dem Zweiten Weltkrieg zu übertragen. Oder auf Ausweitung der Rechte der polizeilichen (Abhör-)Maßnahmen im Zuge der Anti-Terrordebatte. Das macht „Walküren“, wiewohl es auf den ersten Blick im isländischen Mikrokosmos spielt, über den Inselstaat am Rande Europas auch für ein breites Lesepublikum außerhalb Islands interessant – und vielleicht ungewollt führt Bertelsson uns damit vor Augen, wie abhängig und eng miteinander verbunden – im Guten wie im Schlechten – die verschiedenen internationalen Gesellschaften heute längst sind. Machtmissbrauch und euphemistische Umschreibungen, um Krieg im Namen einer „guten“ oder „gerechten“ Sache zu rechtfertigen sind ein globales Phänomen – gut, dass Bertelsson den Finger in die Wunde legt.


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
© September 2008 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Walküren" von Þráinn Bertelsson

Wer überwacht die Wächter?
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"Walküren, Totenwählerinnen, in der germanischen Mythologie im Dienste Wodans (Odins) stehende Jungfrauen, die in der Schlacht gefallenen Einherier (vortreffliche Streiter) küßten und auf ihren windschnellen Rossen nach Walhall in Asgard trugen, wo sie sich im täglichen Kampfe zur Unterstützung der Götter bei der Götterdämmerung übten. Die Einherier führten ein Leben in Üppigkeit. Ihnen wurden von den Walküren Speise und Trank gereicht."

Als Freyja Hilmarsdóttir tot in ihrem Auto in den roten Hügeln von Rauðhólar gefunden wird, deutet alles auf Selbstmord hin. Ein Schlauch führte vom Auspuff des Skoda ins Innere des Wagens. Den Spuren nach zu urteilen, hätte es gar nicht eindeutiger sein können. Eine Kohlendioxidvergiftung wie im Lehrbuch. Keine sichtbaren Verletzungen. Aber es gibt Merkwürdigkeiten. So findet man keinerlei Hinweise von der Toten selbst. Keine Fingerabdrücke auf dem Lenkrad, dem Schalthebel oder dem Armaturenbrett und auch nicht auf dem Türgriff. Und keine Fingerabdrücke auf dem Schlauch. Obwohl die Frau keine Handschuhe trug. Ein Abschiedsbrief fand sich auch nicht. Bei der Obduktion stellte sich heraus, dass sich Freyja kurz vor ihrem Tod einer Augenoperation unterzogen hatte, die es ihr unmöglich machte, allein an diesen Ort im Dunkeln zu fahren. Und so nimmt die Kripo in Reyjavik die Ermittlungen auf. Doch wer war Freyja Hilmarsdóttir? Was war sie für ein Mensch? Sie war Redakteurin, Journalistin, Schriftstellerin und saß einmal für die Frauenpartei im Parlament, als Ersatzabgeordnete. Freyja war Referentin für Frauenforschung, die sich stets in der Frauenbewegung engagiert hatte. Sie war Feministin. Sie war radikal gewesen in ihren Ansichten, starrsinnig und manchmal richtig diffamierend. Und sie schrieb an einem Buch. Ein Buch über Frauen jenseits der vierzig, die beide von ihren Ehemännern verlassen und entsorgt worden sind, weil diese sich was Jüngeres gesucht haben. Das Interessante an diesem Buch ist, dass es sich bei diesen Männern um bekannte Persönlichkeiten der isländischen Gesellschaft handelt. Der eine ist Magnus Mìnus, der reichste Mann Islands, der andere Kjartan A. Hansen, Botschafter und ehemaliger Finanzminister. Und dieses Buchmanuskript ist verschwunden. Mitsamt ihrem Computer.

