Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
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Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
 
Arne Dahl - Sieben minus eins
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"Das letzte Treffen" von Stella Blómkvist

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Geschäftemacher des Todes

Die hochschwangere Rechtsanwältin Stella Blómkvist muß sich in diesem Kriminalroman gleich mit drei Fällen auseinandersetzen. Im ersten Fall muß sie sich mit häuslicher Gewalt auseinander setzen. Eine Ehefrau wird von ihrem Mann geschlagen und schwer misshandelt. Stella übernimmt die Scheidungsklage, die die Ehefrau gegen ihren Mann einreichen will. Baldvin, der Ehemann, ist der Sohn des Bankdirektors Sigurlinni der Landeszentralbank. Als dann auch noch die Mehrheit des Pfarrgemeinderates von Seltjarnarnes versucht, den Gemeindepfarrer David aus seinem Amt zu vertreiben, übernimmt Stella, zusammen mit Lísa Björk, die seit ein paar Monaten bei ihr arbeitet, auch diesen Fall. Pfarrer David, sieht hinter den Bestrebungen, ihn aus dem Amt zu vertreiben, eine große Verschwörung. Dem Gemeindepfarrer liegt viel auf dem Herzen. Er redet manchmal, als ob er sich von aller Ungerechtigkeit der Welt persönlich beleidigt fühlt. Oder Gott. Oder beide.

Der dritte Fall, in den Stella schließlich involviert wird, ist der schwerwiegendste. Ein neuer Mord. In einem aufgelassenen Stützpunkt der US Air Force bei Keflavik, Rockville genannt, wird ein Mann tot aufgefunden. Ein Ausländer der über sechzig Jahre alt ist. In Rockville befand sich früher einer von vielen Radarposten der US Armee auf Island. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde der amerikanische Stützpunkt auf Island geschlossen. Seitdem sind alle Gebäude auf dem Gelände dem Erdboden gleichgemacht und der Schrott beseitigt worden. Später stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen amerikanischen Staatsbürger handelt, der in den siebziger Jahre in Rockville stationiert war. Stella wird zu diesem Fall hinzugezogen, als ein Geschäftsfreund des Toten in Verdacht gerät. Andri Ólafur, der isländische Geschäftsfreund, ist einer der Isländer, die in den letzten Jahrzehnten ihr Glück im Ausland gemacht haben. Wirtschaftlich gesehen. Er wohnt schon lange in Luxemburg und hat von da aus Geschäfte mit der ganzen Welt betrieben. Zwielichtige Geschäfte, sagen manche.

Andri Ólafur ist das, was man früher Alteisenhändler nannte, aber er ist zweifellos ein wahnsinnig reicher Alteisenhändler. Er gehört in dieser neuen Wikingerzeit mit zu den reichsten Isländern. Der Ramsch, den er verkauft, besteht zu hundert Prozent aus Kriegsmaschinerie. Er verschiebt Waffen, alles was Regierungen loswerden wollen, weil sie ihre Waffen erneuern oder wegen der veränderter Vorzeichen der Sicherheitslage. Andri Ólafur und der tote Amerikaner, Donald Garber, kennen sich aus der Zeit, als dieser auf Island stationiert war. Schon damals hatten sie zusammengearbeitet und verschiedene Sachen - Drogen, Alkohol und Zigaretten geschmuggelt. Am Abend des Mordes hatten sich die beiden zu einer Besprechung getroffen. Das letzte Mal das Donald Garber lebend gesehen wurde.