"Freyja, Tochter des Vanen Niörd , die mit ihrem Vater und mit ihrem Bruder Freyr, mit dem sie verheiratet war, nach der Aussöhnung zwischen Vanen und Asen bei den Asen lebte, sich von Freyr trennte und die Gemahlin Odins wurde. Sie galt damit als höchste der Asinnen und besaß das Recht, neben ihrem Gemahl auf dem Hochsitz im Göttersaal zu thronen. Freyja, die mit ihrem katzenbespannten Wagen durch die Lande fuhr, galt als Göttin der Ehe und der Fruchtbarkeit und vertrat das mütterliche Prinzip, das sie bei den Frauen besonders beliebt machte und zugleich die hohe Stellung der Frauen bei den Germanen dokumentiert."

Natürlich richtet sich der Verdacht der ermittelnden Beamten auf diese beiden Männer. Beide hätten eine Veröffentlichung zu fürchten, war Freyja doch für ihre offene und unverblümte Sprache bekannt. Viele Gerüchte gibt es über dieses Skandalbuch und dessen Inhalt. Das Buch verspricht einen Einblick zu geben hinter die Kulissen von Politik und Wirtschaft. Je mehr der Hauptkommissar und Ex-Theologe Víkingur Gunnarsson und sein Team ermitteln, um so mehr werden sie in die Ränkespiele der Politik verstrickt. Denn was hat es zu bedeuten, dass zur gleichen Zeit die Landespolizeichefin Elín Óskarsdóttir Ermittlungen gegen den Millionär Magnus Mìnus aufgenommen hat? Und was hat der isländische Ministerpräsident mit diesen Ermittlungen zu tun? Aber es gibt auch Machtspiele innerhalb des Polizeiapparates. Hier geht es um Kompetenzstreitigkeiten und die Machtinteressen der Landespolizeichefin. Sie träumt von einer Abteilung, einer Sicherheitsabteilung, die ohne rechtliche Grundlage im Geheimen arbeitet und von niemandem kontrolliert wird. Und steht dies nicht im Widerspruch mit den demokratischen Vorstellungen? Schließlich meldet sich ein Erpresser bei Magnus Mìnus und Kjartan A. Hansen. Er nennt sich  Odin. Dieser Odin verlangt Geld, damit das Buch nicht veröffentlicht wird.

"Odin, bei den Westgermanen auch Wodan genannt. Sohn von Bör und Bestla. Mit seiner Gemahlin Freyja zeugte er Baldur, eine der lichtvollsten Gestalten des germanischen Götterhimmels. Odin, der höchste Gott der Asen, der daher auch den Beinamen Allvater trug, weist eine solch ungewöhnliche Fülle von Eigenschaften und Charakterzügen auf, dass er sich als Gesamtgestalt nur schwer erfassen läßt. Er ist der oberste Lenker der Schlachten, also ein Kriegsgott, nimmt aber, im Gegensatz zu Thor, nicht selbst am Kampf teil. Er ist aber auch ein Gott der Ekstase, worauf sein Name, der mit Erregung und Wut in Verbindung gebracht wird, hindeutet, ferner Totengott, der als Walvater auf Sleipnir mit dem Speer Gungnir, einem seiner Hauptattribute, diejenigen kennzeichnet, die auf dem Schlachtfeld fallen sollen und von den Walküren nach Walhall gebracht werden."