Andri Ólafur ist der Überzeugung, das alle Spuren, die zu ihm führen, gelegt wurden. Aber die Beweise sind erdrückend. Sein Auto wurde am Tatort gesehen, die Tatwaffe wurde in seinem Auto gefunden und die Frau, die sein Alibi bezeugen könnte, ist spurlos verschwunden. Und so nimmt sich Stella, im siebten Monat schwanger und durch ihren Babybauch sehr schwerfällig und behäbig geworden, sich dieses Falles an. Als verschiedene anonyme Briefe auftauchen, in denen auf die Kontakte von Donald Garber in die Kinderporno Szene und auf seine Tätigkeit als Waffenschmuggler hingewiesen werden, nimmt Stella Witterung auf. Die Spur führt zu einem verschwunden Kind, dessen Mutter in den siebziger Jahren mit Garber liiert war. Das Kind blieb bis heute verschwunden. Die Mutter möchte nun Gewissheit, ob Garber etwas mit dem Verschwinden zu tun hat.Stella rührt nun so lange in der Vergangenheit, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Dabei stellt sich heraus, dass alle drei Fälle auf irgendeine Art und Weise zusammenhängen. Island, so scheint es, ist doch eine kleine Insel. Stella und ihr ungeborenes Kind geraten bei den Nachforschungen in Lebensgefahr. Aber schlußendlich überwindet sie alle Hürden mit ihrem losen Mundwerk und ihrer taffen Art. Sie läßt sich auch von einem Bankdirektor mit seinem politischen Einfluß nicht abhalten und mischt die "Goldjungs" von der isländischen Polizei wieder einmal kräftig auf. Stella Blomkvist liefert auch mit diesem Buch, ihrem sechsten Kriminalroman, trotz des sehr ernsten Themas, der Kinderpornographie, einen unterhaltsamen Kriminalroman ab. Sie ist zwar nicht mehr so körperlich aktiv wie in den anderen Büchern aber ihr Mundwerk ist und bleibt ihre beste Waffe. Und von Männern läßt sie sich noch lange nicht unterkriegen.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
© März 2009 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Mord in Thingvellir" von Stella Blómkvist

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"Ich möchte gerne den Ertränkungsgumpen sehen, sagte das Mädchen, als es mit seinem Vater draußen im Freien auf dem Weg zum Nachtquartier war. Ihr Vater fand es unnötig, daß sie einen Umweg machten, aber sie bettelte darum, und als er fragte, antwortete sie, sie habe sich schon immer gewünscht, den Ort zu sehen, an dem man schuldige Frauen zu ertränken pflegte. Schließlich setzte sie ihren Willen durch. Irgendwo aus einer Schlucht hörte man Schläge, und die Felsen verliehen dem Geräusch einen musikalischen Klang. Als sie den Gumpen erreicht hatten, sagte das Mädchen:
Nein, schau, da ist Gold auf dem Grund. Sieh nur, wie es flimmert.
Das ist der Mond, sagte ihr Vater.
Sie sagte: Würde ich hier ertränkt werden, wenn ich eine schuldige Frau wäre.
Treib keinen Spott mit der Gerechtigkeit, Kind, sagte er.
Ist Gott nicht barmherzig? fragte sie.
Doch, liebes Kind: auf dieselbe Weise wie der Mond im Ertränkungsgumpen. Sagte der Richter. Und jetzt wollen wir von hier weggehen." Halldór Laxness "Die Islandglocke"


Buchtipp
Camilla Läckberg - Die Schneelöwin
Soleen Grebase, siebzehn Jahre alt, aus einer kurdischen Familie stammend, wird tot im sogenannten Ertränkungspfuhl im Thingvellir Nationalpark gefunden. Eingepackt in einen schwarzen Müllsack und beschwert mit einem Anlasser liegt sie auf dem Grund des Flusses Öxara. Bald gerät der Vater des Mädchens durch ein paar Zeugenaussagen in Verdacht. Nicht nur, dass der Anlasser aus seiner Werkstatt stammt, sondern auch sein Verhältnis zu seiner Tochter machen ihn verdächtigt. Er verbot ihr den Umgang mit ihren Freunden und war immer auf ihre Ehre und die Ehre der Familie bedacht. Auch war sie schon an einen Verwandten in der Familie versprochen.

Für die Presse und die Politei ist der Schuldige demnach schnell gefunden und so muß Stella Blómkvist, als sie die Verteidigung des Vaters übernimmt, nicht nur gegen die Behörden kämpfen sondern auch gegen die öffentliche Meinung, die von einem Ehrenmord ausgeht. Stella hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie mit dem muslimischen Vater und seinen Ansichten so ihre Probleme hat, setzen ihr auch die Öffentlichkeit und die Behörden zu. Und dann erhält sie noch einen Anruf aus Ostisland. Ihr Vater ist gestorben. So muß sie sich auch noch um private Dinge kümmern. Sie reist nach dem Osten, um sich um die Beerdigung zu kümmern. Verführt dabei den jungen Pfarrer, was nicht ohne Folgen bleiben soll. Taucht wieder tief in ihre bewegende Vergangenheit ein und stößt auf dunkle Geheimnisse um ihren Vater. Geheimnisse, die indirekt auch mit ihrem aktuellen Fall zu tun haben.

Es ist wieder ein typischer Stella Blómkvist Fall. Polizei und Politiker, aus der Provinz oder mit höchsten Ämtern begleitet, sind ihre Gegner. Aber auch die öffentlichen Meinung, angeheizt durch die Medien, zeigt ihre hässliche Fratze. Latente Ausländerfeindlichkeit schlägt durch und zeigt sich nun offen. Aber geradlinig und unbeeinflußbar geht sie ihren Weg und sucht nach der Wahrheit. Immer begleitet von ihren privaten Sorgen. Immer auf der Suche, mehr Geld abzuschöpfen, um darin materielle Sicherheit zu finden. Und auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer. Ob Frau oder Mann spielt keine Rolle. Aber erwartet doch sehnsüchtig die Rückkehr ihrer Freundin Ludmilla. Natürlich behauptet sie ihre Freiheit, will nicht mehr abhängig sein. Sehnt sich aber doch nach einer festen Beziehung. Doch in ihrem Privatleben geschieht einiges. Ihr Vater stirbt und sie muß sich noch einmal ihrer Vergangenheit und der Vergangenheit ihres Vaters stellen. Ein Tresor im Nachlaß ihres Vaters birgt dunkle Geheimnisse.Die Sprache ist wieder direkt und Stella nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Humor kommt, wie immer, nicht zu kurz. Sie meistert alle Gefahren und am Ende wird die isländische Gesellschaft wieder von einem Skandal erschüttert. Stella hat es den machthungrigen Männern wieder einmal gezeigt.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
© September 2007 Literaturportal schwedenkrimi.de - Krimikultur Skandinavien

"Der falsche Mörder" von Stella Blómkvist

Die zwielichtige Welt der Macht und Korruption in Island
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Ein neuer Fall für Stella Blómkvist. Das vierte Buch der isländischen Krimiautorin Stella Blómkvist liegt nun vor. Eigentlich ist es das dritte Buch in der Reihe über die isländische Rechtsanwältin, aber aus unerfindlichen Gründen, erscheint dieser erst jetzt.

Reich wird man nur, wenn man seine Hände in anderer Leute Taschen hat

Stella wird an einem Sonntag, als sie gerade dabei war, sich selbst das höchste Vergnügen zu verschaffen, aus dem Bett geklingelt. Ein Pfarrer fragt im Namen seines Schwiegervaters um ihre Hilfe an. Der Schwiegervater ist Richter am Obersten Gericht. Der Richter wird des Mordes verdächtigt an einer jungen Frau. Diese wurde ermordet auf dem Sofa in seinem Büro, im Haus des Obersten Gerichts aufgefunden. Erstochen. Sie ist Schauspielerin und Tänzerin in Nachtclubs und der Richter hatte ein Verhältnis mit ihr. Außerdem wird der Richter gefilmt, wie er mit dem Opfer kurz vor dem Mord, das Gericht betritt und kurz darauf ohne sie, es wieder verlässt. Es sieht nicht gut für ihn aus, vor allem, da er kein hieb- und stichfestes Alibi vorweisen kann. Als Motiv wird Erpressung vermutet, da bei der Toten ein Video gefunden wird, dass den Richter und sie beim Liebesspiel zeigt. Stella als Meisterin aller hoffnungslosen Fälle übernimmt die Verteidigung. Richtet sich nach dem Grundsatz, dass jeder Mensch solange unschuldig ist, bis seine Schuld vor Gericht bewiesen wird. Der Richter ist tief in die politischen Seilschaften verstrickt. Kam auch durch politische Kungeleien zu seinem Posten und seine Berufung war höchst umstritten. Die Tote, Sjöfn, Schauspielerin und Stripperin, wird als unmoralische, ordinäre Hure bezeichnet, die nur an sich selbst denkt und keine Rücksicht auf die Gefühle anderer nahm.