Þráinn Bertelsson's Buch läßt sich nicht nur auf diese eine Handlung beschränken. Es gibt sicherlich zwei große Themen in diesem Buch. Zum einen die Gewalt gegen Frauen. Symbolisiert in dem Charakter von Freyja, in den Eheproblemen, die Guðrún Sólveig Hallsdóttir aus der technischen Abteilung der Polizei und Kollegin von Víkingur, mit ihrem Mann hat und auch in der Nebengeschichte über einen Ehemann, dessen Frau verschwunden ist, und der abwechselnd behauptet, er habe die Leiche ins Meer geworfen, vergraben, in einem Erdloch versteckt, oder aber vehement abstritt, irgendetwas über ihren Verbleib zu wissen. Dieser Mann steckt voller Bosheit und Menschenverachtung, so dass er die Geduld der Polizisten auf eine harte Probe stellt. Und so ist das eigentliche Hauptthema dieses Buches die Stellung der Frau in der Gesellschaft und die Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird, in welcher Form auch immer. Das Auffinden der Ehefrau benutzt Bertelsson, um mit der Amerikapolitik Islands hart abzurechnen. Dies ist ein satirisches Glanzstück dieses Buches und das zweite Thema dieses Kriminalromans: die isländische Gesellschaft und hier vor allem die Politiker und die von ihnen gestaltete Politik. Sei es der Justizminister, der ehemalige Finanzminister oder der isländische Ministerpräsident selbst. Sie alle werden unter die satirische Lupe genommen. Bertelsson zeigt aber, dass diese Männer, so plump oder hilflos sie auch agieren, die Macht besitzen. Und fällt einer dieser Machtmenschen aus oder muß geopfert werden, so steht der nächste schon bereit. Er zeigt auf, wie die Gesellschaft auseinanderfällt, nicht mehr Anteil nimmt am Schicksal einzelner. So stirbt eine 17 Jahre alte Frau mitten in Reykjavik, weil niemand sich um sie kümmert, als sie im Suff stürzt. So ist es kein Wunder, dass der studierte Theologe und Hauptkommissar Víkingur an dieser Welt verzweifelt und Psychopharmaka nimmt. Viele Themen werden angesprochen. Islands Eintritt in die Allianz der Willigen, die Unterstützung für den Krieg Amerikas gegen die Achse des Bösen, der Aufbau einer Friedenstruppe in einem Land ohne Armee, die Denkweise, die dahinter steckt. Nämlich von einer Friedenstruppe zu reden, wenn es eigentlich um eine bewaffnete Armee geht und von einer Sicherheitsabteilung, wenn es um einen Geheimdienst ohne Gesetzesgrundlage geht. Und um politischen Einfluß auf polizeiliche Ermittlungen.

"Odin gilt andererseits als Gott der Weisheit und der Dichtkunst, der auch die Runen erfand. Dazu verhalf ihm ein Trunk aus der von Mimir bewachten Quelle, deren Wasser Erkenntnis und Weisheit vermittelte, für welchen Trunk der Gott allerdings eines seiner Augen opfern mußte. Odin mal von grimmiger, mal von gütiger Wesensart, ist ein Meister der Verwandlung, wobei er Tiere wie Schlangen oder Raben bevorzugte. Häufig schweift er mit Schlapphut und mit Sternen besätem Mantel durch die Welt, um diese zu ordnen und bei den Menschen Einkehr zu halten, um sie auf ihre Gastfreundschaft zu überprüfen. Oft sitzt er auch auf dem ihm in der Götterhalle zustehenden Thron, zu seinen Füßen die Wölfe Freki und Geri, auf seinen Schultern die Raben Munin und Hugin, die ihm alles berichten, was in der Welt geschieht. Trotz der Fülle seiner Macht war der oberste der Asen wie alle anderen Götter nicht unsterblich und dem Schicksal unterworfen. Das ihm zugedachte Ende kam mit der Götterdämmerung, als der Fenriswolf ihn verschlang. Sein Sturz war endgültig, denn von seiner Wiederkehr nach dem Entstehen eines neuen Himmels und einer neuen Erde ist im Mythos nicht die Rede."

Dieser Kriminalroman bietet großartige Unterhaltung und ist ein aufregender Kriminalroman. Þráinn Bertelsson besitzt einen großartigen satirischen Humor. Dieses Buch ist nicht nur spannend, sondern auch mit funkelndem Witz geschrieben. Es ist eine äußerst unterhaltsame Reflexion der isländischen Gesellschaft im Mantel eines hervorragenden Kriminalromans.

Zitate aus: Germanische und keltische Mythologie - Herder Lexikon


Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
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