Dann bekommt Stella einen zweiten Auftrag. Ein Isländer, der nach Amerika ausgewandert ist, ruft sie an, da er keinen isländischen Pass bekommt. Es gibt ihn nicht. Er ist als gestorben eingetragen. Es handelt sich um einen gewissen Geirfinnur Einarsson, der vor ein paar Jahrzehnten spurlos in Keflavik verschwunden ist und der als ermordet gilt. Aber es wurde nie eine Leiche gefunden. Sein Verschwinden löste ein kleines isländisches Watergate aus; einige Leute waren deshalb im Gefängnis. Es war der Beginn des umfangreichsten Kriminalfalls des Jahrhunderts in Island. Die ganze isländische Gesellschaft lief jahrelang Amok.

Und so nimmt sich Stella dieses Falles an. Auf ihre Art wirbelt sie wieder durch die Instanzen. Nimmt kein Blatt vor dem Mund und ermittelt mit ganzem Körpereinsatz.

Glück bekommst du nicht für Geld. Auch nicht für viel Geld

Stella ist also wieder da. Die Rechtsanwältin und Geldeintreiberin. Sie liebt das Geld (in pecunia veritas). Treibt alle möglichen Schulden ein: Wechsel, Pfandbriefe, Schecks und Kreditkartenrechnungen. Sie kauft Schulden.

  Stella Blómkvist bei schwedenkrimi.de
Biografie
Autorengedanken/ Essay
Autoreninterview 2005
Autoreninterview 2007
Übersetzerinterview
Buchvorstellungen
Rezensionen
Leseprobe
"Das Leben der Schuldner geht sie nichts an. Diese Angeberschweine sind des Öfteren ganz schön erstaunt. Glauben, dass sie mit ihr umgehen können wie mit jeder anderen Ehefrau. Hat einmal gedacht, sie würde gegen die Klauen des Unrechts kämpfen. Wenn nicht sogar die Welt retten. Dann kam sie darauf, dass die Welt sich gar nicht retten lassen will. Da hat sie angefangen, an sich selbst zu denken."

Der Goldschlüssel zu ihrem Herzen sind Gier und Begierde. Und so lautet ein Grundsatz: "Reich wird man nur, wenn man seine Hände in anderer Leute Taschen hat." Mammon ist ihr Mann. Den gibt's auch in der Bibel. Der Gott des Geldes. Gott all dessen, was die Räder zum Laufen bringt. Gott unser aller, die den Mut haben, für sich selbst zu leben.

Und sie ist es gewohnt, für sich selber zu sorgen. Keine Bindungen, die man am nächsten Morgen nicht mehr lösen kann. So will sie es haben. So soll es sein. Liebe ist für sie nur ein Spiel. Begierde. Ob es nun männliche oder weibliche Partner sind.

"Nichts anderes oder mehr. Früher hatte ich so was immer völlig im Griff. Habe immer genau darauf geachtet, mich nicht zu fest an jemanden zu binden. Die Beziehung sollte sich jederzeit ohne Aufstand beenden lassen. Trank auf ex und schmiss den Becher achtlos auf die Seite. Natürlich möchte ich weiterhin das Leben genießen. Die Möglichkeiten ergreifen, die sich bieten. Spaß an dem haben, was mich jedesmal begeistert. An allem, was ich gerne haben möchte. Aber nur für einen Moment. Ich muss aufpassen, dass ich die Initiative immer selbst ergreife. Und zur richtigen Zeit aufhöre. Bevor es zu spät ist. Keine unlösbaren Beziehungen. Das ist der Dreh."

Manchmal ist das Leben kalt, obwohl man Geld ohne Ende hat

Wer ist diese Rechtsanwältin, die sich schnoddrig, fluchend und erotisch durch das Leben schlägt und die bei Mord Gänsehaut bekommt - wie bei einem unerwarteten Kuss in die Leiste. Die es gewohnt ist, allein zu sein. Es völlig in Ordnung fand, mit ihr alleine zu sein. Sie brauchte keine ihr nahe stehenden Menschen, um ihr Leben zu verkomplizieren. Selbständig. Von niemanden abhängig. Aber auch sie hat ihre Geschichte. Langsam entwickelt sie sich in den vier bisher vorliegenden Büchern. So hat sie in ihrer Lebensgeschichte auch einen Platz, den sie verlassen hat. Das alte Hotel an der Ringstraße in den Ostfjorden, wo sie aufgewachsen ist. Zuerst hat sie bei Mama und Papa gewohnt. Dann nur noch bei Papa, nachdem Mama weggegangen ist. Sie ist dort seit Jahren, seit sie angefangen hat, in der Stadt zu studieren, nicht mehr hingefahren. Schon der Gedanke daran, jagte ihr im hellen Sonnenschein einen Schauer durch den Körper. Die Eltern haben eine Internatsschule gekauft und sie von innen und außen generalüberholt. Sind dann eingezogen und haben ein Sommerhotel eröffnet. Stella lernte dort Siggi Palli kennen. Siggi Palli - gehört zu dem, was längst vergessen ist. Ganz zuunterst in der dunkelsten Kellerkammer des Gehirns vergraben. Ganz tief begraben im Müllsarg der verbotenen Erinnerungen. Sie will diesen ekelhaften Albtraum der Vergangenheit ganz bestimmt nicht wieder ausgraben.

"Darf diese alten Gespenster nicht wecken, die mausetot und irgendwo tief vergraben sind. Die Geister des Elends, die ich längst hinter mir gelassen habe." Von diesem wurde sie schwanger. Wurde von ihm verraten. Ihre Welt brach in jenem schrecklichen Herbst zusammen, als sie vierzehn war. Nachdem sie wußte, dass sie schwanger war. Sie ließ abtreiben. Auf Betreiben ihrer Mutter. Der Vater setzte großes Vertrauen auf die Dunkelheit als Lehrerin. Sperrte sie in den Keller. Verlor die Angst vor ihrem Vater, als sie entdeckte, dass er ihre Sexualität entdeckt hatte. Das sie ihn mit ihrer Sexualität beherrschen kann. Da löste die Verachtung die Angst ab. Und der Rachedurst. Forderte ihn heraus. Ihre Mutter erwischte ihren Vater und sie in einem Zimmer. Ein Jahr später waren ihre Mutter und sie weg. Aber jede in eine andere Richtung. Und so ist sie immer noch Single. Auch ungebunden, was die Vergangenheit angeht. Hört nie etwas von Papa im Osten. Zum Glück. Bekommt noch Briefe von Mama. Hin und wieder. Sie ist immer noch in Amerika.

Von einem Mann wird sie folgendermaßen beschrieben: "Eine von diesen Emanzen, die alle Männer hassen. Frech, grob und zynisch. Unmoralisch wie eine läufige Hündin. Sie ist nur zufrieden, wenn es ihr gelingt, Männer zu demütigen. Sie psychisch und physisch zu kastrieren. Frißt sie lebendig und schmeißt sie dann weg, als seien sie Müll."

Ertränke deine Wut nicht in deinen eigenen Tränen

Aber Stella macht sich ihre Wut auf die Männerwelt zu nutze, die sie beinahe zur Strecke gebracht hätten. Wußte, dass sie ihnen niemals den Gefallen tun konnte aufzugeben. Niemals. Was zurückbleibt ist die Angst vor der Dunkelheit, Angst davor eingesperrt zu sein.

"Darf dieser grauenhaften Dunkelheit nicht erlauben, die alten Schlangengruben zu öffnen. Die widerlichen Erinnerungen, die ich die ganzen Jahre in die tiefsten Verliese meines Gedächtnisses eingesperrt habe."

Alles was weh tut, wandert in diese Verliese. Gefühle, die sie anderen Menschen gegenüber empfindet. Ásta, mit der sie ein Verhältnis in "Der falsche Zeuge" hatte, hat sie verlassen. Hat ein schwedisches Mädchen an der Uni kennen gelernt. Es macht sie immer noch traurig, sie fröhlich lachend mit einer anderen zu sehen. Sie hat tapfer versucht, sie zu vergessen. Ásta in das schwarze Loch der Vergangenheit einzusperren. In die historische Schlangengrube. Dahin, wo auch alles andere gewandert ist, das aus meinem Leben verschwunden ist.

"Irgendwas in ihr verlangt danach, weinen zu dürfen. Aber ich versage mir das. Nie weinen. Nicht ein einziges Mal. Immer stark genug sein, um alles auszuhalten. Sich nicht vom Unglück übermannen lassen, egal wie widerwärtig es sein mag."

Die schrecklichsten Ungeheuer verstecken sich gerne in den idyllischsten Seen

Politiker, Richter, die isländische Unterwelt, Islands Wirtschaftskreise und die Medien - dass sind die Kreise, in denen Stella versucht, dem Recht zu seinem Recht zu verhelfen. In denen sie versucht, einen Weg zu finden, um zwei Herren gleichzeitig zu dienen: der Justiz. Und der Gerechtigkeit. Diese Gesellschaftsschichten scheinen alles zu haben, was die Welt zu bieten hat. Reichtum, Macht, Schönheit, Einfluß. Aber Glanzbilder machen Stella immer misstrauisch. Die Wirklichkeit ist weder Glimmer noch Glasur. Außerdem fühlt sich Dreck unter einer aufpolierten Oberfläche am wohlsten.

Und diesen Dreck findet sie immer wieder. In der Politik: "..wo sich die hohen Tiere über die Wampe streichen und unsere Steuern erhöhen. Gibt es nicht zwei Seiten an jedem Politiker wie beim Mond? Die schöne Vorderseite zur Veröffentlichung in der Presse. Und dann gibt es noch die Rückseite, die sie versuchen, vor uns unwissenden Wählern zu verheimlichen. Allgemein betrachtet, kann man die, die Politik betreiben, in zwei Gruppen einteilen. Auf der einen Seite gibt es die Macher, auf der anderen Seite das Fußvolk."

Macht verdirbt den Charakter

Im Schatten der Macht kann Bestechung gedeihen. Die, die an der Macht sind, ziehen alle möglichen Leute an. Opportunisten, die Karriere machen wollen, finanziell abgesichert natürlich, alle Privilegien genießen, die die Macht mitbringt - natürlich auf Kosten der gemeinen Steuerzahler.

Aber auch wie in ihrem neuesten Fall in der Justiz: "Es ist undenkbar, daß ein Richter am Obersten Gericht, der zufällig dahinter käme, daß Geirfinnur Einarsson noch lebt, solches Wissen geheim halten würde. Ein solches Schweigen wäre ein wissentliches Vertuschen. Teilnahme an vielfachem Gerichtsmord." Der Richter, des Mordes verdächtig, verteidigt sich, nach folgendem Anwurf von Stella: "Ich glaube einfach nicht, daß Du immer noch den Standpunkt des Systems vertrittst, das Dir Freiheit und Ehre geraubt hat!" "Es ist mein Lebenswerk, die höchsten Institutionen von Land und Volk gegen anarchistische Kräfte zu schützen, und daran wird sich auch nichts ändern, noch nicht mal mein schreckliches Missgeschick jetzt." "Was ist mit dem Recht derer, die für einen Mord an einem Mann verurteilt wurden, der noch lebt?" ..."Dann haben sie eben einen anderen Mord und andere Verbrechen begangen."

Natürlich ist es nur die alte Überheblichkeit der Macht:
Das Volk bin ich.

Und sie beschreibt das Gemengenlage von wirtschaftlichen Einfluß, von Reichtum und Extremismus. Von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Eine Mischung, die neugierig macht. Und gefährlich ist.

"Viele mächtige Männer in der Gesellschaft waren den Nationalisten wohlgesonnen, nannten sie junge Männer, mit Idealen und anderes in dem Stil. Wir wissen auch, dass in der Bewegung, obwohl sie nach außen hin schwach war, ein starker innerer Zirkel gearbeitet hat, der im Hintergrund alles tat, was möglich war, um das Programm der deutschen Nazis zu unterstützen. Diese Gruppe hat sich im Verborgenen getroffen, bis der Weltkrieg mit der Niederlage Hitlers beendet wurde. Sie kamen im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg alle zu großem Einfluss in der isländischen Gesellschaft. Manche wurden ins Parlament gewählt, manche bekamen einen Posten mit weit reichender Macht im Staatsapparat."

Bestechungen, Erpressungen und Schiebereien. Nichts was es nicht gibt auf dieser Insel. Kapital und Schulden werden so lange zwischen Firmen hin und her geschoben, bis die Gesellschaft, die verschuldet ist, völlig zahlungsunfähig ist. Das Wandern von Kapital von einer Tochtergesellschaft zur nächsten, ist eine Art gesetzlich geschützter Diebstahl. Die neuen Finanzjongleure, die in alle Richtungen expandieren, neue Firmen kaufen oder gründen, diesen Wahnsinn sowohl mit Aktiengeschäften als auch mit in- und ausländischen Krediten finanzieren. Und wenn der Markt kollabiert ist, kommen sie mit ihrem Spielplatz in ernste Schwierigkeiten.

Am bittersten ist der Sieg des Bösen

Es sind keine psychologischen, rätselhaften Krimis, kein Kommissar, der schwer an sich selbst trägt, die Stella Blómkvist uns vorlegt. Es sind kurzweilige, unterhaltsame Geschichten, schnell gelesen, mit einer Hauptperson, einer scharfzüngigen, sarkastischen Rechtsanwältin, mit ihren Fehlern und Brüchen, die uns dennoch sympathisch ist. Dieser freche, manchmal zynische Ton ist einer der Stärken ihrer Romane. Sie liebt harte Drinks, ihren Jack Daniels, sie ist eine Art weibliche Version von Philip Marlowe und eng verwandt mit V.I. Warshawski. Sie benutzt die Männer lediglich als Sexualobjekte und knüpft keine emotionalen Banden mit ihren Bettgenossen. Dies gilt für beide Geschlechter; doch die Frauen scheinen ihre Gefühle mehr anzusprechen. Eine Frau, die alle Tricks kennt. Besser als die Männer.

Die Krimis geben den Blick frei auf die isländische Gesellschaft, wie sie in keinem Reiseführer beschrieben ist. Sie sind bar aller Klischees, die so gerne von dieser Insel aus "Feuer und Eis" verbreitet werden, zeigen keine rührselig, verklärte Romantik, sondern zeigen die dreckigen, Hinterhöfe der Macht und des Geldes, mit ihrem Dreck und Unrat und den Wesen, die sich davon ernähren. Mit ihren Schattenseiten, dem Zwielicht zwischen Macht und Reichtum. Den Wechselbeziehungen von denen, welche die Macht ausüben, und denen die das Geld und den Einfluß haben, um die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und auch andere Gesellschaftsschichten bekommen ihr Fett weg, die Juristen und die Medien.

Und die Bücher von Stella Blómkvist haben noch andere Stärken. Am Ende der Geschichten, gibt es Lösungen, aber keine einfachen. Manchmal bleiben Rätsel, die nicht aufgelöst werden. Zum Beispiel in "Das ideale Verbrechen": hat Hallgerdur wissentlich Drogen geschmuggelt oder ist sie ein Opfer ihrer Feinde geworden oder in ihrem neuesten Fall: Ist der Mörder, der scheinbar Selbstmord begangen hat, wirklich der wahre Mörder? Stella läßt Fragen offen. Es gibt Lösungen aber sind sie die richtigen? Oder sind es nur die einfachen Lösungen, damit alle mit ruhigem Gewissen weitermachen können? Stella stellt alles in Frage und nichts ist das, was es zu sein scheint.

Vielen Dank an Jürgen Ruckh aus Esslingen
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